Seite 18 | BERGSTOLZ Bike Magazin Mai 2015
ENDURO
Nair shuttlen. Von dort strampelten wir zur Bergstation des Sesselliftes Trais Fluors.
Schon von unten war ersichtlich, dass es sich bei den knapp 400 Höhenmetern um
verdammt steile Schotterrampen handelt, die es zu bezwingen gilt. Aber die ganze
Anstrengung lohnt sich definitiv: Vor uns lagen nun über 1500 Höhenmeter feinster
Trailabfahrten, die perfekt in die Landschaft geshapet wurden. Hier wussten die
Experten definitiv, was sie machen: nie langweilig, manchmal technisch, aber den-
noch immer flowig führte uns der Singletrail bis hinunter nach Bever. Großartig! Auf
Radwegen rollten wir zurück nach Celerina. Und in der Herberge glänzten wir mit
zufriedenen Gesichtern.
Den fünften Tag nutzten wir nochmals die Vorzüge unseres Tickets und ließen uns bis
zur Bergstation des Piz Nair gondeln. Die 800 Tiefenmeter durch das malerische Val
Suvretta waren der perfekte Start in unsere vorletzte Etappe: hochalpine Trails inmit-
ten der imposanten Bergwelt von St. Moritz gekrönt vom Fopetta Flow Trail. Der führ-
te uns über Northshore-Elemente bis hinunter nach Champfer. „Das Beste zum
Schluss“ – dieses Motto galt an diesem Tag nicht. Denn nun kam der eher fade Teil:
15 Kilometer galt es fast eben entlang des Maloja-Sees bis hin zum Maloja-Pass zu
treten. Manch ein Autofahrer hatte Probleme uns auf der kurvigen Seestraße zu über-
holen, da wir mit unseren Enduro-Bikes im Belgischen Kreisel für Aufsehen sorgten.
Den Maloja-Pass mussten wir – leider – auf Asphalt abfahren, wurden aber ab
Casaccia wieder mit feinen Trails belohnt, die wir bis hinunter nach Chiavenna folg-
ten. Wieder in Italien ging unser erster Weg auf die Piazza zu einem Cappuccino.
Beschwingt vom großartigen Tag und das Ziel – den Comer See – quasi in Blickweite,
reihten sich schnell auch andere Getränke an, die das Aufstehen am nächsten
Morgen durchaus beschwerlich machten.
Der sechste und letzte Tag sah auf der Karte eher langweilig – weil relativ eben – aus.
Ein kleiner Abstecher erhöhte ihn aber zu einem absoluten Highlight. Denn nach
knapp 20 Kilometern auf Radwegen bogen wir im Dörfchen Verceia am Lago di
Mezzola ab, folgten einer kleinen asphaltierten Bergstraße, die uns in schier endlo-
sen Serpentinen bis an eine verlassene Bahntrasse führte. Mit einem sensationellen
Ausblick auf den Lago di Mezzola und den Lago di Como folgten wir der Bahntrasse
durch mehrere Tunnel und Galerien. Wegen eines Steinschlags konnten wir auf die-
ser Straße nach etwa acht Kilometern nicht mehr weiterfahren.
Das eigentliche Highlight, der Downhill hinunter nach Verceia, wartete aber noch auf
uns. Direkt neben der Bergstraße, auf der wir nach oben gefahren sind, wurden wir
noch einmal bis aufs Äußerste gefordert. Steile Felsstufen, enge Spitzkehren und ver-
blockte Steinfelder fordert ihren Tribut bei Mensch und Material. Diese 800
Tiefenmeter waren das perfekte Finale für eine ungewöhnliche Transalp. Vollkommen
ausgelaugt gelangten wir an den Comer See. Traditionsgemäß ließen wir uns dort in
kompletter Bikemontur in selbigen fallen. Ein erfrischendes und großartiges Erlebnis
– wie die gesamte Tour.




