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PROPER KIWI  ADVENTURE NEUSEELAND


Text: Jens Haeussler / Fotos: Cam Mackenzie & Todd Couper

27 Stages, 14.000 Tiefenmeter, 6500 Höhenmeter, Heli- und Bootshuttles, 3 Basecamps – das sind die Eckdaten der ersten Ausgabe der NZ MTB Rally. Das 6-tägige Enduro Rennen versprach „a proper kiwi adventure“ in der Region um Nelson, die für einige der besten Trails in Neuseeland bekannt ist und neben Queenstown und Rotorua zu den Lieblingsspots der Locals gehört. 120 Glückliche durften teilnehmen und wir waren mittendrin. 

Links- oder rechtsrum? Das waren die ersten Gedanken, als wir die E-Mail von Ali Jamison geöffnet hatten.  Zu unserer Überraschung stand dort, dass wir einen Startplatz bei der Premiere der NZ MTB Rally haben.

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Ali ist erfahrener MTB-Guide und Veranstalter von mehrtägigen Enduro Rennen in Europa. Seinen Traum aber hat er sich in Neuseeland erfüllt. Vom ersten Moment an war er begeistert von der Region rund um Nelson. Denn Neuseelands weltweit anerkanntes Wein- und Hopfenanbaugebiet hat auch mit die besten Trails des Inselstaates. Schnell war für ihn klar, dass er nicht nur die meiste Zeit des Jahres dort verbringen, sondern auch ein Enduro-Rennen der Extraklasse etablieren möchte.  Wie also fliegen wir nach Neuseeland – über die West-Route und Los Angeles oder die Ost-Route über Singapur? Schließlich fliegt man nicht so oft ans andere Ende der Welt. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten: Das war nur die erste von vielen Entscheidungen, die wir zu treffen hatten. Eigenes Bike oder vor Ort leihen, Full-Face oder Halbschale? Welche Reifen? Daybag oder Hipback? Und vor allem: Compete or complete? So, haben wir gelernt, ist die Herangehensweise der Kiwis. Die Entscheidungsfindung war hart. Insbesondere auch weil Ali uns die Rally und Trails als herausfordernd, oft abgelegen und wild beschrieben hat. Klar wird da das Teufelchen in uns geweckt. Letztlich haben wir uns aber meist an das Motto „better safe than sorry“ gehalten – und sind damit gut gefahren.

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Neben der Routenwahl war schnell klar, wir wollen mit einem Euro-Bike mit möglichst vielen heimischen Komponenten racen. Unsere Wahl fiel auf ein Alutech Fanes mit Komponenten von SQlab, Formula, DTSwiss, Newmen, Bikeyoke, Fizik, Continental und als Highlight ein Vorbau von Rulezman. Damit wollen wir den Kiwis zeigen, dass auch aus Europa schnelle, schluckfreudige und trotzdem effiziente Bikes kommen. Auch Holger von Evoc war begeistert von der Idee. Bei einem zufälligen Treffen hat er uns sofort Bikebag, Daybag und ein Prototyp der neuesten Protektorenweste mitgegeben.

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Perfekt ausgerüstet sind wir dann Anfang März im ersten Basecamps eingetroffen. Das Material stimmte, aber waren auch wir bereit? Passt die Form nach dem langen Winter? Wie zornig sind die Trails? Wie sind die anderen drauf? Überschäumende Vorfreude, gepaart mit nervenzehrender Nervosität. 6-Tage lang Spaß haben, sein Bestes geben, racen. Aber auch nicht überziehen. Ali hat uns mitgegeben, besonders am ersten Tag nicht gleich ans Limit zu gehen. Das sei der Tag mit den heftigsten Crashes, schließlich werden alle Etappen blind gefahren. Leichter gesagt als getan. Wir bekommen gleich das volle Programm: es geht in den Wairoa Gorge Bike Park. Nicht nur, dass der Park ursprünglich von einem Bike-verrückten Milliardär für sein Privatvergnügen angelegt und erst kürzlich für die Local Community geöffnet wurde. Sondern auch, weil uns direkt technische und lange Trails mit steilen Rinnen und staubigen Kurven erwarteten, die uns sofort gezeigt haben, schlau mit unseren Kräften hauszuhalten. Den Racing Spirit haben wir natürlich im Blut, aber gegen fitte Locals anzutreten, die einen langen Sommer in den Beinen haben, hat uns schnell die Grenzen unserer Fitness aufgezeigt. Auf der letzten, schnellen und exponierten Stage sind wir dann doch recht kraft- und saftlos über eine wackelige Hängebrücke ins Ziel gerollt. Gut, dass Ali und sein Team im Ziel ein Barbecue aufgebaut hatten: Burger, lokales Craft Bier und der Austausch mit den anderen haben uns die Anstrengungen schnell vergessen lassen. Racing Kiwi Style – so haben wir uns das vorgestellt!

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An Tag zwei dann das Kontrastprogramm, nicht weniger anstrengend: steile Uphills, flowige Stages, endlos, natürliche Anlieger. Wer hier schnell sein will, muss aus jeder Kurve heraus antreten. Warum, fragen wir uns nach dem 20. Anlieger und mit dicken Oberschenkeln, denn die Ausblicke und Urwälder sind mindestens genauso überwältigend wie die Trails. Trotzdem war Aufmerksamkeit gefordert: die Bäume stehen hier nur eine Handbreit von der Ideallinie und warten geradezu darauf, Fahrfehler direkt zu bestrafen. Highlight war die Liason-Stage durch den Nationalpark, deren Befahrung ausschließlich für das Race erlaubt wurde. Ein atemberaubender Backcountry-Trail, der auch für die Locals so schnell nicht mehr fahrbar sein wird. Das Ziel dann direkt am Meer – natürlich sind wir direkt zur Abkühlung ins Wasser.

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Am dritten Tag ging es früh raus – „no sleep for the week when in NZ“. Ziel waren die Trails im Cable Bay Adventure Park. Genau auf der anderen Seite der Bucht. Deshalb gab es Frühstück auf einem 1,5h Bootstrip, Sonnenaufgang über dem Meer inklusive. Unsere Körper beginnen zu schmerzen, aber wir fühlen uns großartig. Genau richtig für die Trails im Park, auf denen zuletzt die neuseeländischen Enduro-Meisterschaften ausgetragen wurden. Zurecht, wie wir nach einem weiteren Tag abwechslungsreicher Trails bestätigen können. Verzückt reiben wir uns die Augen: kann es überhaupt noch besser werden?

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Ja, es kann. Schließlich sind wir in Neuseeland, Heimat einiger der besten Biker dieses Planeten. Tag 4 beginnt mit einem selten gehörten Geräusch: Flap, flap, flap. Zwei Helis stehen bereit, um uns auf den Coppermine Saddle ins Hinterland zu fliegen und auf einem Handtuch-großen Landeplatz in den Bergwäldern auszusetzen. Adrenalin-Kicks schon vor dem ersten Downhill. Und der hatte es in sich: 9km hochalpiner Singletrail. Das kennen wir - nur nicht so gut! Wir geben Vollgas von der ersten Sekunde an, auch wenn es noch früh am Tag ist. Und ja, mit dem 6. Platz auf der Stage endlich auch ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Unvermeidlich dann die Konsequenz: quälen wir uns nochmals die steilen Forstwege hoch, um auf dem langen Kurs zu bleiben? Denn das Rennen war so angelegt, dass es jeden Tag optionale Zusatzstages gab. Natürlich waren das meist die herausforderndsten, aber gleichzeitig auch schönsten Stages. Schon wieder also so eine „entweder-oder“-Frage. Die Teilnehmenden können jeden Tag von neuem entscheiden, wie viele Stages sie fahren. Um aber in der Wertung für den langen Kurs zu bleiben, müssen alle gefahren werden. Streichresultate gibt es nicht. Und an Tag 4 hat ca. die Hälfte schon mindestens eine Etappe ausgelassen. Was ist also dabei, wenn auch wir unserem Körper eine bisschen Erholung gönnen? Wir treten trotzdem hoch, bleiben auf dem langen Kurs, können uns vor Begeisterung wieder mal nicht zurückhalten und brüllen unsere Freude laut in den Wald!

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Tag 5 beginnt mit einem weiteren Heli Shuttle in die Wakamari Range, endlosen Wurzeltrails im grünen, Eichenlaub-bedeckten Urwald, Haus große Farne überall. Ist das ein Traum? Natürlich nicht. Wir ballern weiter und sind eins mit uns, dem Bike und den Trails. Und wieder das Highlight am Ende: der ursprünglich als Queen Stage speziell für das EWS Race neu angelegte Trail. Die Pros konnten aufgrund der Covid-19 bedingten Absage nicht fahren, wir aber kamen in den vollen Genuss eines wahrlich Queen Stage würdigen Trails – wir können und müssen all unsere fahrtechnischen Skills abrufen und springen auch das finale Gap ins vollkommene Glück. Ein weiterer knallharter Tag, und im Ziel roch es nach verbrannten Bremsbelägen.

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Bleibt das bittersüße Finale auf den Trails rund um Nelson… die Beine waren müde, und wir mussten uns ausruhen. Aber trotzdem war es schwer vorstellbar, nach einer Woche eat-sleep-ride-repeat zu unserem normalen Leben zurückzukehren. Gut, dass wir nochmals ein best-of der vergangenen Tage unter die Stollenreifen bekommen. Mit fettem Grinsen pumpen wir uns über alle Wurzelteppiche, driften in staubige Spitzkehren, fahren Baumstammslalom und fliegen über die Steinfelder – und werden in der Heckle Zone von lauten Vuvuzelas ein letztes Mal nach vorne gepusht. So wie auch der Sieger Matthew Fairbrother, der für uns Unglaubliches vollbracht hat, da er auf alle Shuttles verzichtet hat und trotzdem der Schnellste im Downhill Race war. Danach gab es kein Halten mehr und mit einem wilden Party-Abend fand die NZ MTB Rally ihr würdiges Ende. 

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Zurück in Deutschland können wir immer noch nicht ganz fassen, was in der letzten Woche abging: überragende Trails, unglaubliche Stimmung unter den Teilnehmenden, perfekte Organisation, leckeres Essen, ein Land zum Verlieben – die Region rund um Nelson und das Orga-Team haben sich von der besten Seite gezeigt. Die Impressionen und Erlebnisse werden wir noch unseren Enkeln erzählen. Oder besser: Wir schicken sie schnellstmöglich nach Neuseeland!

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INFOBOX

ANREISE
• Von München aus bspw. mit Lufthansa über Singapore und Auckland nach Nelson.
Bike-Mitnahme am besten direkt mit der Airline klären (nicht über Buchungsportale).

UNTERKUNFT IN NELSON:
• YHA Hostel, www.yha.co.nz - 59 Rutherford Street
• The Prince Albert, www.theprincealbert.co.nz - 113 Nile Street

ESSEN 
• Hawker House, www.hawkerhouse.co.nz - 296 Trafalgar Street
• Kimchi&Wasabi - 157 Trafalgar Street 

BIKEGUIDE UND SHUTTLE
• Gravity Nelson, www.gravitynelson.co.nz - 140 Bridge Street
• Helicopters Nelson, www.helicoptersnelson.co.nz - 8 Dakota Street
• Scottish Express, scottish-express.nz - 168 Cleveland Terrace
• NZ MTB Rally, www.nzmtbrally.com




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