Bergstolz Issue No. 114

tergrund der wenige Unebenheiten/ Löcher und dergleichen aufweist. Dann könnt ihr euch richtig nahe an den Grenzbereich rantasten. FLIEHKRAFT, HÜFTIMPULS & MITLENKEN Im nächsten Schritt geht es darum, dem Hinterrad den nötigen seitlichen Drehimpuls mitzugeben, damit es sich in die richtige Richtung drehen kann. Besonders wichtig im Gelände, und deshalb auch bei den Trockenübungen, ist der Lenkeinschlag. Zuerst lenken, dann schwenken! Wir lenken also immer zuerst in die Kurve rein und leiten erst dann den Stoppie bzw. jetzt Versetzer ein. Beim Einleiten springen wir nun leicht nach Aussen ab, um so die Drehung einzuleiten. Kommt das Hinterrad hoch, versuchen wir es zusätzlich mit den Beinen weiter zu drehen, damit wir beim Absetzen des Hinterrades wieder die Balance finden können. Wichtig ist aber, dass wir leicht „mitlenken“. Das Vorderrad sollte beim statischen Versetzer im Boden verwurzelt sein, das heißt, wir müssen mit einer leichten Lenkbewegung (während das Hinterrad in der Luft ist) dem Heck den Platz geben, um sich raus drehen zu können. Ist man hier zu steif auf dem Rad, neigt das Vorderrad dazu, nach innen zu klappen, was ebenfalls in einem unschönen Sturzbild enden kann. Beherrscht man die Modulation der Vorderradbremse im Schlaf, dann wird’s Zeit sich an den dynamischen Versetzer ranzutasten. Hier kommt der Faktor Fliehkraft mit ins Spiel, denn dadurch, dass wir bereits in die Kurve lenken (wir erinnern uns: zuerst lenken, dann schwenken) können wir so auch die Fliehkraft nutzen. Diese hilft uns enorm und so dreht sich das Hinterrad fast wie von alleine nach Außen. LINIENWAHL & BLICKFÜHRUNG Im Gelände fahren wir die Spitzkehren so an, als würden wir sie durchrollen wollen. Wir versuchen die Kurve weiter zu machen als sie ist, das gibt uns mehr Platz. Wir beginnen wieder mit dem statischen Versetzer. Mit dem Vorderrad rollen wir ca. 2/3 der Kurve langsam durch, das Vorderrad sollte jetzt schon (fast) aus der Kurve schauen. Das hat folgenden Vorteil - wenn wir den Versetzer jetzt einleiten, lassen wir das Hinterrad leicht nach Außen drehen, und sobald wir die Vorderbremse (moduliert) öffnen, zieht uns das Vorderrad bereits aus der Kurve raus. Die Blickführung kann am Anfang recht eng sein, so können wir z.B. die genaue Position vom Vorderrad checken. Sobald wir aber den Versetzer einleiten, geht der Blick aus der Kurve raus, das hilft uns zusätzlich die Rotation zu starten und es gelingt uns leichter, die Kurve dynamisch zu verlassen. Umso dynamischer der Versetzer wird, umso früher können wir den Versetzer einleiten. FUSSSTELLUNG Ich persönlich fahre alle Kehren mit meinem Schokoladenfuß vorne. So hab ich das beste Gefühl für das Bike. Wenn ihr es aber gewohnt seit die Fußstellung zu wechseln (üblicherweise ist dann der kurveninnere Fuß hinten), dann macht das gerne weiterhin. Wenn die Stoppie Technik sitzt, ist das Verdrehen der Fußstellung, um einen besseren Hebel zu haben, aber nicht nötig und bringt mehr Unruhe in die Bewegung, als das es hilft – aber das ist nur meine persönliche Meinung. TOM ÖHLER Egal ob urbaner Spielplatz, hochalpine, technische Abfahrt, flowiger Singletrail oder ruppige Downhillstrecke – Tom Öhler liebt alle Facetten des Bikesports und ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. In seinen exklusiven Fahrtechnik-Workshops gibt er an andere weiter, wie man mit einfachen Trialtechniken die eigene Performance auf dem Trail verbessern kann. Angeeignet hat er sich diese Vielseitigkeit schon als Kind: Von einem Rallye- und Motorrad-fahrenden Vater großgezogen worden zu sein, bedeutete für den Profi vor allem eines: „Ich fuhr, bevor ich laufen konnte! Zuerst auf einem Dreirad und einem Tret-Traktor, dann auf einer Mini-Cross und einem Trial- Moped – bis ich schließlich mit 12 Jahren Trial-Bikes entdeckte.“ Von da an ging alles schnell: Mit 15 machte er bei seinen ersten Bewerben auf sich aufmerksam, mit 17 war er das erste Mal österreichischer Meister. Er war über sechs Jahre lang unter den Top-3 der UCIWeltrangliste, wurde Junioren-Vizeweltmeister sowie Indoor-Europameister und krönte seine Karriere schließlich 2008 mit dem BIU Bike Trial Weltmeistertitel. Nach diesem Erfolg zog er sich aus dem Wettkampfsport zurück, und widmete sich zunehmend dem „Street-Trial”, und der Durchführung professioneller Trial-Shows sowie auf die Umsetzung von Film- und Fotoprojekten. Beinahe nebenbei stellte er 2009 und 2013 auch noch zwei Guinness Weltrekorde mit dem Trial-Bike auf. Kurz gesagt: Wenn es einen Experten gibt, der Tipps zu besserer Fahrtechnik und Bikebeherrschung geben kann, dann ist das Tom Öhler. Wer noch mehr von Tom sehen will, schaut am besten auf seinem Instagram Kanal vorbei: @tom_oehler Toms Workshop-Termine findet Ihr auf seiner Website. www.smooth.at/workshops FAHRTECHNIK // SPITZKEHRE 29 Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04 |2023

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