Bergstolz Issue No. 91

dem Festland. Suicide Cliff heißt es übrigens nicht aufgrund der vielen Selbstmorde, sondern weil klet- tern oder biken hier für Nicht-Experten regelrecht selbstmörderisch wäre: Die Trails sind von mannsho- hen tropischen Pflanzen überwuchert, bergauf ist das Bike über beinahe senkrechte Trampelpfade zu tragen – von fahren kann nicht die Rede sein. Biker gibt’s hier oben nicht, denn die Ridge zu den Kowloon Radio Towers ist unfassbar schwierig, felsig und tech- nisch anspruchsvoll. Und was die Vertikale am Suicide Cliff angeht…Kein Wunder, dass den Menschen, die wir hier am Selfie-Hotspot Hong Kongs treffen, der Mund vor Staunen offen steht, als Martin und Hans auf dem Bike ankommen. Die Aussicht spektakulär zu nennen, wäre die Untertreibung dieses Trips: Wow! Sprachlosigkeit. Als wir uns sattgesehen haben, rollen wir bergab, immer in Richtung Wasser.Wegen des horrenden Ver- kehrs nutzen wir Unterführungen der U-Bahn ge- nauso wie Fußgängerbrücken und Aufzüge, um sicher voran zu kommen. Unser Ziel: Der Blick auf Victoria Harbor von Kowloon aus. Martin, unser „Hong Kong- First Timer“, kriegte sich kaum mehr ein vor Begeis- terung. Die Sonne verabschiedete sich hinterm Horizont und die Stadt knipste ihre Abermillionen Lichter an. Zeit für uns, Kowloon bei Vollmond neu zu entdecken. Das Energielevel der Stadt scheint bei Dunkelheit noch einmal anzusteigen, der Shopping District brummt wie ein Bienenstock. Martins Magen meldete sich überdeutlich, und so packten wir uns – nachdem er und Hans im Adidas Megastore wegen verbotenen Radfahrens eine Verwarnung kassiert hatten – in einen der Indoor Essensmärkte. Die Schal- terhallen- Atmosphäre vergisst man umgehend, so- bald man sich eines der fantastischen Gerichte in den Rachen geschoben hat – göttlich! 17 HONG KONG

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