Bergstolz Issue No. 81
22 SKITEST Bergstolz Ski & Bike Magazin • 01 | 2019 Die Felle im Rucksack gehören heute fast so selbstverständlich zum Standardequipment bei Freeridern wie das LVS Gerät. Eröffnet doch der eine oder andere Aufstieg ganz neue Möglichkeiten, das unverspurte weiße Gold zu finden. Die passenden Ski haben wir in der Kategorie „Freetourer“ getestet. Für uns sind die „Freer- tourer“ immer die spannendsten Ski: Erstens, weil sich hier in den letzten Jahren am meisten getan hat und zweitens, weil diese Kategorie immer die hitzigsten Diskussionen auslöst. Dass man mit leichtesten Hölzern, Carbon und neuer Verarbeitungstechniken leichte oder sogar sehr leichte Ski bauen kann, ist kein Geheimnis. Aber nur leicht ist ja bei Freerideski nicht der Weisheit letzter Schluss. Schließlich geht es uns allen ja zuerst ums runterfahren. Um große Turns in weiten, pulvrigen Hängen. Und dafür muss die Performance der Ski stimmen. Und da, wie ge- sagt, hat sich in den letzten Jahren erstaunliches getan. Die Diskussionen die wir führen müssen, drehen sich meist um die Bindungen. Welche sollen bzw. dürfen montiert werden? Und da sind wir schnell im Grundsätzlichen und auch wieder bei der Einzigartigkeit unseres Tests. Wir schreiben den Herstellern keine Bindung vor. PIN ja, aber welche Bindung von welchem Hersteller ist uns eigentlich egal. Denn auch hier gilt: Jede Firma definiert den Einsatzbereich ihrer Ski etwas anders. Wo bei einem superleichten 95er Ski auch die dementsprechende Bindung passt, erfordern die 115er Freetourer eines anderen Herstellers zwingend die Tecton oder sogar die Shift. Hier gilt wie immer: Jeder Topf muss seinen Deckel fin- den. Hat man den richtigen Ski gefunden, ist die Auswahl der passenden Bindung in dieser Ka- tegorie essenziell wichtig. Also viel Spaß beim Lesen und meldet Euch gern wegen der Bindungstipps! 19 Freeride Skitest Kaunertal 2018 Kategorie „FREETOURER“ VÖLKL V.Werks Mantra Gefahrene Länge: 186 cm | ø R= 23,0 m Taillierung: 135 | 99 | 117 mm Gewicht: 3460 g Preis: 1.000,00 Euro Unser Eindruck: „Das ist die feine Klinge!“ Der V.Werks Mantra sieht megasportlich und innovativ aus, die dünne Konstruk- tion beeindruckt. Ebenfalls beeindruckend: Sportlich- keit und Steifigkeit. Erstere sorgt für ungewohnte Aggressivität auf der Piste, da geht richtig was! Der V.Werks Mantra spricht direkt auf Steuerbefehle an und zieht zack! ums Eck. Der schnelle Rebound ist al- lerdings Gewöhnungssache, ebenso das Fahrgefühl im Zerfahrenen: Es kostet richtig Körner, den Ski am Ver- schneiden zu hindern. Durch den harten Flex kann im Powder ein bisschen Rücklage nicht schaden, um das Tip aus dem Schnee zu bringen. Ein „Supersportler“ für ausgezeichnete Skifahrer. DPS Wailer 106 Gefahrene Länge: 178 cm | ø R= 18,0 m Taillierung: 138 | 106 | 124 mm Gewicht: 2880 g Preis: 999,00 Euro Unser Eindruck: Der Wailer ist der Freetouring-Dauerbrenner bei DPS, und das aus gutem Grund: Bei niedrigem, aufstiegs- orientiertem Gewicht bekommt man das Allround- Paket, das sich auf der Piste carven lässt, im verspurten Gelände problemlos auch durch schwieriges Gelände steuert, wenn man nicht zu sehr aufs Gas drückt und im Powder souverän nach unten surft. Der Ski schwimmt auch in kurzen und mittleren Radien top auf und vermittelt seinem Fahrer stets viel Sicherheit. Freetourer aller Könnerstufen werden mit diesem aus- gewogenen und perfekt abgestimmten Skitouren-All- rounder ihren Spaß haben. Unser Tipp: Immer mindestens in Körpergröße wählen! ROSSIGNOL Seek 7 Gefahrene Länge: 176 cm | ø R= 21,0 m Taillierung: 122 | 86 | 108 mm Gewicht: 2500 g Preis: 499,99 Euro Unser Eindruck: Unverkennbar ein Rossi, fährt sich auch der Seek 7 sehr verspielt und unkompliziert. Die Schwungeinlei- tung funktioniert sehr einfach, im Powder schwimmt die leichte, weiche Schaufel hervorragend auf. Der Ski ist ziemlich schmal und muss daher – vor allem im tie- feren Pulver – aktiv entlastet werden. Dennoch bleibt der leichte Ski auch in höheremTempo stabil. Mit die- sem Ski haben auch Freetouring-Einsteiger bei sämt- lichen Bedingungen ihren Spaß und werden nicht vom Ski überfordert. Wer einen Partner für harte Lines in schwierigem Gelände sucht, hätte wahrscheinlich zwar eh nicht zum Rossi gegriffen – dafür ist er auch nicht gebaut. DYNAFIT Beast 108 Gefahrene Länge: 181 cm | ø R= 22,0 m Taillierung: 135 | 108 | 125 mm Gewicht: 3500 g Preis: 700,00 Euro Unser Eindruck: Der Dynafit Beast 108 hat überrascht, obwohl sich der Aufbau zum letzten Jahr nicht verändert hat: „Touren- ski muss nicht heißen, bei der Abfahrtsperformance Abstriche machen zu müssen!“ Der drehfreudige Ski reagiert auf der Piste agil, solange man ihn nicht zu aggressiv fährt, beginnt auch die Schaufel nicht zu flat- tern und die Kante hält den Ski spurtreu auf Linie. Im Verspurten zeigt sich der Dynafit gutmütig und fehler- verzeihend mit ausgezeichneter Dämpfung, während er im Pulver mit Agilität punktet: „Verrückt, wie ein- fach die Schwungeinleitung ist!“ Trotzdem gefallen hier auch große Turns in verschärftemTempo. Freetou- ring at its best!
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