Bergstolz Issue No. 135

allzu langer Zeit unter dickerem Gletschereis verborgen lagen. Der Mont Blanc ist ständig präsent, mit seinen gewaltigen Gletscherabbrüchen. Und er ist ständig in Bewegung, hier auf der italienischen Seite bewegt sich der Gletscher bis zu einem halben Meter pro Tag, weiß Ace zu berichten. Das sind im Jahr gute 200 Meter. Der Klimawandel lässt grüßen. Bis zum Rifugio Elisabetta pedalieren wir entspannt auf der Forststraße, dann biegen wir nach links in einen Trail ab. Ab hier wird es technischer. Das Gelände öffnet sich, ähnelt einer Mondlandschaft, immer noch ist Schnee ein treuer Begleiter, steile Rampen wechseln sich mit verblockten Passagen ab. Der Turbo-Modus hilft – und einmal mehr bin ich froh, dass wir entschieden haben, diese Tour auf dem E-Bike zu machen. Aber heute passt das Timing nicht ganz, die Sonne hat den Frost auf dem Trail schon geschmolzen, schmierig wie Erdnussbutter sind die letzten Höhenmeter zum Col de la Seigne (2.512 m) Hier ist die Grenze nach Frankreich. Wir sind glücklich unseren heutigen großen Übergang geschafft zu haben. Was nun folgt, ist ein Trail-Highway vom Feinsten: Highspeed, einige Jumps, schnelle Kurven, endlose Weite, keine Menschenseele. Nur wir und unsere Bikes. Ein absoluter Traum. Und wenn Andrea und Ace nicht plötzlich dazwischengefunkt hätten, um einen Fotostopp einzuberufen, wären Bubba und ich wohl erst unten im Tal wieder stehen geblieben – mit dem breitesten Grinsen im Gesicht. Egal, auch mit Fotografieren, haben wir jede Menge Spaß auf den Bikes. Nächster Stopp: Cormet de Roselend. Mit Blick auf den idyllischen See tanken wir Energie – nicht nur körperlich, sondern auch elektrisch. Denn die morgige Etappe hat es in sich: Mit dem Col de la Bonhomme und dem Col de Voza stehen zwei alpine Übergänge auf dem Menü, die es in sich haben. Ace macht sich Sorgen, ob sein Akku das mitmacht, er hat nur einen 625er aber dafür den größten Rucksack. Für den blödesten Fall nehmen wir ein Abschleppseil mit. Und tatsächlich, beim zweiten Anstieg ist der Saft leer, wir schleppen ihn abwechselnd die letzten Höhenmeter hinauf zum Col de Voza. Hier wo die historische Zahnradbahn, die Bergsteiger zum Fuße des Mont Blanc bringt ist auch Ausgangspunkt für viele gute Abfahrten. Und wir belohnen uns heute mit den Trails von Les Houches. Hier gibt es einen schönen Bikepark der wirklich viele Trailoptionen bietet. Für jeden ist etwas dabei, Natur, Steeps, Jumps, Flow. Wir wählen die blaue Variante, aber selbst die hat es – typisch französisch – ganz schön in sich: einige Steilkurven gefolgt von ein paar kleinen Jumps, und schon geht es im Wald weiter, enge Kurven wechseln mit Steilstücken und ein paar Wurzelteppichen. Immer wieder warten Überraschungen. Enduro pur. So wie wir es mögen, Massimo grinst, obwohl wir alle schon einige Höhenmeter in den Beinen haben und die Batterien fast leer sind. Also zumindest bei uns. Unten angekommen rollen wir noch ein paar Kilometer auf dem Radweg direkt in die Wiege des modernen Alpinismus. Chamonix pulsiert – voller OutdoorEnthusiasten aus aller Welt. Alle namhaften Outdoor-Hersteller haben hier im Ortszentrum eine Dependance. Wir rollen durch die Fußgängerzone und lassen den Trubel auf uns wirken, nach einer Weile wandert unser Blick aber doch nach oben. Denn dort thront er, der Mont Blanc, diesmal zu sehen von der imposanten Nordseite, zusammen mit der Aiguille du Midi strahlt er im letzten Abendlicht. Auf die letzte Etappe starten wir früh, das Wetter soll nachmittags wieder kippen. Von Chamonix rollen wir erst nach Argentière und dann weiter nach Le Tour. Flowige Waldwege entlang des Flusses Arve versüßen uns die Anreise. Hier angekommen, müssen wir improvisieren, denn im Sommer würde hier die Gondel fahren 25 TOUR DE MONT BLANC

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