Bergstolz Issue No. 108

36 SERVICE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 06 | 2022 Ja ist denn schon wieder Oktober??? Zeit, die Ski zu prüfen: Müssen sie zum Service? Oder braucht es nur ein wenig Feinpflege? Wer zweiteres bejaht, kann direkt selbst zu Wachsbügeleisen und Kantenhobel greifen. Und damit das Projekt „Skiservice zuhause“ bestens gelingt, haben wir uns die Experten geschnappt und ihnen ihre Geheimtipps für den perfekten Skiservice entlockt. Wer sich in manchen Punkten etwas mehr Anleitung wünscht, sucht sich im Internet einfach das passende Tutorial des Herstellers raus. Ansonsten beim nächsten Besuch im Fachhandel einfach nachfragen – die Experten helfen immer gerne weiter. EQUIPMENT Zwingend notwendig ist eine Einspannvorrichtung für die Ski. „Das ist eine Anschaffung fürs Leben“, führen Andi Breitel, TecRep bei Toko, sowie Florian Pupp, Vertriebsleiter Deutschland & Produktmanager bei Holmenkol, aus. Zweitens: Ein einfaches Wachsbügeleisen. „Omas altes Bügeleisen verliert die Temperatur zu schnell. Ab der Mitte des Skis wird es zu kalt, man dreht die Temperatur rauf und verbrennt am anderen Skiende den Belag“, erklärt Andi. Dann benötigt man noch Heißwachs sowie eine Plastikklinge zum Abziehen. „Bitte keine Metallklinge verwenden, die nimmt zu viel vom Belag weg!“ Und schließlich sollte es in der Ski-Heimwerkstatt noch eine Bürste mit Nylonborsten zumAusbürsten vonWachsresten geben, sowie eine Bronzebürste, um den Belag aufs Wachsen vorzubereiten.“ Wenn es um die Kanten geht, greift man am besten zu einem einstellbaren Kantenhobel. „Am besten im Fachhandel verschiedene anschauen und den nehmen, der einem am besten in der Hand liegt“, meint der Profi. Der Schleifwinkel lässt sich mit einem Drehknopf zwischen 86 und 90° fixieren und Schleifstein bzw. Diamant mittels Klemme fest einspannen. Apropos Diamant: „Ich empfehle jedem, sich einen Diamanten mittlerer Körnung zuzulegen, der ist optimal, um nach dem Skifahren Unebenheiten auszubessern, die Kante zu polieren und zu schärfen.“ Und weil beim Schleifen der Kanten immer ein Grat entsteht, gehört auch ein Schleifgummi zur Ausrüstung: „Der Grat muss weg, nur dann wird die Kante scharf. Andererseits kann man einem Ski damit auch ein wenig die Schärfe nehmen, damit er drehfreudiger ist. Und man verletzt das Kantenmaterial nicht“, schließt Andi Breitel. Und ergänzt: „Den Schleifgummi sollte man immer mit dabeihaben. Zusätzlich gehört noch ein Expresswachs mit in den Rucksack – für einen schnellen Miniservice auch unterwegs.“ WACHS & WACHSEN Das bringt uns direkt zur Hauptzutat eines schön laufenden Skis: Dem Wachs. „Grundsätzlich empfehlen wir, zu Beginn der Saison den Ski für eine ordentliche Grundpräparation zum professionellen Skiservice zu bringen“, erklärt Florian Weinmayer, Wachsexperte bei HWK Skiwax. „Dann kommt man mit Minimalaufwand und einer Kombination aus Heißwachsen und Flüssigwachs gut durch die Saison.“ „Der Vorteil beim Heißwachsen ist, dass sich die Poren des Belags richtig vollsaugen“, veranschaulicht Markus „Bambam“ Steinke, Inhaber des BAM Skiservice. Flüssigwachs funktioniert zwar sehr schnell, hält aber dafür nur einen Skitag. Wofür man sich auch entscheidet, die Vorbereitung bleibt dieselbe: „Man bürstet mit einer groben Metallbürste Verschmutzungen aus und wischt dann mit einem sauberen Tuch den Belag ab“, legt Flori Weinmayer dar. Als Wachs nimmt man für den Freizeiteinsatz ein Universal oder All-in-One-Wachs, das sowohl im tiefen als auch höheren Temperaturbereich gut läuft. „Ein kleiner Fluor-Anteil wirkt hydrophob, so saugt der Ski auch im nassen Frühjahrsschnee nicht“, erklärt er. „Wer Großteils offpiste unterwegs ist, der greift aber besser zur Öko-Variante, die erstens keine Fluor-Rückstände in der freien Natur zurücklässt, und bei uns zudem zu 100% aus natürlichen und biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen besteht.“ Übrigens sollte man für Tourenski in jedem Fall auf fluorhaltigeWachse verzichten, denn sonst kleben die Felle nicht mehr. Für die schnelle Belagspflege zwischendurch empfehlen sich Flüssigwachse: „Einfach auftragen, zehn Minuten warten und dann mit der Nylonbürste drüber gehen - fertig.“ KANTENTUNING Nun zur Kante: Die ist nicht nur ausschlaggebend für den Grip, sondern mitverantwortlich für die Drehfreudigkeit des Skis. „Auch Freerider brauchen eine ordentliche Kante“, erklärt Florian Pupp, SERVICE // DIY Skiservice Foto: Anton Brey

RkJQdWJsaXNoZXIy Mzk0ODY=