Seite 44 | BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2011
LAUF RAUF
uns einen Sonnenuntergang deluxe zu präsentieren. Je
mehr die Sonne verschwand, desto rosafarbiger leuch-
tete der Schnee. Man konnte glatt geneigt sein zu
sagen: „Mensch ist das kitschig“, und ich glaube, dieje-
nigen, die so etwas noch nie erlebt haben, denken auch
so – gerade weil sie es nicht kennen. Das ist aber die
tagtägliche Realität, wenn es nicht gerade saut. Durch
die Herumsteherei ist es dann doch recht frisch gewor-
den, da konnten uns die paar Schwünge zur Hütte auch
nicht wärmen. Umso erfreulicher war es, in einen war-
men Raum zu treten und heißen Tee serviert zu bekom-
men.
Während das Abendessen vorbereitet wurde, kümmer-
te sich Dominik ums Wetter. Die Vorhersagen waren
ernüchternd: Für den nächsten Tag war alles im grünen
Bereich, solange wir die Hänge verlassen, bevor sie
durchnässt sind. Das Dilemma war jedoch der Föhn. Die
Nullgradgrenze sollte auf über 2.500 Meter steigen,
und es würde dann auch nachts nicht mehr gefrieren.
Somit würden wir auch auf der Nordseite keinen tra-
genden Schnee mehr haben. Diese Nachricht ließ das
Lauf Rauf um einen weiteren Tag schrumpfen, aber
wenn es nicht sein soll, dann ist es halt so.
Den Rest der Nacht verbrachten wir recht unterhaltsam
beim Versuch eine weitere Tagesration, die wir jetzt ja
nicht mehr benötigten, zu verdrücken. Da kam das halb-
stündliche Aufstehen und Schneeholen gerade recht.
Wer nach einem anstrengenden Tag sein Teewasser aus
geschmolzenem Schnee zubereiten muss, wird zu
schätzen lernen, wie kostbar Wasser ist.
Vor Sonnenaufgang klingelten die Wecker der Handys.
Für den Abstieg zurück nach Oberstdorf hatte Dominik
noch einen Klassiker der Allgäuer Alpen ausgesucht.
Während Stefan durch das Bacher Loch abstieg, mach-
te sich für uns die am Vortag angelegte Spur verdient.
Am Bockkarsattel erwarteten uns schon die ersten
Strahlen der Morgensonne. Wir traversierten hoch
Richtung Mädelegabel, wo sich der Einstieg der
Trettachrinne befindet. Bis zur Spielmannsau sind es
dann noch 1.400 Höhenmeter – nichts für Sessellift-
Furzer! Diese Tour wird nicht umsonst als alpine Skitour
bezeichnet. Die Trettachrinne ist ein magischer Ort und
hat in meinen Erinnerungen einen ganz besonderen
Platz erhalten. Wer einmal dort gewesen ist, wird ver-
stehen, was ich meine. Ich hätte mich noch gerne län-
ger dort aufgehalten, jedoch waren über uns die
Südosthänge, von denen ein Großteil zwar wohl schon
die Tage zuvor abgegangen war. Aber dies herauszufin-
den, waren wir nicht bereit. Auf der Suche nach
Abenteuer bewegen wir uns auf einem schmalen Grad.
Und um das Abenteuer zu überleben, muss man die
richtigen Entscheidungen treffen.
www.laufrauf.com
Fotos & Text: Anton Brey
Skier: Michael Trojer
Skier: Michael Trojer