Bergstolz Issue No. 91

R I DERPROFI LE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 06 | 2020 21 MARTIN MAES „Durch meine Adern fließt Bikeblut“ Alter: 23 Homespot: Elsass Hometowm: Liège, Belgien Beruf: Mountainbike-Profi Sponsoren: GT Factory Racing - GT Bicycles, Shimano, Fox Racing Shox, Alpinestars, Schwalbe, Stans No Tubes, Race Face, Fabric, Bell Helmets, By The Hive, Ethirteen, Cushcore, One Up Components, GoPro, Odi Grips, FSA, Krush, Skullcandy, Red Bull Erfolge: Siege in der Enduro World Series 2018 Vizeweltmeister DH, 2018 DH-Weltcupsieg in La Bresse, 2017 3. Megavalanche, 2015 Vize-Junioren-Weltmeister DH, 2014 Junioren-Weltmeister DH, 2013 Gesamtsieg Junioren EWS @martinmaes97 @martin_maes5 Foto: Bill Freeman Foto: Jules Bollet Müsste man Martin Maes‘ Entwicklung kurz und knackig zusammenfassen, dann wohl so: Lernkurve – steil! Der 23-jährige Belgier holte 2013 überragend die EWS-Ge- samtwertung der Junioren und landete im Folgejahr mit ge- rade mal 17 Jahren auf Rang 10 der Elite. 2016 konnte er schließlich das Rennen in Finale Ligure für sich entscheiden und stand erstmals ganz oben auf dem EWS-Siegertrepp- chen. 2018 war er trotz einer Verletzung zu Saisonbeginn bis ganz zum Schluss mit dabei im Rennen um den Enduro World Series Gesamtsieg – auch wenn er letztendlich „nur“ auf dem 4. Platz landete. Trösten durfte er sich dafür mit einem Downhill-Weltcupsieg in La Bresse – nach nur einem Trainingstag! - sowie dem Vizeweltmeistertitel im Downhill in Lenzerheide. Nicht schlecht als Trostpreis, oder? Defini- tiv aber mehr als nur eine Talentprobe. „Die Downhill-Ergebnisse 2018 haben mich total über- rascht, auch wenn ich vor meinem Wechsel ins Enduro- Lager nur Downhill gefahren bin. Man weiß ja vorher nie so genau, wo man in Sachen Speed steht. Man muss an seine Grenzen gehen und das Maximum aus seinem Material he- rausholen, das liebe ich – es gibt nichts Vergleichbares“, erinnert er sich. Dass der junge Belgier ein Ausnahmetalent ist, zeigte sich schon früh: „Die Leidenschaft fürs Biken bekam ich sozu- sagen schon mit der Muttermilch mit: Noch bevor ich kurz nach meinem 2. Geburtstag mein erstes eigenes Bike bekam, sah ich meinem Vater beim Racen zu. Und seitdem fließt Bikeblut durch meine Adern.“ Mit fünf bestritt er seine ersten Rennen, mit sechs gewann er den ersten XC- Bewerb und mit zarten 13 Jahren holte er sich seinen ers- ten großen Titel bei den European 4X Championships 2010. Mit 15 hatte er seinen Profi-Vertrag mit GT und Atherton Racing in der Tasche. Das war 2012. Alle Weichen waren in Richtung Donwhill gestellt, und doch gehört Martin Maes 2020 zur Weltelite der Enduro-Fahrer. Warum das so gekommen ist, hat einen einfachen Grund: „Um ehrlich zu sein, da wo ich herkomme gibt es keinerlei Möglichkeiten ein Downhill Bike auszufahren. Und so fahre ich seit 2013 die komplette Enduro World Series.“ Schmun- zelnd fährt er fort: „Aber wer weiß, vielleicht wechsle ich eines Tages zurück – sobald ich einen Weltmeistertitel in der Tasche habe…“ Denn das große Ziel ist und bleibt, En- duro-Weltmeister zu werden. 2019 sah es zu Beginn ganz danach aus: Sieg in Rotorua, Sieg in Tasmanien, Sieg in Madeira. Doch dann der Schock: Aberkennung der ersten beiden Siege plus 90-tägige Sperre. In Neuseeland hatte sich Maes schwer am Unter- schenkel verletzt. Da die üblichen Antibiotika nicht an- schlugen, setzte der behandelnde Arzt zusätzlich Probe- necid ein, um eine potenziell lebensgefährliche Entzün- dung abzuwenden. Maes Dopingprobe war in der Folge positiv auf Probenecid. Sein Antrag auf „Therapeutic Use Exemption“ wurde nicht genehmigt und er anschließend ge- sperrt. Maes und sein Team reagierten zerknirscht: „Ich habe so hart trainiert, um meine Träume wahr werden zu lassen. Es gab einen Notfall zur Behandlung einer infizierten Wunde, und wir haben das Rezept von den Ärzten nicht noch einmal überprüft. Das ist einzig und allein unser Fehler.“ Es wäre aber nicht Martin Maes, hätte er hier aufgegeben: Ein vierter Platz in Northstar und ein Sieg zum Saisonab- schluss in Zermatt zeugen davon. Es hört sich beinahe wie eine Kampfansage an, wenn er seinem Team Rosen streut: „Ich bin auf GT Bikes groß geworden und ich kann meinem Team nicht genug für den Support über diese ganze Zeit danken. Wir sind zusammen durch Höhen und Tiefen ge- gangen und das hat uns noch stärker gemacht.“ Eine Kampfansage auch ans Donwhill-Lager? „Wir werden sehen. Mein Hauptziel ist es, die Enduro-Krone zu holen. Aber ab und zu werde ich sicher auf einem Downhill-Bike sitzen.“ Zeigt seine Lernkurve weiter so steil nach oben, dann wird es nicht mehr lange dauern, dass Martin Maes als schnellster Gravity-Allrounder unserer Zeit in die Ge- schichtsbücher eingeht. Foto: Jules Bollet

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