18 KASACHSTAN / MANGYSTAU Bergstolz Ski & Bike Magazin • 04/2026 Unser erstes Nachtlager hier liegt auf einem Hochplateau, von dem wir auf schmalem Grat zu einer Aussichtskanzel mit atemberaubendem Blick auf die Drachenzähne rollen. Ähnlich schick ist die Aussicht direkt aus dem Zelt. Die gesamte Gruppe ist sich einig: schöner haben wir noch nie gecampt. Am nächsten Morgen fahren wir in einem weiten Bogen hinab auf den Grund des Tethys-Ozeans, aus dem die Drachenzähne ragen. Dass wir uns tatsächlich auf dem Grund eines Meeres befinden, bestätigt auch der Höhenmesser: minus 80 Meter über Normalnull. Vergleichsweise leicht fällt es in solchen Höhen, das Bike auf die Schulter zu nehmen und mal 200, 300 Meter hochzuspuren. Anders als der Bokty scheinen die Drachenzähne jedoch aus anderem Holz geschnitzt. Der Hang ist übersät von fliesenartigen Platten, auf denen man besser keine Vollbremsung hinlegt. Geschwindigkeits-Management ist hier kein leichtes, aber oberstes Gebot. Während Tobi vom Sattel zwischen den Zähnen starten will, kraxelt Texi noch ein paar Höhenmeter weiter. Sein Ziel ist stets der höchstmögliche Startpunkt, selbst wenn ihm dann nur ein meterbreiter Grat zwischen senkrechten Abgründen bleibt. Wieder geht alles gut, wenn auch bedeutend schneller als am Bokty. Zum Ende der Abfahrt bleibt nur die Straightline und die Hoffnung, dass man es unten in der Fläche schon wieder einbremst. Ihre Mischung aus Freudenschrei und Erleichterung müsste man noch in Aqtau gehört haben. Acht Tage ziehen wir letztlich durch die Wüste und bekommen den Mund nur selten zu. Fernab von Menschen und Mobilfunk finden Tobi Woggon und Christian »Texi« Textor dutzende fahrbare Linien von Bergen, auf denen noch nie ein Mensch, geschweige denn ein Mountainbiker gestanden hat. Und auch das Drumherum hat es uns angetan, allen voran die Campingnächte bei völliger Stille unter einem phänomenalen Sternenhimmel. Neben einmaligen Natureindrücken hat uns aber auch die immense Gastfreundschaft der Kasachen berührt, die sich besonders im Wesen unseres Koches manifestierte, den alle aufgrund seiner Leibesfülle immer liebevoll »Shrek« nannten. »Қонақ келсе, құт келеді« war sein Credo. Wenn ein Gast kommt, kommt das Glück.
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