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Trans Angeles - urban bike adventure


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Los Angeles: Anlässlich der Stadtgründung wurde der Siedlung der Name “El Pueblo de Nuestra Senora Reina de los Angeles sobre el Rio Porciuncula” gegeben. Wenn dein Spanisch etwas eingerostet ist: Das bedeutet „Stadt unserer weiblichen Engelskönigin am Porciuncula-Fluss" –a.k.a.L.A. oder Los Angeles. Die Idee unseres Trips war es,in fünf Tagen diese Stadt – eine der größten dieser Erde – auf Bikes zu durchqueren. Wir wollten aber nicht nur die unglaubliche Natur und die Berge zeigen, die Los Angeles umrahmen, sondern auch die unterschiedlichen Viertel, Vorstädte und Sehenswürdigkeiten.

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Ich selbst lebe seit mehr als 30 Jahren in Südkalifornien, nachdem ich zuvor in über 70 Ländern dieser Erde war und in den entlegensten Weltgegenden auf dem Bike gesessen bin. Es war Zeit für mich, endlich meine nächste Umgebung zu erkunden. Und wie könnte man das passender machen als mit ein paar MTB-Rockstars als Begleitung?

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Missy Giove ist eine der größten Legenden, die der Mountainbikesport je hervorgebracht hat. Ihr Einfluss auf MTB-Racing und sein Rockstar-Image in den 90ern ist unschätzbar, und ihre Einstellung sowie ihr Rennstil machten sie zu einer der herausragendsten Figuren im Radsport. Kindlicher Enthusiasmus und Naivität scheinen manches Mal ihren tiefgründigen und klugen Charakter zu überdecken, wer allerdings ihrem Sprachtempo folgen kann, entdeckt eine vielschichtige Persönlichkeit, deren Facetten ebenso bunt sind wie die Tattoos, die sie auf der Haut trägt. Diese Frau ist furchtlos und süchtig nach Speed, hin und wieder unbesonnen, und hat keine Angst vor gebrochenen Knochen. Das erklärt vielleicht auch, weshalbsich Missy nicht nur einmal in ihrem Leben in eine schwierige Situation gebracht hat…

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Außerdem mit am Start Timmy C, bürgerlich Tim Commerford, ein langjähriger Freund und Hardcore Mountainbiker. Als professioneller Musiker war er Bassist von Bands wie Rage Against the Machine, Prophets of Rage und Audioslave. Er wuchs in L.A. auf und hat mehr Leidenschaft und Enthusiasmus fürs Biken als viele Pro-MTBler, die ich im Lauf der Zeit kennen gelernt habe. Immer mal wieder schlossen sich uns weitere Freunde für einzelne Etappen an, zusätzlich begleiteten uns Fotograf Bill Freeman und Filmer Cedric Tassan.

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Unser Startpunkt war der 5.710 Fuß hohe Gipfel des Mount Wilson in den San Gabriel Bergen östlich von L.A. Von dort aus wollten wir in Richtung Westen nach Catalina Island. Wir beschlossen für unsere Durchquerung des Stadtgebiets sowohl normale Bikes als auch E-Bikes einzusetzen. Unser Supportfahrzeug von Stans erleichterte uns den Weg durch die aus 88 unabhängigen Städten bestehende Millionenmetropole: Zwölf Millionen Menschen aus mehr als 140 Nationen leben hier - und noch mehr Autos. Vor nicht einmal 150 Jahren war das Gebiet von Los Angeles noch ebenso naturbelassen, wie es viele vorgelagerte Landstriche heute noch sind. Hollywood war ein einziger Orangenhain, bevor die riesigen Ölfelder entdeckt wurden und sich die Filmindustrie in Tinseltown ansiedelte.

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Wir starteten unsere TransAngeles mit einem meiner All-Time-Favourites, nämlich Chantry Flats am Mount Wilson. Hier mit Missy zu fahren war ein sehr besonderes Erlebnis für mich. Zumal sie in den letzten zehn, 15 Jahren kaum in der Bikeszene oder gar auf dem Fahrrad war, seit sie sich aus dem Downhill-Bereichzurückgezogen hatte. Und obwohl sie nicht einmal mehr ein eigenes Bike besitzt, zeigte sich sofort wieder ihr unverwechselbarer Go-for-it-Style. Die ehemalige Weltcup-Siegerin und Weltmeisterin hat das Radfahren jedenfalls nicht verlernt, und ich half ihr gerne mit ein paar Rädern für diesen Trip aus.

Wir hatten einen unglaublichen Blick von unserem Ausgangspunkt am Mount Wilson Observatorium über die gesamte Stadt bis hin zu Catalina Island, wo wir unsere Reise in wenigen Tagen beenden würden. Direkt hinter uns gab es kein einziges von Menschenhand errichtetes Bauwerk, nur Natur: Wälder, Canyons, Bergrücken, Flüsse, Wasserfälle und Wildtiere trennen L.A. von der Wüste. Hier verirrt man sich leicht, die Single Trails sind Weltklasse und oft sehr technisch. Teilweise sind ausgesetzte Stellen wie die 30 Meter lange Wasserfalltraverse zu meistern, wo sich Fahrfehler schnell fatal auswirken können. Und dazu sollte man neben Schlangen und Bären auch noch die Gifteichen im Auge behalten. Reagiert man nämlich allergisch – wie ich – dann führt der Hautkontakt zu einem bösen Hautausschlag, der tagelang zum Verrücktwerden juckt.

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Die Nacht verbrachten wir in Pasadena, von wo aus wir am nächsten Tag unsere erste Stadtetappe in Richtung Downtown auf E-Bikes in Angriff nahmen.Timmy C und Tony Z stießen zu unserem Team. Tony, ein Freund von mir aus Laguna Beach, inspirierte uns zu den urbanen Etappen des Trips. Ich kenne niemanden, der so viel weiß über die Viertel, Parks, Flussdeltas, Treppen und Abkürzungen unserer Stadt wie Tony. Es bedurfte viel Recherche, um all die einzigartigen, versteckten Routen, die außergewöhnlichen Gebäude und geheimen Verbindungen dazwischen zu finden. Und das alles im Gegensatz zwischen arm und reich, zwischen Natur und Stadtentwicklung, zwischen Geschichte und Kulturleben. Die E-Bikes erwiesen sich als optimales Fortbewegungsmittel, und seid sicher: Die Motorunterstützung hat uns nicht davor bewahrt uns anzustrengen! An diesem einen Tag machten wir mehr als 1.500 Höhenmeter, einschließlich einiger wirklich steiler Anstiege und Treppen. Timmy nahm gleich zu Beginn einen Sprung vor dem Rathaus, bei dem er als Profimusiker besser keinen Crash hinlegt. Hat aber allesgeklappt und ich hab mich innerlich dafür bedankt, dass ich nicht seinen Bandkollegen beichten musste, dass die geplante Tournee leider ausfällt… Timmy ist ein extrem erfahrener Mountainbiker, seit über 25 Jahren auf dem Bike unterwegs. Er nimmt sein Bike mit auf Tournee, hat das Leadville 100 und das RaceAcross America überstanden und in einem Jahr mehr als eine Million Höhenmeter auf Strava abgespult. Timmy liebt technische Herausforderungen auf dem Bike, insbesondere die Klettereien. Es gab Sektionen, wo er x Mal rauf und runter ist, bis er sie gemeistert hat ohne einen Fuß vom Pedal zu nehmen.

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Timmy und ich fahren gerne E-Bike. Wir glauben nicht, dass es das reguläre Bike ersetzen wird, aber es gibt Einsatzbereiche für beide. Die Unterstützung durch den Elektromotor eröffnet völlig neue Möglichkeiten, und irgendetwas Magisches passiert, wenn jemand auf einem E-Bike sitzt: Denn alle Menschen fangen zugrinsen an – selbst die größten Kritiker, wenn sie es tatsächlich ausprobieren. Dank GT, Fox, Clif, Stans und Shimano hatten wir genug Fahrräder für die gesamte Crew und auch Missy, die nie zuvor eines gefahren war. Sie liebt jede Art von Zweirad und es dauerte nicht lange, bis sie auf dem GT eVerb abging.

Wir ließen die Stadtgrenze Pasadenas hinter uns und stiegen in das Flußbett des Arroyo Seco ein. Kreuz und quer fuhren wir durch die verschiedenen Viertel und Nachbarschaften bis zum Mount Washington, wo wir uns einen Burrito mit Aussicht gönnten: Die Silhouette Downtowns vor uns, Mount Wilson hinter uns. Bevor wir uns auf ins Stadtzentrum machten, entdeckten wir noch einen großartigen Trail hoch über der Interstate 5 in der Nähe des Dodgers Stadium. Von Radio Hill aus fuhren wir hinunter nach China Town, zuvor mussten wir allerdings noch durch mehrere Obdachlosen-Viertel wo provisorische Behausungen aus Pappe und Karton aufgestellt waren. So gefährlich diese Viertel für Vorstädter auf teuren Bikes sein mögen, es war wesentlich erschreckender und traurig, das Ausmaß der Armut inmitten des glamourösen L.A. zu sehen. Neben dem Freeway, unter Brücken, in Parks und in einigen Gegenden wie Skid Row, ganze Häuserblocks entlang finden sich Behelfslager aus Kartonagen und Zelte auf den Bürgersteigen. Viele schieben ihr gesamtes Hab und Gut in „geliehenen“ Einkaufswägen durch die Gegend, überschattet von den modernen Wolkenkratzern der Stadt.

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Auf unserem Weg in die Innenstadt kamen wir an der Bruce Lee Statue in China Town vorbei, wir rasten durch das Bonaventure Hotel und das World Trade Center, wir konnten der Freitreppe vor der Walt Disney Concert Hall nicht widerstehen und hinter ließen Reifenspuren: Skid marks on Skid Row! Ein böser Crash erinnerte mich daran, dass ich erstens keine 20 mehr bin und zweitens nicht auf meinem Trial-Bike unterwegs. Zum Glück konnte ich zwar mit Schmerzen und einigen Prellungen, aber ohne gebrochene Knochen davonhumpeln.

Tag drei begann am Griffith Observatorium mit abermals atemberaubendem Blick über die Stadt. Wir wollten mit unseren E-Bikes bis zum Santa Monica Pier kommen. Natürlich mussten wir am weltberühmten Hollywood-Schild vorbeifahren, die Treppen der berüchtigten Hollywood Bowl überfallen, um die 2500 Hollywood Stars auf dem Hollywood Boulevard herumslalomieren, nach Mulholland hinauf fahren und die Dirt Trails im Franklin Canyon Park probieren– um danach zwischen den Villen der Reichen und Berühmten in Beverly Hills auszusteigen. Wheelies am Rodeo Drive zwischen Lamborghinis und Rolls Royces, bevor wir am Baywatch (offiziell Pacific Blue)-Strand in Santa Monica ankommen. Jackpot! Es ist Wochenende und wir können das verrückte Treiben am Venice Beach und dem Santa Monica Pier mit all seinen Künstlern, Musikern, Touristen, Sportlern, Tänzern und Attraktionen hautnah miterleben.

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Zurück auf unseren normalen Bikes geht es auf Etappe 4 auf Timmys Hometrails in die Santa Monica Mountains. Wir geben uns einen langen Abschnitt des Backbone Trails, der diese Berge hoch über Malibu durchquert. Von Yerba Buena aus radeln wir den ganzen Weg entlang der Pepperdine University auf unberührten Singletracks durch abgelegenes Hinterland, Schluchten, Täler und entlang panoramischer Gratlinien hoch über dem Ozean. Der Wind blies heftig und die Waldbrandgefahr war hoch, besonders nachdem in den vergangenen Wochen mehrere große Waldbrände gewütet hatten. Wir hatten sehr großes Glück, dass wir die Trails zu dieser Zeit überhaupt fahren durften…

Dieser Tag war einer von denen, die man nie mehr vergisst: Good company, lange Trails und viel Zeit im Sattel, eine gute Mischung aus technischen und flowigen Passagen – absolut empfehlenswert! Wir hatten einiges zu lachen, Missy auf einem meiner alten Sensor-Bikes, Timmy auf seinem Enduro und ich auf dem GT Force. Unser letzter Trail des Tages führte auf einer messerscharfen Ridge Meter um Meter näher an den dunkelblauen Ozean hinab.

Tag fünf unserer TransAngeles. Wir starteten in aller Herrgottsfrühe, um in der Marina einen Freund zu treffen. Er, Besitzer einer wunderschönen Yacht, setzte uns über auf Catalina Island. Die Insel ist 22 Meilenlang, zu 95 Prozent als Naturschutzgebiet ausgewiesen und beinahe so ursprünglich wie vor 100 Jahren. Die Insel gehörte früher der Familie Wrigley, die mit den gleichnamigen Kaugummis reich geworden ist. Die stiftete den Großteil der Catalina Island Conservancy, damit die Schönheit der Insel so für die Zukunft erhalten blieb. Hier kann man Füchse und sogar Bisons in freier Wildbahn beobachten: Die wurden in den 60er Jahren ausgesetzt, als hier Wild West-Filmegedreht wurden. Auf Catalina Island gibt es zwei kleine Städte, einen winzigen Flughafen, eine Marina und kaum Autos. Nach einer wunderschönen eineinhalbstündigen Bootsfahrt, auf der uns Wale und Delfine begleitet haben, ankerten wir im beschaulichen Two Harbors.

Da die Insel unter Naturschutz steht, darf man hier nur auf ausgewiesenen Wegen biken, und auch nur, wenn man eine Bike-Erlaubnis gekauft hat. Es gibt einige große Hügel auf der anderen Seite der Insel, allerdings keinen legalen Zugang zu den Wanderwegen

Deswegen entschieden wir uns nochmals für die E-Bikes, um zu den traumhaften blauen Buchten auf der Rückseite der Insel zu gelangen. Die Biker, die wir überholten, waren zuerst gar nicht happy über unsere E-Bikes, als sie sich aber mal draufgesetzt hatten änderte sich ihre Laune schlagartig. 1:0 für uns!

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Unser Trip neigte sich dem Ende zu. Zum Abschluss wollten wir uns noch etwas Besonderes gönnen: Eine Schleife hoch über der historischen Stadt Avalon am anderen Ende der Insel. Avalon ist eine bekannte Touristenattraktion, mit den zahlreichen Hotels, Restaurants und dem alten Casino wirkt es wie eine Stadt des frühen 20. Jahrhunderts. Obwohl die Millionenmetropole Los Angeles nur 25 Meilen entfernt liegt, fühlt es sich an wie eine andere Welt. Wenn das Wetter klar ist, kann ich die Insel sogar von meinem Schlafzimmer zuhause in Laguna Beach sehen.

Wir beschlossen unsere TransAngeles abseits der ausgetretenen Pfade mit einem gemeinsamen Fazit: Eine bessere Art können wir uns alle drei nicht vorstellen, um L.A. zu entdecken. “That’s All Folks!”

Infobox

[Anreise]
Flüge München – Los Angeles gibt es ab ca. 500 Euro (Flugdauer ca. 12 Stunden). Auto am besten direkt am Flughafen mieten, viele Anbieter sind rund um die Uhr erreichbar.

[Los Angeles]
Los Angeles, oder kurz L.A., ist mit knapp vier Millionen Einwohnern im Stadtgebiet die zweitgrößte Stadt der USA. Die Stadt ist das Wirtschafts, Geschäfts- und Kulturzentrum Kaliforniens mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen – nicht zuletzt wegen der hier ansässigen Film- und Fernsehindustrie. In der Metropolregion Los Angeles leben mehr als 12 Millionen Menschen. Sie beinhaltet neben den 15 Districts L.A.s außerdem die beiden Countys Los Angeles und Orange.
www.discoverlosangeles.com

[Hans Rey]
Hans “No Way” Rey gilt als einer der absoluten Heroes in Punkto Mountainbiking. Er ist ehemaliger Trials Weltmeister, Stuntman und Bike-Abenteurer und hat die entlegensten Ecken der Welt mit seinem Bike erkundet. Seit mehr als 30 Jahren lebt und arbeitet Hans in Kalifornien, umtriebig wie eh und je.
hansrey.com




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