Baad
Widderstein
2533 m
Piz Buin
3180 m
Piz Dimmz
3033 m
Kaltenberg
2896 m
Piz Sesvenna
3204 m
Bielerspitze
2545 m
Schlining
FLAT SUCKS
BECAUSE
STOKER?
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Morgenstimmung liefen wir über den Silvretta Stausee und Ochsental in Richtung ewiges Eis. Da wir am Vortag
unsere Route hatten ändern müssen und es nicht bis zur Wiesbadener Hütte geschafft hatten, entschieden wir
uns einen Extratag einzubauen, um die Dreiländerspitze zu besteigen. Hier treffen Tirol, Voralberg und das
Engadin aufeinander, und vom Gipfel bieten sich zu allen Seiten herrliche Aussichten. Zurück auf der
Sonnenterrasse der Wiesbadener Hütte erholten wir uns erst einmal von den Strapazen der ersten drei Tage und
trockneten unsere Sachen. Die fehlenden Abfahrtshöhenmeter der letzten Etappen und der frische Pulverschnee
ließen Felix, Martin und mich am Nachmittag nochmals losziehen, diesmal nur mit dem Nötigsten im Rucksack –
was für ein Unterschied! Uns hatte es die Abfahrt vom Ochsentaler Gletscher angetan. Ein Tourengeher nach dem
anderen zöpfelte sich den frisch verschneiten Gletscher hinunter, jeder im Ultra-Kurzschwung. Wir wollten ein
Zeichen setzen und entschieden uns nach zweistündigem Aufstieg den Hang im Straightline-Modus runterzuflie-
gen; was für ein Spaß und was für eine Gegensatz zu den übrigen Spuren. Die gewünschte heftige Diskussion auf
der mittlerweile übervoll en Sonnenterrasse blieb jedoch nicht aus.
Der folgende Tag begann für uns mit Stirnlampen ausgerüstet in völliger Dunkelheit. Um der großen Masse aus
dem Weg zu gehen und den majestätischen Piz Buin bei Sonnenaufgang zu besteigen, liefen wir bereits um vier
Uhr los. Es gibt wohl kaum eine mystischere Stimmung, als der Moment, wenn die ersten weißen Gipfel vom röt-
lichen Morgenlicht erfasst werden. Vom Skidepot oberhalb der Buinlücke sind es nur noch wenig Höhenmeter
leichte Kletterei bis zum Gipfel des Buin (3312 m). Ins Engadin gelangt man entweder über das sehr steile Buin
Couloir oder über die Fuorcla dal Cunfin und die Plan Rai. Die Gruppe teilte sich hier. Der Einstieg ins Couloir
erwies sich als äußerst schwierig, denn trotz der frühen Stunden war der obere Teil bereits tief aufgesulzt, so dass
die ersten Schwungversuche in hüfttiefem Schnee endeten. Also Geschwindigkeit aufnehmen und durchpowern!
Verhängnisvoll, denn nach wenigen Metern erreichte man den noch schattigen Teil, und dort war der Schnee
knallhart und von Rutschlawinen des Vortages alles andere als angenehm. Blitzschnell nahm man Fahrt auf und
flog über die großen Eiskugeln, immer leicht in Rücklage aufgrund des schweren Rucksacks. Bei der wunderschön
renovierten Chamanna Tuoi trafen wir auf den Rest der Gruppe, zurückblickend auf die Gipfel der Silvretta Gruppe.
Der restliche Teil der Abfahrt nach Guarda ist stark abhängig von den Schneeverhältnissen. Aufgrund der
Südexposition sind die unteren Hänge meist früh aper, dies erfordert eine intelligente Routenwahl, um möglichst
wenig Höhenmeter zu Fuß zurücklegen zu müssen. Dennoch, die wärmende Sonne und die urigen Dörfer des
Unterengadins sind immer wieder ein ganz spezielles Erlebnis.
Der Rest der Tour verlief leider nicht wie geplant. Die Idee war am folgenden Tag von Scuol hinein in den
Nationalpark zum Winterraum der Chamanna Lischana zu laufen. Schließlich entschieden wir uns aufgrund der
akuten Lawinensituation aber dagegen. Zu exponiert ist der Aufstieg zur Hütte. Weiter wäre die Tour über den
Schlining Pass nach Italien gegangen mit Schlining als Zielort. Alternativ versuchten wir durch das einmalige Val
d’Uina und den Craist’Ota die Tour zu beenden. Leider waren die Hänge von der Uina Dadaint an alle aper und
im oberen Teil zu sonnenexponiert und daher zu gefährlich. Nach langer Diskussion entschieden wir uns schwe-
ren Herzens nach Scuol zurückzukehren und unser Vorhaben Italien per Ski zu erreichen aufzugeben. Einerseits
niedergeschlagen, andererseits erfüllt von erlebnisreichen Tagen gönnten wir uns ein reinigendes und wohltuen-
des Bad im Scuoler Kurbad.
Fazit: Eine Ski-Transalp verlangt eine solide Grundkondition und ist definitiv nicht abfahrtsorientiert. Es müssen
etliche Kilometer überwunden werden, unter Umständen bei misslichen Verhältnissen. Das Team sollte deshalb
so homogen wie möglich sein. Neben der Ausrüstung bedarf es zumindest einer Person, die über sehr gute alpi-
ne Erfahrung verfügt und die richtigen Entscheidungen trifft. Daher ist es noch besser, die Tour mit einem
Bergführer durchziehen. Die Faszination aus eigener Kraft die Alpen zu durqueren und dabei durch mehrere
Länder zu laufen ist auf jeden Fall ein ganz spezielles und einmaliges Erlebnis.
Fotos: Sven Bethke & Felix Hempel Text: Sven Bethke