Bergstolz Issue No. 131

TAG 2 / Endlich brechen wir auf in die Abruzzen! Doch je näher wir dem Massiv kommen, desto mehr mischen sich Überraschung und Ernüchterung. Wunderschön und wild – aber auch schneearm. Während wir auf Karten nach möglichen Lines suchen, riskieren wir den schlechten Reflex, in die sozialen Netzwerke zu schauen… und sehen: In den Alpen schneit es gerade wie verrückt. Vielleicht die einzige „echte“ Winterwoche der Saison – und wir verpassen sie! Jetzt beginnt die mentale Übung: Hier im Süden Italiens, aber ohne richtige Schneebedingungen. Trotzdem wollen wir die Reise unvergesslich machen und vor allem den Frust loswerden, der durch den Vergleich entsteht! Wir parken auf einem großen, komplett leeren Parkplatz unterhalb eines alten, verfallenen Lifts. Ein dünnes Schneeband im Gras reicht, um die Ski anzuschnallen. Nach Überquerung des kleinen Passes gelangen wir auf die Nordseite. Der Pass ist fast unpassierbar, da der Wind mit fast 160 km/h wütet und uns buchstäblich am Weitergehen hindert. Wir krabbeln auf allen Vieren durchs Gras, Ski auf dem Rücken, und versuchen, gegen den Wind anzukämpfen. Endlich oben, öffnet sich eine flache, weite Ebene. Hier liegt zumindest etwas Schnee. Ein verlassenes Skigebiet steht mitten in dieser fast mondähnlichen Landschaft. Zum Tagesende werden die Farben spektakulär, Wolkenlücken geben Ausblick auf die umliegenden Gipfel. Die Sonne versinkt zwischen Himmel und Erde, schwarze Wolken drücken sich herab. Wir beenden den Tag mit unserer Abfahrt auf den eisigen Hängen – inklusive Stirnlampen. ABRUZZEN Bergstolz Ski & Bike Magazin • 05/2025

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