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HELISKIING EUROPA VALGRISENCHE


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Zuerst hört es sich an wie ein Traktor, der sich mit steigenden Drehzahlen und lautem Gestampf einen steilen Weg bergauf müht. Doch verhältnismäßig schnell kommt das laute Pochen und Schlagen näher. Begleitet von einem Turbinenpfeifen errät man schnell den Verursacher.

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Wir, mein ebenfalls skibegeisterter Kumpel Philipp und ich sitzen im großzügigen Frühstücksraum des Hotel Perrier in Bonne- Valgrisenche. Einem Bergdorf in dem die Zeit stehen geblieben scheint. Keine Alpenbarock Prunkbauten, wie wir sie von den österreichischen Skiorten kennen. Lediglich eine eineinhalbspurige Dorfstraße führt ein paar Meter durch das Örtchen, welches nicht mal zweihundert Einwohner beherbergt. Die meisten Häuschen wurden einstmals aus heimischen Felsen erbaut. Skitouristen, Lifts, Shops, Aprè Ski Bars, Wellness Oasen oder gar Autokorsos? Fehlanzeige! Die einzige Moderne schwebt nun laut schlagend und stampfen vor unserem Fenster vorbei. Begleitet von einem durchdringenden Pfeifen versinkt der Hubschrauber in einer scharfen Kurve unweit unseres Hotels direkt im Wald. Baumwipfeln peitschen um sich als würden sie von einer ganzen Armada Riesen geschüttelt. Im Nu ist nur noch das gleichmäßige Schlagen der Rotorblätter zu hören. Doch schnell steigert sich der Lärm erneut und wenige Sekunden später taucht das Lufttaxi über den Baumwipfeln wieder auf, um in einem weiten Bogen Richtung Berge zu verschwinden. Nun ist es wieder ruhig und Phillips kurzer Satz, fast andächtig aus dem Kehlkopf gesprochen, ist leicht zu verstehen: „Wir sind die Nächsten!“

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Ein Gefühl von Aufregung und Vorfreude macht sich in meiner Magengegend breit. Zwei Heliskitage stehen uns bevor. Im Jahre 1986 war dies hier der erste permanente Spot, welcher diese elitäre Aufstiegshilfe angeboten hat. Eine Ehre, dies nun in Anspruch nehmen zu dürfen.

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Vor dem Hotel beschnuppern wir unsere zukünftigen Skibuddies. Da ist der drahtige Einheimische Marco. Seine Ski, Bekleidung und Ausrüstung lassen auf einen abfahrtsaffinen Bergführer schließen: Breite aber leichte Powderlatten mit Pinbindung und Tourenskischuhe. Der Eindruck wird bestätigt. Er ist Berg- und Skiführer und unser Heliguide. Außer ihm warten noch zwei symphatische Burschen fröhlich auf das bevorstehende Vergnügen. Frank aus Fehmarn und Jahn aus Bielefeld. Jahn erzählt sofort freimütig, er sei noch Jungfrau. Also dass dies so ziemlich sein erstes Tiefschneeerlebnis sein wird. Beim kurzen Fußmarsch zum Heliport tuscheln Philipp und ich dementsprechend misstrauisch. In den Chiemgauer Bergen heimisch nutzen wir jeden freien Tag im Winter, um auf den Latten zu stehen und jetzt haben wir Flachlandtiroler am Hals. Das wird wohl mehr ein Skikurs werden und schade, dass wir nichts zum Lesen mitgenommen haben. Da wird es beim ständigen Warten schön langweilig werden. So granteln wir eine Weile weiter. Noch ahnen wir nicht wie wir uns täuschen.

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Der Hubschrauber Landeplatz ist tatsächlich eine unscheinbare Lichtung im Wald. Einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt. Kaum legen wir unser Gepäck ab, dürfen wir es schon in den zurückgekehrten Riesenvogel verstauen. An einer der Kufen befindet sich ein Gitterkäfig. Der Gepäckträger für Skier und Stöcke. Die Rucksäcke kommen ins Cockpit. Aber nicht ohne das ABS- System zu sichern. Ein versehentliches öffnen gar während des Fluges könnte fatale Folgen haben. Im Nu schrauben wir uns aus dem Valgrisenche Tal empor und Sekunden später eröffnet sich ein gigantischer Blick auf die hochalpine Bergwelt der Westalpen. Jedes Augenpaar klebt auf den Gipfeln und versucht sie zu entziffern. Nicht weit von uns befindet sich zum Beispiel der Grand Combin und das Matterhorn dominiert wie immer die Westalpenkulisse. Jedoch wirklich interessant sind die leckeren unberührten Hänge mit cremigem Pulverschnee. Hie und da sind ein paar Skispuren zu erkennen. Auf meine Frage, ob das Tourengeher waren grinst Marco und erwidert: „Nein, die sind alle von uns!“ Darüber bin ich erfreut. Meine Angst, selbst Tourengeher, ständig auf verächtlich guckende „Artgenossen“ zu stoßen, ist somit unbegründet. Das Ressort ist noch so unberührt, dass man unter Umständen Wölfe und Bären anfindet. Eigentlich ist der Flug schon spannend genug. Aber bereits nach wenigen Minuten setzen die Kufen auf einem Grad ab. Schon springen wir Fünf, der Guide zuerst, aus der Kabine. Es geht Ruckzuck. Skier aus dem Korb und Gesicht nach unten auf die Knie. Das tut man gerne, da die Rotorblätter gefährlich nah über unseren Köpfen wirbeln und zudem einen partiellen Sturm erzeugen. Warum denke ich jetzt an meine Yogaübungen? Mit steifen Gliedern können wir uns schließlich vollends aufrichten. Der weiße Vogel ist schon wieder am Abflug. Ein Raumwunder ist so eine Kerosingondel nämlich nicht und die angeschnallten Rucksäcke machen ein sitzen nicht gerade bequemer. Eine kleine Schneefontäne wirbelt noch kurz hinter ihm im blauen Himmel hinterher und endlich ist es ruhig. Kein Lüftchen, kein Ton, soweit das Auge reicht: Natur.

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Die Bindungen schnappen nach sämtlichen Skischuhen. Nur beim Guide nicht. Typisch Pinbindung halt. Während er versucht, mit den Schuhspitzen den Dorn zu treffen, erklärt er uns wie’s läuft. Er fährt zuerst, stoppt und winkt. Einzeln sollen wir folgen, um den Sicherheitsaspekt zu steigern. Die Schneedecke wird durch einen Skifahrer weniger belastet, als wenn alle zur gleichen Zeit fahren. Falls wirklich eine Lawine abgehen sollte, sind noch genügend Kameraden wohlauf, um den Verschütteten zu orten und auszugraben. Wir befinden uns übrigens auf der Ruitor Abfahrt. Was wohl jedem von uns ziemlich Wurst ist, da alle Hänge hier vielversprechend aussehen.

Schon kippt er in die Falllinie, um nach vier oder fünf ausladenden Schwüngen gut hundert Höhenmeter unter uns zum Stehen zu kommen. Das Gelände ist moderat steil. Vielleicht 30 bis 35 Grad. Klar, er will ja erstmal checken mit was für Nasen äh, Skifahrern er es zu tun hat. Großzügig lassen wir den Nordlichtern den Vortritt. „Macht ja auch Sinn“ lästere ich zu Phil mit einem Grinsen. „Dann können wir folgen und ihnen hoch helfen, wenn sie stürzen“. Frank ist der Erste. Tja, was soll ich sagen? Macht der eigentlich was Anderes als Skifahren das ganze Jahr? Auch Jahn kommt gut zurecht. Ich schaue Philipp an ohne ein Wort zu sagen. „Hach ja“, winkt dieser ab. „Der geht doch das ganze Jahr Kiteboarden auf seiner Insel. Da hat er Skifahren auch gut drauf.“

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Ohne zu antworten drücke ich meine Skispitzen in das Gefälle. Schnell beschleunige ich nach wenigen Metern, um nach ein paar herrlichen Schwüngen im Pulverschnee bei den Dreien unten anzukommen. Auch Philipp stößt zu uns. Flache Hände klatschen jubelnd in der Luft zusammen. Unser erster Run im italienischen Ski - paradies! Es folgen ein paar weitere genussvolle Abfahrten. Jedoch schon am frühen Nachmittag pfeift uns Marco zurück ins Hotel. Der Schnee würde zu weich werden. Meine Sorge, dass durch den strahlenden Sonnentag über Nacht eine fiese Bruchharschschicht frieren wird, entkräftet der Bergführer mit einer lässigen Handbewegung. Wir fliegen bis auf eine Höhe von dreitausendsiebenhundert Metern. Da wird das schon noch passen. „Dein Wort in Gottes Ohr“, denke ich mir. Somit endet der erste Skitag ungewohnt früh. Da die üblichen Apré Ski Zerstreuungen hier gänzlich wegfallen, beschäftigen wir uns mit bescheidenen Tätigkeiten wie Emails abfragen, Cappuccino trinken und die Vorfreude auf ein leckeres italienisches Abendessen.

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Am nächsten Morgen geht alles deutlich schneller. Die Sachen sind noch weitgehend vom Vortag gepackt und man weiß schließlich schon, was zu tun ist. Routine sozusagen. Das ist auch gut so. Denn heute ist unsere Gruppe größer. Da nicht mehr Gäste in den Hubschrauber passen, werden die Gruppen einzeln geflogen. Trotz Befürchtungen müssen wir kaum warten. Während ein Team Ski fährt, bekommt das andere seinen Lift. Nach ein paar Runs ist man sogar froh, mal seine mittlerweile weichen Oberschenkel etwas länger auszuschütteln. Philipp meint hierzu: „Jetzt sind wir schon zum Heliskiing zu faul. Jammern auf hohem Niveau!“

Tatsächlich ist der Schnee heute einen Tick bockiger. Aber es lässt sich immer noch fein schwingen. Es ist vorteilhaft, die Geschwindigkeit ein wenig zu erhöhen. Den Ski laufen lassen. Aber das geht halt in die Beine.

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Die Runs haben auch heute Namen: Ormelune und Rabuigne. Bei unserer letzten und steilsten Abfahrt muss der Heli so nahe an die Felswand, dass man meinen könnte, die Rotorblätter berühren um Millimeter fast den Fels, während die Hälfte der Kufen noch frech über dem Abgrund schweben. Dementsprechend froh sind wir, schnell aus dem Fluggerät zu kommen und beobachten sorgenvoll, wie das Ungetüm buchstäblich rückwärts wieder ausparkt. Doch bei der Abfahrt werden wir belohnt. Das steile Gefälle, offenbar hat Marco Vertrauen zu unseren Skiskills gefasst, lockt zu radikalen Schwüngen. Ich beobachte wie Frank sein Tool brachial in die Kompression presst, um bei jedem Schwung von einer wütenden Pulverschneefontäne verfolgt zu werden. Wie oft bei der letzten Abfahrt versuche ich, so viel wie möglich mitzunehmen. Nicht nur den Skispaß, sondern auch einen kräftigen Happen Natur. Mit einem Auge in Fahrtrichtung, mit dem anderen auf den umliegenden Bergen, den bizarren Gletschern und den eisigen Felskronen ballere ich gen Tal.

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Wie schade, dass wir am nächsten Tag wieder zurück fahren. Das Wetter soll aber eh schlechter werden. Am folgenden Morgen ist es dann auch durchwachsen. Frank und Jahn bleiben noch zwei Tage. Wollten sich heute aber eine Auszeit gönnen und am Folgetag soll es auch wieder besser sein. „Wir werden uns mit unseren heimischen Chiemgauer Alpen trösten“ meinen wir beim Abschied mit einem Augenzwinkern. Gelegenheit haben wir noch genug. Es ist ja erst Ende Januar.

INFO BOX

ANREISE.
Mit dem Auto von München ca. 7,5 Stunden: A96 nach Lindau – A14 nach Altach – A13 nach Chur und weiter über A2 nach Lugano – A9/A4/A5 bis Ausfahrt Aosta/Ovest St. Pierre – SS26 bis Leverogne – SR25 bis Valgrisenche

VALGRISENCHE.
Alaska Rendezvous Heli Skiing fliegt in der Region um den Thompson Pass und die Chugach Mountains. Die Lodge befindet sich etwas weiter nördlich als die meisten anderen in Valdez. Das riesige Terrain der Chugachs mit seinen jährlichen massiven Schneefällen sucht weltweit seinesgleichen. Wer Low Budget unterwegs ist, kann auch mit dem Wohnmobil kommen.
roomshotels.com

HELISKI VALGRISENCHE.
Das Skigebiet von Valgrisenche liegt zwischen Grande Sassière, Grande Rousse und Rutor. Da Heli Guides nicht nur Valgrisenche, sondern auch Courmayeur, Formazza, Gressoney, La Thuile, Livigno, Madesimo und Valmalenco im Programm hat, kann man sich nicht nur auf fachkundige Betreuung verlassen, sondern auch auf beeindruckende Abfahrten.

Buchen kann man in Deutschland über Aeroski Reisen.

www.heli-guides.com
www.heliski-valgrisenche.com
www.aeroski.com




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