CROSS TYROL Bergstolz Ski & Bike Magazin • 07 |2023 DREI FRAGEN AN DIE MOUNTAIN TRIBE CREW: Was war dein Highlight dieser Durchquerung? Vali Werner-Tutschku: Mein Highlight war der letzte Gipfel, mit Aussicht auf das Ziel, St. Anton am Arlberg. Man konnte weit entfernt die Wildspitze als höchsten Berg am Horizont sehen. Doch war die Wildspitze bereits in der zweiten Hälfte der Tour und somit der Beginn noch viel weiter im Osten. Es erfüllte mich mit Stolz, all diese Distanz mit dieser Crew vollständig bewältigt zu haben. Martin Kogler: Nach meiner Verletzung, die mir das erste Jahr der Durchquerung genommen hat, mit der ganzen Crew auf der Wildspitze zu stehen, war mein Highlight. Paul Schweller (Director, Cinematographie): Für mich gab es viele Highlights, vor allem immer das Ankommen an den verschiedenen Hütten bzw. unseren Tageszielen hat mir immer sehr viel Motivation für die nächsten Tage gegeben. Mein Highlight war daher das Ankommen am Taschachhaus, nachdem wir zusammen auf der Wildspitze waren. Nach so viel Wind und Eindrücken auf der Wildspitze wieder in der ruhigen gemütlichen Hütte zu sitzen und den Tag nochmal zu reflektieren, fand ich sehr cool. Was war der kritischste Moment der Tour? Vali Werner-Tutschku: Kritisch waren für mich die beiden Tage von Steinach am Brenner bis ins Stubaital. Durch mehrere Zeitverzögerungen musste eine Alternativroute eingeschlagen werden. Ich war mir nicht sicher, ob der Zeitplan und die Route nicht zu motiviert für uns als Crew angesetzt waren. Lukas Mühlmann: Von der Gruppendynamik war die kritischste Situation bestimmt der Moment, als wir notgedrungen ins Stubaital abfahren mussten. Es fühlte sich wie eine Niederlage an, die Hochtour, um das Becher Haus auslassen zu müssen. Noch dazu waren die Gemüter sowieso schon vom 14h-Marsch des Vortages angeschlagen. Paul Schweller: Für mich war der kritischste Moment der Tour nicht unbedingt der gefährlichste. Am zweiten Tag der Durchquerung hatten wir eine sehr lange Etappe von Jochberg bis Silberleiten geplant. Zwei Stunden vor Sonnenaufgang aufstehen und zwei Stunden nach Sonnenuntergang ankommen. Die letzten Stunden habe ich sehr gezweifelt, ob ich die ganze Durchquerung schaffe. Wenn jeder Tag so hart gewesen wäre wie dieser, dann sicher nicht. Wie entstand die Idee, Tirol auf Ski zu durchqueren? Martin Kogler: Die Idee ist schon fast 5 Jahre alt. Ich wollte schon lange versuchen, das ganze Bundesland, aus dem ich herkomme, auf Ski zu durchqueren. Bei der Planung wurde uns bewusst, dass die Distanz in ca. 20 Tagen zu bewältigen sei und ebenso, wie schön die unberührte Natur zwischen der Liftinfrastruktur ist. Lukas Mühlmann: Am Stubaier Gletscher stehend spekulierten Martin und ich, welches Skigebiet uns im Westen so nah erscheint. Dadurch realisierten wir, wie kurz oft die Distanzen zwischen der alpinen Infrastruktur in den Tiroler Alpen sind. Das Projekt „Cross Tyrol“ war für uns die logische Folge. Skier: Flo Gassner, Martin Kogler, Vali Werner-Tutschku und Lukas Mühlmann Film: Paul Schweller aka Bruno Foto: Moritz Ablinger 22 einen Übergang, um mögliche Risse in der Schneedecke zu erkennen. Tatsächlich löste sich erneut ein Schneebrett. Lukas bewies Mut und tat das, was in solch einer Situation jeder Freerider tun sollte: Umkehren und in Aufstiegsnähe abfahren. Lukas betonte: "Das war nicht einfach für mich, aber das Risiko war zu hoch. Vernunft ist keine Schande!" Mit isotonischem Sportlergetränk in der Hand ließ die Crew in der Hütte den Tag Revue passieren. Später stellten sie fest, dass sich im Verlauf des Tages noch ein weiteres Schneebrett gelöst hatte, ausgelöst von einem Skifahrer im selben Hang. Das Ziel war in Sicht: St. Anton am Arlberg. Entsprechend war der letzte Gipfel mit Blick in den Osten bis zur Wildspitze und im Westen der Arlbergpass etwas ganz Besonderes. "Bei einem Projekt, das sich mehrere Jahre im Kopf abspielt und immer präsent ist, das Ziel vor Augen zu sehen, ist einfach genial. Dabei geht es nicht nur um die sportliche Leistung, sondern viel mehr um die erfolgreiche Planung und Durchführung eines für uns so großen Ziels", so Martin. Das Gefühl war großartig. Und noch besser war die Erfahrung, ganz Tirol nur auf Ski durchquert zu haben. INTERVIEW
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