Bergstolz Issue No. 45 - page 32

„Von Rot-Blau über Felsen zum PC“
Als Kind verbrachte Sophia die Wintermonate mit ihrer Mama
auf einer Hütte in den Wäldern des Penningbergs in
Hopfgarten. Da sie kein Auto hatten, bewegten sie sich wie in
uralter Zeit mit Ski fort. „Eigentlich machte es mir immer
mehr Spaß, über Stock und Stein durch die Wälder zu fahren,
jedoch war es damals einfach nicht so üblich“. „Das Kind
muss in den Skiclub“ - die Zeit „Rot-Blau“ war mehr Stress,
als Vergnügen. Sophia war in der Schule in Innsbruck und
Mama fuhr sie täglich nach Hopfgarten zum Training. „Ich
wollte dies so.“ Und sie wurde von Jahr zu Jahr besser, kam
in den TSV-Schülerkader und schaffte den Sprung in das
Skigymnasium Stams. „Die Zeit in Stams war die Zeit, in der
ich von Jahr zu Jahr lieber in die Schule ging, als zum
Training.“ Mit 16 hatte sie ihre erfolgreichste Saison. „Ich war
im Riesentorlauf in der FIS Rangliste in meinem Jahrgang
weltweit an 2. Stelle und im Slalom an 4. Stelle. Wurde öster-
reichische Vize-Meisterin im Riesentorlauf, doch ein abge-
brochener Cooper Test verwehrte mir, zurückblickend „zum
Glück“, den Aufstieg in den ÖSV Nachwuchskader.“ Die
Begründungen waren für Sophia fadenscheinig und lächer-
lich und sie wollte aus Zorn nie mehr wieder auf Schnee
gehen. Nach ihrer Matura arbeitete sie erst mal als
Animateurin in der Türkei und in Griechenland. „Die Frage,
was ich imWinter machen soll, bewegte mich, den Skilehrer-
Anwärter zu machen.“ Plötzlich war sie dort Kursbeste mit
nur Einsen und wurde aufgefordert, den Landeslehrer zu
machen. Inspiriert von ihren Ausbildnern Joe Astner und
Markus Kogler und deren Art, im freien Skigelände zu fahren
, wollte sie auch so fahren und begann zu üben und ihren stei-
fen Rennlaufstil aufzugeben. „Sobald der Unterricht vorbei
war, fuhr ich mit meinen Freunden nochmals ganz auf den
Gipfel hoch. Übte dort die Buckelpiste am Südhang, das
Springen über Wechten und Lawinenverbauungen.“
Schließlich rief der Arlberg. „Ich gab Hopfgarten schwermü-
tig auf und begann in der Skischule in Zürs.“ Auch dort war
das Hauptziel zuerst einmal unterrichten und dann so schnell
wie möglich die letzte Trittkopfgondel zu erwischen, um noch
auf den Trittkopf zu stapfen. Sie schlug ihremSkischulleiter in
Zürs vor, die beste Gruppe der Jugendlichen „Young and Wild“
zu nennen. „Und so machten wir gemeinsam auch untertags
die Wedelspuren der Snobs in Lech/Zürs zu Nichte, indemwir
provokativ fette Freerideturns darüber legten“.
Den Sommer verbrachte Sophia in Neuseeland. Dort nahm
sie spontan an einem Freeride Contest in Treble Cone teil.
Wurde 2. und bekam eine Wildcard für den FWQ 3*** Contest,
ebenfalls in Treble Cone. Dort wurde sie 4 - hinter DER
Lorraine Huber. „Ich konnte es nicht glauben und gab das
Skilehrern von einem Tag auf den anderen auf und fuhr alle
Contests in Neuseeland.“ Am Ende der Saison war sie in der
weltweiten Seeding List an 4. Stelle. „Ich meldete mich für die
Contests in Europa an und wurde bei allen angenommen.“
Jedoch folgte eine schlechte Saison, mit Stürzen bei jedem
einzelnen Contest. „Ich war frustriert. Die Skischule in Zürs
wollte mir nicht mehr frei geben. Meine Freeride Kollegin und
Ex-Trainingspartnerin Nadine Wallner fuhr zu den Contests
und ich musste in der Skischule bleiben und unterrichten.“
Sophia rutschte im Ranking von Platz 4 auf 16, war in der fol-
genden Saison von Verletzungen und Krankheit geplagt und
begann deshalb zu studieren.
Einer Ihrer besten Freunde – Markus Löffler – wollte eine
Freeride Tour in Österreich organisieren: Ähnlich wie in
Neuseeland, wo man sich auch einfach für die größeren
Contest qualifizieren konnte. “Die Idee begeisterte mich
sofort und von einem Zwiespalt geplagt, entschied ich mich,
ihm zu helfen.“ Ihre Aufgaben wuchsen, sie begann zu jud-
gen, zu organisieren, zu telefonieren, zu mailen und irgend-
wann dafür zu leben. „Meine Gedanken drehen sich den gan-
zen Winter und den halben Sommer nur um Open Faces:
Welche Philosophie wir verfolgen sollen, wie wir gewisse
Sachen verbessern und ändern können.“ Ihre Kollegen woll-
ten Ihre Email-Adresse schon auf iloveriders@open-
faces.com umbenennen. „Ich geb so viel Gas, weil ich es mir
damals gewünscht hätte, einen Ansprechpartner zu haben.
Planlos fuhr ich zu meinem ersten Contest (FWQ**** und
FWT (für die Damen) La Clusaz), und hätte mich Flo Orley
nicht zu sich aufgenommen, wäre ich wahrscheinlich im Auto
erfroren.“ Es zerreißt ihr oft das Herz, die Startnummer bei
der Akkreditierung übergeben zu müssen und nicht selbst
anziehen zu dürfen. „Ich vermisse dieses Kribbeln im Bauch,
diese Anspannung und die anschließende Erleichterung und
grenzenlose Freude über einen gelungenen Run. Ein gelun-
gener Contest ist zwar auch ganz schön, aber irgendwo
schlummert der Ehrgeiz nach mehr.“
Portrait: Maria Knoll
Action: oben – Martin Messmer
unten – Maria Knoll
Seite 32 | BERGSTOLZ Ski Magazin Januar 2014
RIDERPROFILE
RIDER PROFILE
Alter:
27
Wohnort: Innsbruck
Ausbildung: Ausbildnerin beim Tiroler Skilehrerverband
als Staatlich Geprüfte Skilehrerin
Studium: Lehramt (Sport & Deutsch), Bachelor
Psychologie und Bachelor Gesundheits- und
Leistungssport
Aktivitäten: Organisation und Riders Communication bei
OPEN FACES
Erfolge:
FWQ*** Mt Ruahepu
2. Platz
FWQ*** Treble Cone 4. Platz
FWQ** Chill Series 2. Platz
Black Diamont Big Mountain 1. Platz
Silvretta Montafon Freeride Festival 2. Platz
St. Anton Freeride Festival 2. Platz
SOPHIA
MITTEREGGER
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