Seite 20 | BERGSTOLZ Ski Magazin Oktober 2013
ARLBERG
hat, ist es eine echte Qual. Die Mädels – in dem Moment alle gefühlte 50kg leichter –
scheinen die Bedingungen irgendwie gar nicht zu interessieren. Hansi erklärt wie sie fah-
ren sollen und das wird auch eins zu eins umgesetzt. „Könnt Ihr über die Wechte sprin-
gen?“ „Logisch! Wo sollen wir landen?“ Profis bei der Arbeit!
Sobald wir irgendwo warten müssen oder im Lift sitzen, wird über die vergangene Saison
gesprochen. Nadine hat natürlich am meisten zu erzählen und ist noch voll mit Eindrücken
von der Tour und vom Finale in Verbier. In einer Mischung aus Wundern über sich selbst,
totalem Glück und „ich kann es noch immer nicht ganz fassen“ fasst sie Ihre Saison in der
Madlochbahn zusammen: „Mein Ziel war es, mich über die Saison für Verbier zu qualifizie-
ren und möglichst gute Runs bei den Tourstops zu fahren. Aber als Weltmeisterin aus die-
ser Saison auszusteigen stand sicherlich nicht auf dem Plan.“ Nadine als Rookie beim
ersten Stopp der Freeride World Tour in Revelstoke am Start und gleich auf
´
s Stockerl. Beim
zweiten Wettkampf in Chamonix gelang ihr Platz zwei. Nach Krickwood, dem dritten Stopp
und Platz 5 kam sie mit der Goldenen Startnummer zu Ihrem Heimatstop nach Fieberbrunn.
„Das Wochenende in Fieberbrunn war für mich einer der schönsten Contests, den ich je
gefahren bin!“ Und mit dem 1. Platz stand auch noch das perfekte Ergebnis auf dem
Papier. „Es war wunderbar, dass Familie und Freunde auch live dabei sein konnten.“ Nach
dem Sieg in Fieberbrunn hatte sie einen ziemlich sicheren Punktevorsprung für das Finale
in Verbier und musste dort das Erreichte eigentlich nur noch „verwalten“. Umso schöner
war dann der 3. Platz am Bec de Roses. „Nach meiner ersten Fahrt am Bec war es offiziell.
"Weltmeisterin". Für Nadine ist der Titel aber nicht das Wichtigste. Sicher hat sich die ein
oder andere Tür geöffnet, durch die sie dann auch gegangen ist, aber eigentlich zählen für
sie andere Sachen: Erfahrung, Leute, Orte, Berge… „Ich habe viele Orte dieser Welt bereist,
an denen ich noch nie zuvor gewesen bin. Ich habe neue Berge, Landschaften, Leute und
Natur erleben und erfahren dürfen. Ich glaube das ist einer der wichtigsten Gründe, wieso
ich es mache und es mir Spaß macht.“
Spaß macht auch unser „Job“ heute! Das Wetter ist perfekt, die etwas anspruchsvollen
Schneebedingungen machen unseren drei Mädels nichts aus und der „Gatsch“ auf der
Piste wird einfach zum „Powder des Frühjahrs“ erklärt! Rund ums Stierloch finden wir noch
ein paar wirklich schöne Hänge und wieder zeigen uns die drei, warum sie ihre Titel tragen.
Auf der Madlochabfahrt ist es dann Geli, die den Speed vorgibt. Schließlich ist das eine der
Schlüsselstellen beim „Weißen Ring“. Ihr Heimrennen, das sie seit Jahren mit großem
Abstand gewinnt. Bei ihr lag der Schwerpunkt in der vergangenen Saison eher beim füh-
ren Ihrer Gäste am Arlberg, wo sie seit letztem Jahr selbstständig als Skiguide arbeitet.
„Ihnen dieses facettenreiche Gebiet hier näher zu bringen und dort mit ihnen zu "spielen"
gab mir sehr viel Kraft und Energie, speziell wenn sie am Nachmittag einen fetten Grinser
im Gesicht hatten.“ Dennoch suchte sie letzte Saison immer wieder nach einem
„Ausgleich“, um auch mal an Ihre persönlichen Grenzen zu stoßen. Das war dann entwe-
der Contestfahren in der FWQ Tour oder bei Ihren Heimrennen, demWeißen Ring oder dem
Weißen Rausch – bei dem Sie nun auch schon seit Jahren ungeschlagen ist. Dass Geli im
Herzen eine Racerin ist und der Typ Frau, der immer mit dem "Kopf durch die Wand" geht,
spiegelt sich beim Freeriden wieder. „Ich fuhr das, worauf ich am meisten Lust hatte und
ging immer volles Risiko. Kam ich mit viel Glück durch, stand ich weit vorne, aber meistens