bergstolz

So viel Schnee, gibt's das? Powderchase Zauchensee


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Starker Schneefall – Vier bayrische Landkreise rufen Katastrophenalarm aus (www.spiegel.de)
Österreich und Bayern – Zu viel Schnee. Lifte stehen still (www.spiegel.de)
Trotz aller Warnungen abseits der Piste (www.faz.net)
Schneemassen sorgen für Chaos in Bayern und Österreich (www.tagesschau.de)
Wetterdienst meldet höchste Lawinenstufe 5/5 für Teile Österreichs (www.skinachrichten.de)

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Nur ein paar der Schlagzeilen, welche in der Woche vor dem ersten Powderchase der 2018/2019 Saison die Republik beunruhigen. Stimmt schon – es war ein ganz besonderes Wochenende für das Powderchase Team. Und falls Ihr nicht wisst um was es geht– Powderchase ist ein Reiseprojekt, welches seit Jahren einem einfachen Prinzip folgt: Es wird kurzfristig entschieden, wo die Reise hingeht – je nach Neuschnee. Und sollte es davon keinen geben, erhalten die Teilnehmer ihren Preis zurück. Dieses Wochenende war die Herausforderung aber fast eine andere: dorthin fahren wo nicht zu viel Schnee liegt.

Ein Blick auf dieses Jahrhundert Schnee-Wochenende aus drei Perspektiven:

Ricarda Schneegass, Powderchase
Ich schaue aus dem Fenster im Münchner Süden. Es schneit. Seit Tagen. Das morgendliche Programm startet 1,5 Stunden früher, denn ohne Schneeschaufeln ist an Alltag oder die üblichen Fortbewegungsformen selbst im städtischen Umfeld gar nicht zu denken. Das Telefon reißt mich aus meinen Gedanken, die sich um die Orga des ersten Powderchase Wochenendes drehen. „Hi, da ist die Anne. Sag mal – fahrt Ihr am Wochenende eigentlich los?!“. Das ist der gefühlt 100ste Anruf in den letzten zwei Tagen. Alle wollen wissen ob, wohin und vor allem mit welcher „Moral“ ein kleines Unternehmen wie Powderchase an diesem Wochenende zum Freeriden loszieht.

Klaus Gruber, zertifizierter UIAGM Bergführer
Als Bergführer bin ich vor allem im Winter in den heimatlichen Bergen unterwegs. Und das aus gutem Grund: durch meine Lage am Alpenhauptkamm kann ich sowohl den Schnee aus dem Süden als auch aus dem Norden abgreifen. Und wer Obertauern und Zauchensee kennt weiß, dass es im Nordstau immer Überraschungen gibt, was die prognostizierte Schneemenge betrifft. Meist gibt es mehr Schnee als vorhergesagt. Als mich Ricarda knapp fünf Tage im Vorfeld des Powderchase im Januar kontaktiert, weiß sie natürlich schon, was auf uns zukommt. Die letzten Wochen ist schon viel Schnee gefallen und für die kommenden Tage ist nochmal ordentlich Schnee gemeldet. Mit der Chance auf Sonne, aber eben auch sehr große Lawinengefahr. Prognostiziert sind in den Hohen Tauern und Nordalpen Stufe 5 unter 2000m und im Süden 4 bzw. 3.

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Christian Obermayr, langjähriger Powderchase Teilnehmer:
Ich fahre jetzt schon ein paar Jahre bei Powderchase mit. Zum einen, weil sich so der Wunsch nach Tiefschnee und die Planungsbedürfnisse eines Familienvaters am besten unter einen Hut bringen lassen. Zum anderen, weil das Team und die immer wieder neu zusammengewürfelte Truppe Gleichgesinnter ein großartiges Erlebnis garantiert. Das Konzept funktioniert, weil alle verstehen, dass das Powderchase Team sein Bestes gibt, um innerhalb weniger Tage einen Trip in den versprochenen Tiefschnee zu organisieren. Jedes Powderchase läuft zwar gleich ab, hat aber immer einen ganz eigenen Charakter. Als ich heute aus dem Haus gehe, wird schnell klar: das kommende Wochenende kann man sicher als außergewöhnlich einstufen. Nicht nur wegen der Mengen an Schnee, sondern vor allem durch die mediale Berichterstattung die gerade stattfindet. Selbst im eigenen Umfeld gibt es Kopfschütteln ob meines - nennen wir es mal positiv - Optimismus. Auf Facebook versuche ich meine Position dem erweiterten Freundeskreis darzustellen, was allerdings nur teilweise erfolgreich ist.

Ricarda Schneegass, Powderchase
Nach einer schlaflosen Nacht und unzähligen Telefonaten mit vielen unserer Bergführer Kontakte aus den verschiedenen Gebieten steht für mich trotz allen Medienrummels fest: wir lassen das Wochenende stattfinden und fahren Richtung Zauchensee. Jetzt heißt es „nur noch“ Unterkünfte für gut 20 Personen reservieren, Emails schreiben, weitere Bergführer finden. Eigentlich der normale Wahnsinn im Vorfeld eines Powderchase Wochenendes. Dieses Mal wird aber so gut wie jeder Arbeitsschritt unterbrochen: Weitere Anrufe von unsicheren Teilnehmern, mehrere spontane Buchungen eines Lawinenrucksacks. Alles noch gar keine große Sache. Ein Anruf bringt mich dann ab doch ein wenig aus dem Konzept und ins Grübeln: Ein Teilnehmer schreibt mir eine „juristisch – klingende“ Email mit seinem Wunsch, das Wochenende abzusagen und den Preis zurückerstattet zu bekommen. Das gab´s noch nie. Ich lasse den Teilnehmer kostenfrei stornieren. Mit einem schlechten Gefühl soll nun wirklich niemand in ein Wochenende ziehen müssen.

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Klaus Gruber, zertifizierter UIAGM Bergführer
Ricarda hat viel Erfahrung und beobachtet die Geschehnisse über die ganze Saison. Auch dieses Mal ist mir klar, dass sie die Situation bereits gut eingeschätzt hat. Natürlich liegt es trotzdem nun noch an mir und meinem Bergführer Team zu entscheiden, ob eine Durchführung möglich ist. Ich ruf mich mit meinen Kollegen und Freunden Clemens und Heli zusammen und nachdem wir uns ausführlich besprochen haben ist für uns klar: mit defensivem Fahrverhalten und entsprechender (Gruppen)Disziplin steht einem lässigen Wochenende nichts im Weg. Die mediale Unruhe kommt in den Gebieten und vor allem bei entsprechender Fachkenntnis nicht zum Zug: entscheidend sind jetzt vielmehr perfekte Gebietskenntnisse, das Wissen um den lokalen Schneedeckenaufbau und dann die exakte Linienwahl mit den Gruppen.

Christian Obermayr, langjähriger Powderchase Teilnehmer:
Auf dem Weg zur Arbeit denke ich nochmal über das Wochenende nach. Trotz LWS 4 und teilweise auch 5, steht es für mich aber nicht zur Debatte, mein Powderchase Wochenende zu canceln. Denn mir ist klar – das Konzept geht auch dieses Mal auf. Weil Powderchase eben nicht einfach dorthin fährt, wo der meiste Schnee liegt, sondern dorthin, wo die besten Bedingungen herrschen. Darüber hinaus hab ich als Schneesportlehrer im DSLV einige Fortbildungen zum Thema Lawinenkunde hinter mir, weiß also schon auch auf was ich mich da einlasse. Und: ich weiß ich kann nicht nur dem Powderchase Team vertrauen, sondern auch den immer handverlesenen UIAGM zertifizierten Bergführern, die Teil des Powderchase Konzeptes sind. Im Gegenteil - ich bin jetzt eher neugierig zu welcher Entscheidung die Organisatoren gelangen!

Ricarda Schneegass, Powderchase
Als ich dann Testski und Lawinenrucksäcke ins Auto lade, während alle anderen mit besorgten und müden Gesichtern ihre Dächer und Ausfahrten freischaufeln stelle ich mir schon nochmal die Frage: „Was ist eigentlich verrückter? Bei diesem Schneefall losfahren oder daheimbleiben?“ Die Fahrt nach Zauchensee wird dann zur Expedition. Unzählige steckengebliebene LKW´s und Unfälle verlangsamen die Reisegeschwindigkeit ins unermessliche, trotzdem kommen wir irgendwann wohlbehalten an. Und verbringen dann eines der großartigsten Freeride-Wochenenden, die ich je erlebt habe. Und dies nicht eine Sekunde mit dem Gefühl, etwas Verrücktes oder über die „normalen Freeride Verhältnisse“ hinaus Unsicheres zu tun.

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Klaus Gruber, zertifizierter UIAGM Bergführer
Als es dann endlich losgeht, treffen wir uns mit den Teilnehmern und der Orga nochmal, um alle auf die Bedingungen und die nötige Disziplin einzuschwören, Was dann kommt lässt sich kaum in Worte fassen. Solche Tage sind nicht nur für die Powderchaser, sondern auch für uns Bergführer Highlights! Unglaubliche Verhältnisse – man könnte sie mit Japan oder Kanada vergleichen – erwarten uns. Im Sinn der Sicherheit bleiben wir unter der Waldgrenze und finden ca. 70 Zentimeter lockersten kalten Pulverschnee. Und das bei blauem Himmel. Wir gleiten durch den Tiefschnee und der kalte Powder staubt über unsere Köpfe hinweg. Die Bäume sind tief verschneit und stehen wie weiße Zelte in der Landschaft. Dank unserer perfekten Geländekenntnisse und der Disziplin der Teilnehmer erleben wir ein geniales Wochenende in den Radstädter Tauern, an welches ich noch gerne zurückdenke und mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert...

Christian Obermayr, langjähriger Powderchase Teilnehmer:
Als die Entscheidung Zauchensee fällt bin ich gespannt und freue mich auf die Tage, die vor mir liegen. Und es ist so wie ich es erwartet hatte: großartiger Powder im flachen, baumdurchsetztem Gelände. Und zwar ganz ohne „Panik“, ohne Unsicherheitsgefühl, sondern mit der puren Freude die man eben empfindet, wenn man einem ortskundigem Bergführer hinterherfährt und sich ganz auf‘s Fahren konzentrieren kann.

Ricarda Schneegass, Powderchase
Auf der Heimfahrt sieht die Welt wieder ganz anders aus. Die Sonne, sowie die moderaten Temperaturen waren fleißig: keine schneebedeckten Straßen mehr, einige der Schneemauern sind zumindest ein wenig in sich gesunken, die Menschen schauen auch schon zufriedener drein. Das bin ich auch - zufrieden. Zufrieden damit, vielen Powderchasern ein wundervolles und sicherlich unvergessliches Wochenende bereitet zu haben. Und zufrieden, dass mein Bauchgefühl mich nicht getrügt hat, als ich mich, trotz medialer Berichterstattung, entschied, das Wochenende stattfinden zu lassen. Denn Bauchgefühl ist vielmehr als bloß ein „Gefühl“ - es ist die Summe aller Erlebnisse und Erkenntnisse im Leben. Und davon hatte ich jetzt nochmal mehr!

Klaus Gruber, zertifizierter UIAGM Bergführer
Nachdem die Teilnehmer ihre Heimreise angetreten haben, sitzen wir noch ein wenig zusammen. Es ist gut und sicher gelaufen. Wir hatten disziplinierte Teilnehmer und konnten mit der richtigen Spur und Geländewahl trotz hoher Lawinenwarnstufe ein tolles Freeride Wochenende ermöglichen. Wir sind uns aber auch darüber im Klaren, dass das nicht „Glück“ oder „Zufall“ war. Es war eine realistische Einschätzung der Situation vor Ort. Und die „mediale Berichterstattung“ war in den kommenden Tagen nur auf unseren Instagram Kanälen mit reichlich Powdershots relevant.

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Christian Obermayr, langjähriger Powderchase Teilnehmer:
Im Nachgang gesehen habe ich persönlich von dem Wochenende nur profitiert. Die Unterschiedlichkeit in der Wahrnehmung war sehr lehrreich: Panikmache in den Medien einerseits, realistische Einschätzung der Lage durch unsere lokalen Bergführer andererseits. Es geht eben viel um Differenzierung. Und: es sind doch genau die schwierigen Situationen in denen man lernt, was es heißt, Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Pauschale Risikovermeidung ist einfach.

Es geht bei Powderchase nicht darum den meisten Schnee zu finden, sondern dorthin zu fahren, wo die besten Bedingungen herrschen. Entscheidend sind hierbei die Kenntnisse der lokalen Bergführer. Mit ihrer umfangreichen, staatlichen Ausbildung und jahrelanger bzw. jahrzehntelanger Erfahrung können die in ARD und RTL titulierten „Krisenherde“ zu einzigartigen Freeride Wochenenden führen!

Infobox

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// Ricarda Schneegass
Ricarda ist seit einigen Jahren das „Oberhaupt“ des Powderchase Teams. Außerdem arbeitet sie freiberuflich für verschiedene bergsportaffine Unternehmen und Verbände. Als Mutter von drei Kindern und mit ihrer Leidenschaft für alle Spielarten des Bergsports wird ihr nie langweilig.

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// Christian Obermayr
Christian Obermayr lebt und arbeitet in München. Seine Frau und seine zwei Töchter teilen seine Leidenschaft für’s Tiefschneefahren, haben aber akzeptiert, dass der Papa auch mal “Me-Time” braucht.

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// Klaus Gruber
Klaus ist leidenschaftlicher zertifizierter Bergführer. Aber auch in seiner Freizeit zieht es ihn raus in die Natur, zum Klettern, Freeriden oder einer ruhigen Skitour. Und wenn das Wetter mal richtig schlecht ist, dann designt er Tische, Möbel, Lampen usw. - aus Holz - in seiner Werkstatt.

Alle Infos & Termine zu den Powderchase-Terminen 2019/20 findet Ihr unter www.powderchase.com Schnell sein – es gibt nur noch wenige Plätze




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