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Wider Willen Montenegro


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Mitte Oktober 2017 ist es zuhause in Tirol bereits recht kalt, der erste Schnee läutet so langsam den Winter ein, doch irgendwie ist mein Kopf noch im Sommermodus, also nochmal ab in die Wärme. Unser Ziel: Montenegro zum Biken. Im Internet haben Mary und ich ein paar Infos gefunden – viel ist es nicht, aber es reicht um ein paar Bikemöglichkeiten zu kennen und einfach auf Entdeckungsreise zu gehen...

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Von Tirol aus geht es in die Steiermark, wo ich Mary treffe und wir gemeinsam Richtung Süden starten. Nach einer 10-stündigen Autofahrt mit einigen Pausen erreichen wir die wunderschön gelegene Hafenstadt Dubrovnik, die Perle der Adria im Süden Kroatiens. Es ist bereits spät und wir sind müde von der langen Autofahrt, daher übernachten wir hier. Dubrovnik ist auf alle Fälle sehenswert. Die malerische Altstadt gehört seit vielen Jahren zum Weltkulturerbe und ist eine der schönsten Städte des Mittelmeerraumes. Die Flip Flops sind wieder ausgepackt und wir genießen frischen Fisch direkt am Meer.

Am nächsten Morgen geht unsere Reise weiter. Wir fahren an der Küstenstraße entlang, bis wir die Grenze zu Montenegro erreichen. Dort müssen wir die grüne Versicherungskarte vorweisen, die Mary gott - seidank im Voraus organisiert hatte, denn das Mitführen ist Pflicht. Nach 2 Stunden Autofahrt sind wir endlich in Kotor, unserem Ausgangspunkt für die nächsten Tage, angekommen. Wie aus dem Bilderbuch präsentiert sich die Küstenstadt, die auch zum Weltkulturerbe zählt. Sonnenschein, blauer Himmel, das Meer und die Berge bestimmen das Bild. Wunderschön. Wir wohnen ein wenig außerhalb der Stadt. Ein privates Appartement mit großem Balkon und Blick direkt auf das Meer. Zuerst einmal aus packen und dann hinein in die Bikeoutfits. An der Küstenstraße rollen wir entlang und erkunden die Gegend rund um Kotor. Riesige Kreuzfahrtschiffe stehen im Hafen, in der Altstadt pulsiert das Leben, viele Touristen sind hier unterwegs. Kein Wunder, denn die Stadt ist die bekannteste und meistbesuchte Tourismusregion des Landes. Bei 25 Grad Mitte Oktober genießen wir Sommerfeeling pur. Ich freue mich bereits auf den morgigen Tag, da werden wir unsere Bikes für eine längere Tour ausführen…

Und wieder ein Tag wie im Bilderbuch. Strahlender Sonnenschein, das Wetter – ein Traum! Nach dem Frühstück auf der Terrasse starten wir gemütlich zu unserer ersten Tour, den Gipfel des Vrmac. An der asphaltierten Uferstraße geht es entlang durch nette, kleine Dörfer bis zum Eingang der Stadt Donja Lastva. Hier biegen wir links die Teerstraße hoch in Richtung des kleinen Weilers Gornja Lastva. Bis hier führt eine stets ansteigende, aber angenehm zu fahrende Asphaltstraße den Berg hoch. Der Blick schweift immer wieder Richtung Meer, wie schön! Nun beginnt die Schotterstraße, zwar nicht zu steil, aber fordernd, da immer wieder spitze Steine lauern. Die letzten Kilometer sind knackig steil, aber oben angekommen sind die Mühen und Strapazen schnell vergessen, denn am Gipfel des Vrmac eröffnet sich ein sensationelles 360 Grad Panorama.

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Ein kurzer Trail, dann geht es über die Schotterstraße zurück Richtung Abzweig. Wir halten uns links und fahren weiter die Schotterstraße bergab bis wir zu ein paar Gebäuden kommen. Hier biegen wir links ab und sind wieder auf einem Trail unterwegs. Ein schöner Flowtrail durch den eindrucksvollen Wald. Später reihen sich die flachen Serpentinen aneinander, die ohne Spitzkehrentechnik zu bewältigen sind. In der Ferne sehen wir das Meer, einfach wunderschön. Wir sind hungrig und haben uns Essen verdient. In der Altstadt von Kotor gönnen wir uns im Restaurant Bajon, dem besten Fischrestaurant in der Stadt, frischen Fisch. Fazit: wunderbar!

Der nächste Tag beginnt wieder wie der letzte aufgehört hat: strahlender Sonnenschein, blauer Himmel, warme Temperaturen. Wie herrlich! Unser heutiges Ziel ist der Krstac Pass. Wir starten gegen 10 Uhr in Kotor. Die Auffahrt erfolgt anfangs über eine sehr viel befahrene Asphaltstraße, bis wir ein paar Kilometer später links Richtung Passhöhe auffahren und es ruhiger wird. Immer wieder winken uns Leute aus den Autos, grüßen freundlich und feuern uns an. Es ist sehr heiß, meine Beine schwerfällig und die Auffahrt über die 30 Kehren will nicht enden. Doch irgendwann erreichen wir dann die Passhöhe und fahren noch ein Stück Richtung Loven Nationalpark weiter. Dort finden wir ein schönes Plätzchen im Grünen, setzen uns in die Wiese und genießen die Aussicht.

Gestärkt von der Jause beginnt nun das Vergnügen. Von der Passstraße rollen wir circa einen Kilometer auf der Asphaltstrasse retour und biegen dann rechts in den Wald. Knappe 1000 Höhenmeter bergab erwarten uns. Der Trail beginnt technisch anspruchsvoll, im Wald wird es spielerisch, macht Spaß. Mitten im Wald steht eine Holzrampe. Mary möchte springen, ich verweigere, irgendwie schaut für mich die Rampe nicht einladend aus. Sie zögert ein wenig, springt letztendlich aber doch, landet, stürzt im Auslauf und verletzt sich am Handgelenk. Oh nein! So ein Pech! Sie versucht noch weiter zu fahren, doch schnell wird klar, dass sie nicht weiterfahren kann. Somit heißt es für sie knappe 800 Höhenmeter das Bike den Berg hinunterschieben. Ich warte immer wieder auf sie und natürlich ärgert sie sich über ihr Malheur. Aber mei, kann passieren! Gut, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Für mich ist es weiterhin ein Flowtrail mit Traumausblick auf das Meer.

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Der letzte Abschnitt wird fordernd, denn es liegt viel Geröll am Trail. Es geht vorbei an einer idyllisch, kleinen Hütte, mit vielen grasenden Ziegen. Der Schafhirte grüßt freundlich. Die Stadtmauern von Kotor sieht man nun sehr gut. Wie eindrücklich, was früher hier gebaut wurde. Am Ende des Trails warten drei Franzosen, die mich bei der Ankunft filmen und applaudieren. „Are you professional?“ fragen sie mich. Ich grinse und verneine. Für sie ist es unvorstellbar hier mit dem Bike hinunter zu fahren, für mich ein Vergnügen. So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen von uns Menschen. Ich warte auf Mary und es geht ab ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus von Kotor gibt es leider kein Röntgengerät. Wir werden weiter in die Nachbarstadt Risan, eine halbe Stunde von Kotor entfernt geschickt. Es dauert, bis wir zum Krankenhaus finden, denn es ist bereits dunkel, die Beschilderung spärlich und Englisch spricht hier fast niemand. Während ich das Auto parke geht Mary ins Krankenhaus. Ich folge ihr und lande zuerst in der Neurologie. Okay, falscher Stock. Ich suche weiter und finde im Keller die Röntgenabteilung. Dort ist Mary. Sie muss warten, das Krankenhaus ist sehr spärlich ausgestattet. Fern von unseren österreichischen Standards. Da sind wir zuhause wirklich sehr verwöhnt!

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Diagnose: Bruch des Handgelenks, laut ausführendem Arzt. Wer allerdings hier der Arzt ist, ist nicht ganz so sicher. Der Gipser scheint auch Arzt sein zu wollen und möchte ihr einen Gips anpassen. Doch Mary lässt sich keinen Gips aufbrummen, möchte schnellstmöglich nach Hause. Sie bezahlt die Arztrechnung, 33 Euro fürs Röntgen inklusive handgeschriebenem Arztbrief. Wir verlassen das Krankenhaus und somit heißt es leider bereits am nächsten Tag Abschied nehmen. Wir sind beide wehmütig, aber was soll’s. Wir kommen wieder. In dieses wunderschöne Land, mit so vielen netten, freundlichen Menschen, schön ist es hier! Und ich bin mir sicher es gibt noch jede Menge Trails zu entdecken.

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Knapp über der Baumgrenze fahren wir auf einen herrlichen Bergrücken, das Argentina Tal hinab. Hier ist es am Anfang eher flowig, erst im unteren Drittel beginnt es wieder technisch zu werden. Kein Wunder, dass sich hier Harald Philipp seinen Sommersitz zugelegt hat. Hier findet er das ideale Trainingsgelände für seine Skills. Am heutigen Tag sind wir mit dem neuen Kenevo unterwegs und sind dankbar über die 180mm Federweg vorne und hinten.

Zum Mittagessen sind wir oberhalb von Triora in einem kleinen Bergrestaurant, wo es selbstgemachte Pasta gibt. Ein Traum. Danach schwingen wir uns wieder auf das Bike und fahren ab, hinunter bis nach Molini. Insgesamt war die Runde 51km lang. Nach einem Cappuccino und einem Panini machen wir noch mal die Runde Terra Rosso und Agrifolio.

Nun beim zweiten Mal mit der Streckenkenntnis und dem Kenevo mit mehr Federweg, schaut das Ganze schon nicht mehr so schlimm aus, wir lassen es anständig fliegen und kommen mit einem fetten Grinser wieder zurück zu Ady’s Bikestation. Ady leistet ganze Arbeit in der Region, die Trails sind in sehr gutem Zustand und er bietet einen erstklassigen Service. Er hat Bikes von Specialized im Verleih und holt seine Gäste sogar vom Flughafen in Nizza ab. So kann man ohne großen Stress anreisen und eine tolle Woche genießen. Am Ruhetag kann man auch einen Badetag am 30km entfernten Strand von Arma di Taggia verbringen, nach San Remo oder Nizza fahren, das auch gleich um die Ecke liegt. Was auch zu empfehlen ist nach einer heißen Biketour, sind die zahlreichen Gumpen in und um Triora. Molini di Triora ist auf jeden Fall eine Reise wert, wenn man ein sehr ambitionierter Biker ist oder sich auf das nächste Endurooder Downhillrennen vorbereiten will. Das Fahrkönnen sollte schon auf einem sehr hohen Niveau sein, sonst bleibt der Spaß auf der Strecke. So geht unsere Reise auch schon wieder zu Ende und wir hoffen, dass wir Euch bald schon von einer neuen Reisegeschichte gleich hier in der Nähe berichten können. Lasst Euch überraschen und viel Spaß beim shredden.

Infobox

ANREISE.
Strecke Graz – Kotor:
Fahrt über Kroatien – Zagreb – Split – Kotor,
860 Kilometer, 10 Stunden Autofahrt ohne Pausen

UNTERKUNFT - Kontor.
www.booking.com oder direkt bei der Touristinfo.www.visit-montenegro.com

BIKEN.
Es empfiehlt sich Reparaturwerkzeug fürs Bike selbst mitzuführen. Es gibt keinen Bikeshop dort.

ROUTE 1
37km // 800 Höhenmeter
Kotor – Seljanovo – Sveti – Illja – Kotor

ROUTE 2
30km // 970 Höhenmeter
Kotor – Passstraße Krstac – Richtung Lovcen Nationalpark – 1km vor der Passhöhe Krstac zweigt der Trail nach links ab (nach oben fahrend) - Kotor

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