Bergstolz Issue No. 91

24 TÜRKEI Bergstolz Ski & Bike Magazin • 06 | 2020 Wir befinden uns im Herzen der Türkei, einem – nüchtern gesehen - flächenmäßig im Verhältnis sehr kleinem Gebiet. „Echt jetzt? Es fühlt sich unendlich groß und weit an, jetzt wo wir mittendrin sitzen!“ Und wir können beide nur mehr ein einziges, kleines Wort denken und aussprechen: „Wow!“ Wir trauen unseren Augen nicht, es ist kaum zu fassen, dass es so etwas wirklich gibt: Was für eine atemberau- bende Landschaft. Der Blick schweift über tausende und abertausende, von Mutter Natur über Jahrmillionen ge- formte natürliche Sandsteingebilde und Felsformationen. Die Stimmung ist unfassbar schön und es scheint schier unmöglich, alle Eindrücke in sich aufzusaugen. Sollte unser Traum wirklich Realität werden? Sollte es in dieser surreal anmutenden Landschaft auch noch Freeride Lines geben? Ja! Sollte es! Und sogar noch viel besser, als wir uns es vorstellen hätten können. Einfach traumhaft! Die ersten Lines, die wir entdecken, sind klassische, super spaßige und extrem flowige natürliche Bobbahn-artige Trails mitten durch diese pompös emporragenden, einzig- artigen Felsgebilde. Ein unglaubliches Gefühl, hier durch- zuheizen! Phallusförmige Sandsteinspitzen ragen in einer unglaubli- chen Zahl aus diesem Teil der Region hervor. Entstanden sind sie durch den Einfluss vieler Faktoren: Wetter, Wind, Nässe, Trockenheit und Temperaturunterschiede haben über viele tausende Jahre diese einzigartige, wahrlich fa- belhafte Welt geformt. Zwischen den Spitzen liegt Wüste, graue Sandwüste, um genau zu sein. Das Paradies eines Freeriders. Freiheit pur. Tag für Tag und immer wieder aufs Neue sind wir überrascht und begeistert, was wir Neues und Unglaubliches entdecken. Wir stehen praktisch non- stop mit offenem Mund und staunend wie Kinder da. Und trotzdem: Das wars noch nicht. Immer wieder ändern sich Landschaft und Vegetation unerwartet und kleinräu- mig, sodass man immer wieder von Neuem das Gefühl hat, Neuland zu betreten. Diese charakteristischen Gebiete ste- hen sich gegenseitig in Schönheit um nichts nach, immer wieder zaubern sie ihre ganz eigene Stimmung in die Landschaft. Mit jedem Schritt tiefer in diese Landschaft steigt die Verwunderung über dieses atemberaubende Bild direkt vor einem. Ungefähr so muss man sich fühlen, wenn man die ersten Schritte auf dem Mond macht. Hallo, Neil Armstrong! Hier in Kappadokien allerdings kann man nicht nur ein paar aufregende Schritte zu Fuß gehen und die Aussicht genießen. Nein, man kann auch biken. Und wie! Größter Spaß: Richtig Gas geben und den Dreck ins Licht des Sonnenuntergangs schießen! Während es woanders nach actionreichen Tagen am Bike oft schwer ist, abends abzuschalten und runterzukommen, passiert das hier in dieser märchenhaften Kulisse fast von alleine – und nicht nur nach Feierabend: Immer wieder mal nehmen wir uns die Zeit, um die letzte Line Revue passie- ren zu lassen, die Zeit um all diese Eindrücke sacken zu lassen, die Zeit um das Panorama aufzusaugen und kurz darüber nachzudenken was da grad eigentlich alles pas- siert. Diese Momente der Stille, des Staunens, des Genie- ßens und der Wertschätzung lösen in uns ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit aus. Klingt ziemlich stoked, ist es auch: Wir gehen ganz im Moment auf und sind erfüllt von dem was wir gerade tun. Aber hey, keine Zeit um zu schwelgen! Weiter geht’s! In Gedanken noch auf dem Mond taucht inmitten dieser lee-

RkJQdWJsaXNoZXIy Mzk0ODY=