Bergstolz Issue No. 81

46 SÜDAMER IKA Bergstolz Ski & Bike Magazin • 01 | 2019 Als Abschluss der letzten Schisaison reiste ich Mitte Juli mit zwei Freundinnen nach Chile. Schon seit eini- gen Jahren stand Südamerika ganz oben auf meiner To-Do-Liste. Letzten Sommer war es endlich so weit. Wir starteten die Reise zu zweit, Julie und ich, Betty kam eine Woche später. Unser erstes Highlight erleb- ten wir bereits am Flughafen in Frankfurt. Unser Flug war überbucht, weshalb wir von der Fluglinie ein gra- tis Upgrade in die First Class bekamen. Dort bekommt man tatsächlich einen Pyjama, Schlafmaske und So- cken. Neu eingekleidet schliefen wir wie Babys und kamen fit und ausgeruht in Santiago de Chile an. Eine wichtige Information für alle, die auch vorhaben nach Chile zu reisen: Das Einreisevisum, das man nach der Landung am Flughafen erhält, sieht aus wie ein Kas- senzettel aus dem Supermarkt. Wer also nach mehr- tägiger Reise einiges an Rechnungen und Zettel anhäuft und Ordnung schaffen will, sollte darauf ach- ten, welche er davon wegwirft. Santiago, Hauptstadt und größte Stadt Chiles, liegt auf 570 Metern in einem Tal zwischen den Anden und der chilenischen Küste. Fast sieben Millionen Menschen leben in dieser Metropole. Hier schlugen wir unser ers- tes Lager auf, denn die Stadt ist umgeben von Bergen, wo es einige Schigebiete zu erkunden gab. Das öffent- liche Bussystem in Santiago ist effizient, allerdings nicht, wenn man zum Schifahren in der Stadt ist. Nach gründlicher Recherche nach einer Fahrgelegenheit und Tipps von einigen Locals entschlossen wir, ein Auto zu mieten. Das beste Angebot fanden wir bei einem Autoverleih am Flughafen. Dort begrüßte uns Renato, der sich als wichtiger Teil unserer Reise herausstellen sollte. Er zeigte uns zwei Autos, die unserer Preisvorstellung ent- sprachen und bot uns gleich einen guten Discount an, wenn wir ihm das Auto direkt vor Ort in bar bezahlen würden - egal in welcher Währung. So zahlten wir 700 Euro Miete für einen Monat (inklusive Versicherung, nicht limitierter Kilometer, Schneeketten und Dachträ- ger) zur Hälfte in Euro und Pesos und hofften, dass der ziemlich ramponierte Kia Riu unsere Reise überstehen würde. Laut Renato sollte uns das Auto überall hin- bringen, bis nach Mexiko, wenn wir das wollten. Um ganz sicher zu sein, klebten wir einige rostige und be- reits lose Teile der Karosserie mit Tape zusammen. Ein paar Tage später landete dann auch Betty in San- tiago, die wir gleich mit unserem tollen neuen Gefährt abholten. Nun war unser kleines Team komplett. Da es Mitte Juli noch nicht viel Schnee hatte, starteten wir unser Abenteuer auf Bikes und Surfbrettern. In und um Santiago gibt es zahlreiche Hügel, die sich perfekt zum Biken eignen. Leider gibt es in der gesam- ten Stadt keinen Bikeverleih. Die Locals, die wir um Hilfe fragten, waren so hilfsbereit und liehen uns deren Bikes. Der Bikepark El Durazno mit toll geshapten Trails und Ausblick auf Santiago war unser Highlight. Lifte gibt es hier nicht. Die ca. 400 Höhenmeter muss man selber hochtreten. Bei angenehmen 15 Grad war das aber kein Problem. Ungefähr drei Stunden südwestlich von Santiago, an der Westküste Chiles verbrachten wir drei Tage in Pi- chilemu, einem Ort, der sich selbst Capital del surf nennt. Der Name verspricht nicht zu viel. In mehreren Buchten rollen riesige Wellen Richtung Strand. Diese überließen Julie und ich aber gerne Betty, während wir zwei uns zu den Anfängern gesellten. Als wohlverdien- ten Snack nach dem Surfen gönnten wir uns in Pichi- lemu "Kuchen" und “Strudel”, die an jeder Ecke angeboten werden. Unsere Verwunderung über die deutschen Bezeichnungen fernab der Heimat konnten die Einheimischen nicht nachvollziehen, da es sich ihrer Meinung nach um typisch chilenische Köstlichkeiten handelt. Ende Juli begann es in den Anden zu schneien. Des- halb fuhren wir zurück in die Stadt und planten unsere Trips in die umliegenden Schigebiete. Ungefähr zwei Fahrstunden von Santiago befinden sich die drei Schi- gebiete Valle Nevado, El Colorado und La Parva direkt nebeneinander. Die Gebiete liegen zwischen 2800 und 3700 Metern, die Berge sind über 5000 Meter hoch. Alle drei Schigebiete bieten unzählige Möglichkeiten zum Freeriden. Das Beste an dem Ganzen: Freeriden bzw. Schifahren ist in Chile eine Randsportart. Man braucht sich nie Sorgen zu machen, dass man sich einenWettlauf um die unverspurten Hänge liefern muss. Da die drei Gebiete sich wirklich direkt nebeneinander befinden, kann es allerdings passieren, dass man nach einem Powder Run an einem Lift im Nachbargebiet an- kommt, wo dann die Liftkarte nicht funktioniert. Wenn das passiert, hat sich nett lächeln und sich auf Englisch entschuldigen als hilfreich erwiesen. Da die meisten Chi- lenen nicht Englisch sprechen, wurden wir immer ohne Diskussionen einfach durchgelassen. Nach einem schneereichen Tag in El Colorado gab es ohne Schneeketten keinenWeg zurück nach Santiago. Allerdings schafften wir es einfach nicht, unsere Schneeketten anzulegen.Wir mussten uns Hilfe holen. Doch auch die Jungs vom Parkservice konnten die Ket- ten nicht anbringen. Der Grund war, dass Renato uns die falschen Ketten mitgegeben hatte. Nur mit Schnü- ren und Kabelbindern schafften wir es mit vereinten Kräften doch noch irgendwie, dass die Ketten hielten - zumindest für die ersten 5 von über 30 Kehren. Eine Kette mussten wir abmontieren, nachdem diese an- fing, gegen die Karosserie zu schlagen und legten den Rest der Strecke mit nur einer Kette zurück. Wir schil- derten Renato die Situation, der uns noch am selben Abend einen Mitarbeiter mit neuen Schneeketten zu

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