Bergstolz Issue No. 118

54 KASACHSTAN Bergstolz Ski & Bike Magazin • 08 |2023 Der Berg Belukha (4506 hm) liegt an der Grenze zu Russland, Kasachstan und ist nur wenige Kilometer vom Schnittpunkt der chinesischen, russischen und kasachischen Grenzen entfernt. Für die lokale Region ist dieser wunderschöne Gipfel ein heiliger Ort, der noch befahren werden muss. Er befindet sich an einem äußerst interessanten geografischen Punkt, da er äquidistant von allen Ozeanen entfernt liegt. Sprich, er liegt fast gleich weit vom Pazifik, Atlantik und Indischen Ozean entfernt, quasi der Mittelpunkt der Welt. Letzten Winter starteten die drei Freunde Shanty, Francesco und Mattia endlich zu ihrer Reise. Sie machten sich auf ins ferne Asien, wo ein außergewöhnliches Ski- und Kulturabenteuer auf sie wartete. „Oft werde ich gefragt, wie sich das Skifahren in Kasachstan von dem Skifahren, das ich von zu Hause kenne, unterscheidet. Meine Antwort ist, dass es einerseits komplett anders ist, andererseits aber auch ähnlich. Die Menschen, die Kultur und der Lebensstil unterscheiden sich schon ziemlich extrem. Die Einheimischen sind naturverbunden und daher viel ursprünglicher. Und der Schnee ist der Wahnsinn. Er erinnert mich am meisten an Alaska oder Japan.“ Nach der Landung in Almaty nahm das Team einen Inlandsflug nach Urs Kamenogorsk. Dort mieteten sie ein Auto mit Allradantrieb und machten sich auf eine zwölfstündige Fahrt über enge, verschneite und unberechenbare Straßen ins Belukha-Tal. „Die Lawinengefahr änderte unsere Pläne etwas und wir fuhren weitere zehn Stunden bis zur russischen Grenze, wo die Lawinensituation stabiler war. Die Fahrt war besonders herausfordernd. Die Orientierung ist nicht einfach und fast niemand spricht eine Fremdsprache, also haben wir uns mit den Einheimischen hauptsächlich mit unseren Händen und Füßen verständigt. Wir schlugen unser Lager an einem zugefrorenen See auf, wo die Temperatur etwa 25 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt betrug. Niemand fährt mitten im Winter nach Kasachstan, also war das Team dort ganz allein. Sie genossen eine Art Winterversion von Shangri-La, mit all dem Schnee und den Bergen ganz für sich allein. Sozusagen ein Sommercamp im Winter, das nun als Basislager für Shanty und seine Freunde wurde. Alle Abenteuer, die die drei Freude in der Zeit erlebt hatten, starteten genau hier. „So viel Schnee haben wir in unserem Leben selten gesehen haben, der sogenannte sibirische Pulverschnee! Temperaturen um -25 °C und sehr leichter Schnee, unglaublich!“ „Unser Programm sieht vor, dass wir in 2 Tagen mit Schlitten zum Fuße des Belucha fahren, wo wir an einem Tag aufsteigen und abfahren und dann in das 50 Kilometer entfernte Tal zurückkehren, das uns von unserem Basislager trennt.“ Sie treten ihre erste Tour direkt von dem Lager aus an, um die realen lokalen Bedingungen zu checken. Die drei erkennen sofort, dass etwas nicht stimmt... abgesehen von der atemberaubenden Aussicht, ist der Schnee unter den Füßen inkonsistent, 3 Meter Schnee, aber mit einer sehr schlechten Unterlage, die sie noch nie gesehen haben... „Nach ein paar Schritten hörten wir das klassische "Wum" (Dröhnen) und wir versinken fast 40 cm tief, alle Bäume um uns herum bewegen sich. Wir hatten Angst, es war wirklich gefährlich, wir bewegten uns so flach wie möglich, und selbst so lösten wir leider Lawinen aus, die uns zum Glück nicht betrafen, aber uns ordentlich erschreckten. Es war ein Tag voller Emotionen, denn jenseits des Lawinenfaktors zeigte sich der Berg Belucha inmitten der Wolken, wunderbar.“ Zurück im Lager besprachen die Freunde das weitere Vorgehen. Sie beschlossen einstimmig, dass sie bei diesen Lawinenbedingungen keinen Schritt mehr weiter gehen würden. Es war einfach zu gefährlich und keiner hatte jemals so eine ähnliche Situation bereits erlebt. Auf dem Programm stand demnach für die folgenden Tage (zusätzlich zur Klärung der Machbarkeit der Fortsetzung und Installation des späteren Basislagers), zu verstehen, ob in allen Gebieten die Bedingungen gleich waren. „Leider stellten wir in den folgenden Tagen fest, dass die Bedingungen überall im Tal dieselbe war, und hier erfolgte der harte und traurige Verzicht, denn die Wettervorhersage und die stabilen Temperaturen bei -25 °C werden diese schwache Unterlage nicht beseitigen.“

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