bergstolz

Karwendel - Gerwentil


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Ein 2-Jahres Projekt im Karwendel
Gerwentil ist der historische Name des Karwendelgebirges – dem größten Schutzgebiet Tirols und größten Naturpark Österreichs. Gerade im Winter sind Teile des Gebirges von einer Wildheit und Einsamkeit, wie man sie in unseren Breiten kaum findet, ein idealer Platz für Abenteuer. Und Abenteuer wollten wir erleben, genug hatten wir von ewigen Liftschlangen und dem Ski-gebiets-Stress, der mit einer Schneevorhersage des Powderguides einhergeht.

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Früher, als wir begannen, abseits der Pisten unterwegs zu sein, fuhren wir immer direkt unter dem Lift unsere Lines, um möglichst viele Reaktionen der am Lift sitzenden Leute zu erhalten. Stand man dann vor einem Drop und hörte ein: „Junge komm runter da, bist Du lebensmüde?“ vom Lift, haben wir das natürlich wie eine Auszeichnung entgegengenommen.
Irgendwann aber zog es uns immer weiter weg von den Liftanlagen, mehr und mehr suchten wir Stille anstatt Skigebietslärm und die Einsamkeit statt dichtem Gedränge in der Gondel. Angefangen habe ich mit kurzen Aufstiegen zum nächstgelegenen Gipfel. Irgendwann erkannte ich, dass mir ein Splitboard die Möglichkeit eröffnen würde, Lines zu fahren, die bisher unerreichbar schienen. Genau diese Lines im Karwendel zu erreichen und zu befahren war der Plan für dieses Filmprojekt. Mit dem Tiroler Powerhouse Simon Partl und der Bayrischen Gams Tobias Wohlmannstetter holte ich mir zwei sehr tourenmotivierte Jungs ins Boot, auch sie waren von der Wildnis des Karwendelgebirges fasziniert und wollten mich bei meinem Vorhaben unterstützen.
Die beiden kreativen Köpfe Chris und Philipp Kaar von A Twin Thing Film Production sollten die speziellen Momente, die wir in den Bergen erleben würden, mit ihren Kameras ein-fangen. Die Brüder, die im Backcountry nicht allzu erfahren waren, sollten bald schon ler-nen, wie man eine Steilrinne mit Kamerarucksack hochklettert oder eine Schneehöhle zur Übernachtung schaufelt…

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Die Story zum Film
Die Geschichte des Films beginnt im Risstal, am nördlichen Eingang des Karwendels. Jahrhundertealte Ahornbäume verlieren ihr Herbstkleid und bereiten sich auf die dunkle Zeit im Jahr vor. Der Schatten wandert langsam ins Tal und kündigt den bevorstehenden Winter an. Nach dem ersten Schneefall machen sich Freerider auf den Weg ins Gebirge, immer auf der Suche nach unbekanntem Terrain und neuen Herausforderungen. Was sie nicht wissen: Es gibt da draußen etwas, das all ihre Schritte beobachtet und versucht, zu ergründen, warum sie sich auf ihre riskanten Unternehmungen einlassen. Jemanden, der mit diesem Gebirge schon länger verwurzelt ist als ihm lieb ist… Aus seiner Perspektive, nämlich der eines jahrhundertealten Ahornbaums, wird die Geschichte erzählt.
Er wird auf die sonderbaren Gestalten nur aufmerksam, da sie zu seinem völligen Unver-ständnis Gefallen an der kalten, eisigen Jahreszeit gefunden hatten. Von Natur aus neugierig, beobachtet er ihr Spiel im Schnee und ihre Suche nach Licht. Erheitert von ihrer ansteckenden Freude entschließt er sich schließlich, als sie weiterziehen, Teil des Abenteuers zu werden.
Zwei Jahre Arbeit und Leidenschaft stecken in dem ausschließlich über Crowdfunding finanzierten Filmprojekt. Zu sehen sind nicht nur Bilder von atemberaubender Schönheit, sondern es wird auch aus der Perspektive des Erzählers die Ambivalenz derartiger Aben-teuer zum Thema: Ist es moralisch vertretbar, in eine Welt einzudringen, die von seltenen Tieren und Pflanzen bevölkert ist, nur weil das Entdecken des Neuen so reizvoll ist?

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karwendel 05“Das gute Bild liegt nicht am Wegrand, das gute Bild muss man sich erarbeiten.“ (Heinz Zak)
Die perfekte Line
Soweit zur Story des Filmprojekts. Was es für mich aber so besonders gemacht hat, waren ein paar einzigartige Momente während der vergangenen zwei Jahre. Einer davon sticht hervor: Eine Line im Westen des Karwendels, die ich bei einer Scouting Mission zwei Wochen vor der Befahrung entdeckt hatte. Die nordöstlich ausgerichtete Flanke hatte noch gute Chancen auf Powder und darauf spekulierten wir natürlich. Die Crew für diese Tour bestand neben mir aus Simon, Chris und Phil, und so starteten wir die Tour mit Board und Ski am Rücken über einen Schotterweg, bis wir dann nach einer Weile auf Felle umstiegen. Der erste Eindruck der Schneebedingungen war kein guter, zuerst gar kein Schnee und je weiter wir vorankamen desto mehr wurde uns bewusst, dass der Frühlingseinbruch und die damit verbundenen hohen Temperaturen wahrscheinlich unsere Hoffnungen auf gute Bedingungen zunichte gemacht hatten.
Nichtsdestotrotz stiegen wir weiter auf, um zumindest am ersten Tag noch bei Tageslicht einen Blick auf das Face werfen zu können. Nach kurzem Kampf mit Spitzkehren und Lat-schen erreichten wir in der schon vorangeschrittenen Dämmerung den Vorgipfel, von dem wir uns freie Sicht auf unsere Lines erhofften. Der geplante Facecheck fiel der Dämmerung zum Opfer und musste auf den frühen Morgen verschoben werden. Simon hatte schnell einen passenden Platz für die Übernachtung im Biwak gefunden, und mit der heraufzie-henden Nacht kroch die Kälte auch schon in unsere Knochen. Schnell begannen wir uns noch Schneewände als Schutz vor dem Wind zu schaufeln. Anschließend noch Suppe gekocht und diese „verschlürft“. Endlich raus aus den Boots und rein ins Biwak. Kleiner Tipp für die Nacht: Leere Flasche und Innenschuhe Deiner Boots immer mit in den Schlafsack nehmen! Die Nacht war kurz und geweckt wurde ich dann von Phil, der auf Grund eines Loches in seiner Isolationsmatte kein Auge zubrachte. Kurzerhand entschied er sich dazu, den Tag frühzeitig zu starten und machte schon mal die ersten Aufnahmen. Ein kurzer Blick Rich-tung Face am Morgen genügte und Simon und ich waren uns einig: Wir probieren‘s mal, schauen wie‘s wird. „Nix sein kuns imma!“. Chris und Phil blieben im Camp zurück, von dem sie ideale Einsicht auf den ganzen Berg hatten. Von hier aus wollten sie das Ganze filmisch festhalten. Chris vom Stativ aus und Phil mit der Drohne aus der Luft. Los ging es mit dem Hike über einen Grat, der immer wieder von großen Schneewechten unterbrochen wurde. Kurze, steinige Passagen waren auch dabei, wir kamen aber gut voran. Und zu unserem Erstaunen und unserer Freude stellten wir fest, dass der Schnee immer besser wurde, je höher wir kamen. Der Pulver schien sich in der Nordost-Flanke gut konserviert zu haben und mit jedem Schritt wurde er fluffiger. Mit jedem Schritt stieg somit auch unsere Vorfreude auf die bevorstehende Abfahrt. Am Drop-in Spot angekommen hatten wir noch eine kurze Wartezeit, um besseres Licht zu bekommen und dann ging es auch schon los! Perfekter Schnee, perfekte Turns – unsere Freude ist riesengroß, als wir beide sicher am Ende unserer Lines angekommen waren und uns bewusst wurde, dass sich all die Mühen und die kalte Nacht gelohnt haben. Jetzt blieb uns nur noch der Aufstieg zurück ins Camp, wo Chris und Phil uns schon erwarteten. Die zwei freuten sich mindestens genauso wie wir, gratulierten uns zur Abfahrt und zeigten auch gleich stolz ihre Aufnahmen her. Genau diese Aufnahmen und noch viele weitere Karwendel Momente zeigen wir im Er-gebnis unseres 2-Jahres-Projekts „Gerwentil“. Der Film ist noch bis zum 27. November 2021 im Programm des Freeride Filmfestivals zu sehen, das in 13 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Gast sein wird. Und ab 25. Dezember wird „Gerwentil“ schließlich auch online veröffentlicht werden. Wenn ich heute den fertigen Film sehe und an die zwei Jahre und die vielen Erlebnisse zu-rückdenke, bin ich glücklich und dankbar. Dankbar für die tolle Zeit, für die phänomenale Crew und für die vielen Unterstützer, ohne die das Projekt niemals möglich gewesen wäre.

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Text: Victor Heim // Fotos: Lukas Cairns, Simon Partl, Philipp Kaar

InfoboxVictor Heim:
In den Wintermonaten ist er mit seinem Board in den Bergen Tirols unterwegs, um auf unberührten Berghängen neue Lines zu entdecken. Mit seinem Filmprojekt Gerwentil kombiniert er die Schönheit der heimischen Berge mit seiner Art Snowboard zu fahren.

A Twinthing Fillm Productions:
A Twin Thing Film ist - wie der Name schon vermuten lässt - ein Filmmaker Duo, bestehend aus den Zwillingen Christoph & Philipp Kaar mit Sitz in Innsbruck. Seit dem jungen Alter von 16 Jahren hat das Medium Film sie in seinen Bann gezogen, damals vor allem zur Dokumentation ihrer Freeski-Stunts. Heute, mit fast 27 Jahren, prägen hohe Ansprüche und der Fokus auf Storytelling ihre Werke. Die Liebe zum Schnee ist aber geblieben - in diesem Projekt wurde sie vielleicht sogar ein bisschen neu erfunden.

Pro Tipp - Winter Biwak Packliste von Simon Partl
» Fertigessen (sowie Astronautennahrung)
» Gaskocher (windgeschützt) & Thermosflasche
» Schlafsack (min. -10°)
» Matte (R-Wert min. 3)
» Dünne Handschuhe und Mütze zum Schlafen
» Frische Kleidung (zum Wechseln nach dem Aufstieg)
» Daunenjacke
» Stirnlampe
» Erste Hilfe-Set & Lawinenausrüstung



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