Bergstolz Issue No. 81
54 LORRAINE HUBER Foto: Sepp Mallaun Du bist jung, hungrig, und möchtest dir einen Namen als Freerider machen? Vielleicht möchtest du einfach für dich die Frage beantworten: „Habe ich das Zeug dafür?“ oder sogar eines Tages dein Geld als Freeskier verdienen. Glücklicherweise gibt es heutzutage viele Möglichkeiten, dich im Freeride- Sport präsentieren zu können - die Freeride Junior Tour oder Freeride World Qualifier events sind ein gutes Beispiel dafür. Trotzdem ist es aber meistens so, dass es nur wenige Highlight-Events im Jahr gibt, was den Leistungsdruck erheblich erhöht. Im Folgenden fasse ich ein paar wichtige Kenntnisse der vergangenen Jahre zusammen, die ich gerne von Anfang an gewusst hätte. 1. Es geht nicht um dich gegen die anderen Rider, sondern um dich und das Face bzw. deine Line Lass dich bei Face-Inspection nicht von der Linien-Wahl anderer beeinflussen. Nur weil Sepp der Kamikaze, sich ein zehn Meter Cliff mit flacher, harter Landung ausgesucht hat, musst du es nicht tun. Wichtig ist, dass du den Judges deine eigene Interpretation, den Berg zu befahren, zeigst. 2. Suche eine Line aus, die deine Stärken hervorheben lässt Ein Contest ist meist nicht die richtige Zeit, um zu experimentieren. Überlege dir davor was du gut drauf hast und was dir am meisten Spaß macht und bleibe dabei. Neues Gelände sowie noch nicht automatisierte Tricks trainierst du am Besten beim Skifahren mit deinen Kumpels. 3. Denk langfristig und lenke deinen Fokus auf das Lernen Gerade am Anfang deiner Contest-Erfahrung kann es verlockend sein, mit der Mentalität „Akia oder Ziel“ an den Start zu gehen. Den Druck, den man sich möglicherweise macht, schnell Erfolg und Sponsoren haben zu wollen, kann dies auch verstärken. Sehe es langfristiger und versuche, dich auf dein Skifahren zu fokussieren, anstatt den Fokus auf Resultate zu richten. Das Wichtigste über- haupt ist zu lernen und zu wachsen. Nehme dir skispezifische Teilziele vor, die du nach und nach meisterst und dadurch dein Selbstvertrauen aufbauen sowie erhalten kannst. Das ist enorm wichtig beim Freeriden. 4. Mache deine Hausaufgaben Eines der wichtigsten Fähigkeiten bei den Freeride-Wettkämpfen ist das Visua- lisieren deiner Linie. Dies soll aus deiner eigenen Perspektive erfolgen: so als ob du die Linie selber gerade fährst. Umso mehr Details du visualisieren kannst, umso besser. Versuche die ganze Situation inklusive wie du dich fühlen möchtest, die Spannung in deinen Muskeln, was du siehst, hörst, spürst und sogar riechst zu visualisieren. Diese mentalen Runs sind deine Übungsläufe und sind daher von enormer Wichtigkeit. Präge dir deine Line ein, bis du sie von Start bis ins Ziel ohne Unterbrechung vor deinem geistigen Auge ablaufen lassen kannst. 5. Plane auch das Rundherum Gebe dir genügend Zeit für den Aufstieg selber so, dass du ganz locker hochge- hen kannst ohne viel zu schwitzen. Beim Aufstieg Jacke ausziehen nicht verges- sen. Plane ebenfalls genügend Zeit ein, dich oben auszuruhen und dich zu orientieren. Bedenke auch die Temperaturen im Tagesverlauf. Das schlimmste ist, halb erfroren deinen Run fahren zu müssen. Oft müssen beim Contest alle Rider gleichzeitig zum Start aufsteigen, falls du eine hohe Startnummer hast, bedeutet das viel Wartezeit. Nehme dir eine zusätzliche Daunenjacke mit die du dann vor deiner Fahrt im Rucksack verstaust Denk daran, dass das Contest fahren vor allem Spaß machen soll, letztendlich kommst du so mit anderen leidenschaftlichen Freeridern in den besten Spots der Alpen zusammen und kannst dabei sehr viel lernen. Genieß es! Die Women‘s Progression Days by Lorraine Huber finden 2019 erstmalig gleich zweimal in Lech am Arlberg statt: Freeride-Camp // 31.01. bis 03.02.19 Skitouren-Camp // 28.03. bis 31.03.10 Alle Infos sowie Buchungen findest du unter www.lorrainehuber.com // Instagram: @lorrainehuber Foto: Lech Zürs/Sepp Mallaun // „Dinge, die ich gelernt habe“: Einstieg in Freeride-Bewerbe von Lorraine Huber Bergstolz Ski & Bike Magazin • 01 | 2019 Foto: Alexander Kaiser Foto: Alexander Kaiser
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