Bergstolz Issue No. 45 - page 35

Foto: John Nonac
Foto: John Nonac
WARTH | SCHRÖCKEN
BERGSTOLZ Ski Magazin Januar 2014 | Seite 35
Schröcken und Warth, beides Walsergemeinden sind durch den Hochtannberg verbunden
und umrahmt vom hinteren Bregenzer Wald und dem Arlberg. Normalerweise interessiere
ich mich nur begrenzt dafür, warum ein Ort wo gelegen ist, aber in diesem Fall weiß ich,
dass die Lage vom Skigebiet Warth-Schröcken ganz entscheidend für mein Leben war und
noch immer ist. Ich bin ganz einfach mit sehr viel Schnee aufgewachsen. Die klassische
Nordstaulage hat uns Winter für Winter mit jeder Menge Powder versorgt. Das
Geländefahren, heute trendig Freeriden genannt, war mir somit eigentlich schon in die
Wiege gelegt. Was wir damals als selbstverständlich hingenommen haben ist heute von
verschiedenen Seiten recherchiert und bestätigt worden: Warth-Schröcken ist das schnee-
reichste Skigebiet der Alpen! Das hat vor einigen Jahren ein Journalist der englischen
Tageszeitung „Daily Mail“ bei einem Vergleich herausgefunden. Eine Zahl hat er gleich
mitgeliefert: In den letzten 25 Jahren fielen in Warth-Schröcken, genauer gesagt an der
Messstelle am Körbersee, durchschnittlich elf Meter Schnee pro Saison. Unfassbar eigent-
lich. Aber der viele Schnee und das Skifahren gehören bei uns einfach zum Alltag und jeder
hat irgendwie damit zu tun.
Meiner Meinung nach ist das Skigebiet Warth-Schröcken ideal für Freerider, die gerne Powder fah-
ren und schön abwechslungsreiche Geländefeatures mögen. Für mich ist es einfach mein
Homespot, an den ich immer wieder gerne zurück komme, obwohl ich als Freeride-Pro bei meinen
Filmprojekten und in den letzten Jahren unter anderem auch als Judge bei der Freeride World Tour
in der ganzen Welt unterwegs bin. Der Ort hat eine sympathische und teilweise etwas verrückte
Begeisterung für das Skifahren. Und das bekommt jeder Skibegeisterte sofort mit, wenn er die
Locals trifft und kennenlernt. Ich kann empfehlen, am ersten Abend bei Jürgen im Holzschopf vor-
beizuschauen, die Spare Rips zu probieren und an der Bar übers die aktuellen Bedingungen oder
besten Runs zu reden. Ist schon eine Weile her, dass ich hier meine ersten Gigs gespielt und
anschliessend spontane Touren-Pläne für den nächsten Tag geschmiedet habe. Bis heute ist der
Holzschopf für mich ein Pflichtstopp, wenn ich daheim bin, um Freunde und Familie zu besuchen
und natürlich meine Lieblingsruns mal wieder zu fahren.
Das Skigebiet Warth-Schröcken liegt zwischen 1.500 und 2.050 Metern Höhe. Das sind zwar auf
den ersten Blick nur recht kurze Runs, dafür bieten sie den Vorteil, dass man direkt von der
Bergstation ohne Hiken starten kann. Ich mag vor allem die vielen Lines zwischen der Jägeralpbahn
und dem Saloberjet. Dieser nordseitige und recht windgeschützte Bereich hat meistens den besten
Schnee und man findet auch Tage nach dem letzten Schneefall noch versteckte Lines. Außerdem
mag ich das verspielte Gelände mit vielen Kuppen, kleinen Rinnen und verschiedenen Cliffs, die
man dropen kann. Bei den Lines unter der Jägeralpbahn hat man zum Beispiel auch den großen
Vorteil, dass man seine Line vom Lift aus schon genau inspizieren kann und dann schon weiß, was
einen erwartet oder wo man aufpassen muss. Gute Erinnerungen habe ich auch an das Auenfeld,
wo ich mit meinem Freeride-Buddy Alois Bickel ausWarth schon das eine oder andere Fotoshooting
gemacht habe.Wenn die Bedingungen passen, starte ich den Tag gerne dort. ImAuenfeld ist schon
morgens die Sonne auf den Hängen und bei einem kurzen Hike Richtung Auenfelder Horn kommt
man auf Betriebstemperatur. Wenn man vom Saloberkopf Richtung Süden bis knapp unter die
Felsen aufsteigt, kann man anschließend weiter queren und eröffnet dann zahlreiche Varianten
vorbei an teilweise bizarren Felsformationen durch die Mulde bis ins Auenfeld. Je weiter man quert,
desto interessanter und abgeschiedener wird die Landschaft.
Foto: Alex Kaiser
Foto: TVB Warth-Schröcken
Foto: Alex Kaiser
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