Bergstolz Issue No. 77
Seite 16 | BERGSTOLZ BikeMagazin AUGUST 2018 RIDING Das Mondlicht spiegelt sich hell auf der nassen Straße wider, wenn die schnell dahinziehendenWolken den klaren Himmel entblößen. Mit überhöhter Geschwindigkeit rast ein silberner Oldtimer auf den engen, von hohen kahlen Bergen umgebenen Straßen Richtung Norden. Ein paar Schafe stehen teil- nahmslos in der feuchten, morastigen Wiese und trotzen dem Wetter und der Kälte. Am Horizont er- kennt man die Umrisse einer Mauer, die ein Einfaches, aus Stein errichtetes Haus umgibt. In einem Fenster brennt Licht, was dieser rauen Stein- und Graslandschaft einen Hauch an Behaglichkeit gibt. So oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen Schottland vor. Geprägt durch viele Kinofilme des schottischen Action-Helden mit dem Aston Martin oder durch den lang- haarigen Schwertkämpfer Connor MacLeod. Rau, nass und kalt sind die Adjektive, die einem immer wieder beim Namen Schottland in den Sinn kommen. Doch das nördlichste Land des Vereinigten Königreichs hat so viel mehr zu bieten. Die größten Exportschlager der Schotten sind zum einen der hochprozentigeWhisky, der nur durch diese besondere Natur seinen ganz eigenen Geschmack entfaltet und zum anderen Moun- tainbike Trails, die durch die topografischen und natürlichen Beschaffenheiten einen ganz speziellen Cha- rakter haben und mittlerweile in Deutschland und ganz Europa viele Nachahmer finden. So unterschiedlich, wie sich das Land von Ost nachWest, von der Spyside mit den grünen Grashügeln über die Highlands mit hohen Bergen und tiefen Tälern bis hin zu den rauen und windigen Hebriden entwickelt, so unterschiedlich ist auch der Whisky. Je weiter man nach Westen kommt, umso stärker und vor allem rauchiger wird das „Wasser des Lebens“, wie er auch genannt wird. Als unser Fotograf Philip und ich unsere Bikes im Glenlivet Trail Center, südöstlich von Inverness, auf die Trails fuhren, waren wir etwas überrascht. Aus vielen verschiedenen Quellen hatten wir gehört, dass Trails so weit oben in Schottland schlammig und technisch sehr anspruchsvoll seien. Doch davon war hier weit und breit noch keine Spur. In flowigen Kurven, spaßigen Downhills und leichten Anstiegen bewegten wir unsere Bikes durch das Trail Center. Aufgrund aller Informationen und Voraussagen hatten wir extra unsere Bikes mit Schlammreifen und Mud Guard mitgebracht, um bestens gerüstet zu sein. Aber hier, so weit östlich, war noch nichts von unbefahrbaren Trailabschnitten und metertiefen Schlammpfützen zu sehen. Also machten wir uns auf denWeg RichtungWesten und fuhren längs des Loch Ness immer weiter in Rich- tung der hohen Berge der Highlands. Wir durchquerten atemberaubende Landschaften immer mit einem Ziel vor Augen: Torridon. Das kleine Dörfchen, mitten in den Highlands gelegen und umringt von hohen Bergen, besteht aus einem Hotel, einer Wildlife-Information, einem kleinen Pub und ein paar Häusern. Nichts was einen Touristen un- bedingt hierherführen würde. Doch in den Bergen, oberhalb des Torridon Hotels, befindet sich der Torridon Circuit, ein 28 Meilen langer Trail, der vor einigen Jahren als „Trail of the Year“ im ganzen vereinigten Kö- nigreich ausgerufen wurde. Schon als wir von der Straße, die das Gebiet durchquert, ins Gelände abbogen war klar: Hier ist eine ganz
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