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Seite 52 | BERGSTOLZ Ski Magazin DEZEMBER 2017

RIDERPROFILE

3lter:

33

Homespot:

Samoens

Beruf:

Snowboard Profi

Sponsoren:

Swatch, Alpina, Sosh, Peugeot, Buff, Blue Tomato, Deuter,

Natura Brazil, Racer Gloves, Salomon

Results:

Freeride World Champion 2011

Freeride World Tour 2. Platz 2016, 2017

1. Platz Swatch Xtreme Verbier 2011, 2017

Beste/r internationaler Fahrer/in 2009

Transworld Snowboarding Rookie of the year 2007

ANNE-FLORE

MARXER

“Meine Träume

zu leben treibt

mich an”

Anne-Flore Marxer wurde 1984 in Lausanne in eine Skifah-

rerfamilie geboren. Genau genommen in eine Skirennläufer-

familie: „Meine ganze Verwandtschaft ist Skirennen gefahren

– für die Nationalmannschaften der Schweiz, Liechtensteins

und Frankreichs“, erzählt sie. „Mich hat dieser Wettkampf-

gedanke nie interessiert. Alles, was wir gemacht haben, so-

lange ich denken kann war powdern zu gehen mit meinem

Vater und meinem Bruder. Mein Vater hat an den Olympi-

schen Spielen teilgenommen, er war furchtlos und hat uns

immer in steiles Gelände mitgenommen.“

Mit 12 oder 13 Jahren wechselt Anne-Flore schließlich aufs

Snowboard. „Meine Nachbarin Sarah hat mich mitgenom-

men und mir gezeigt, wie man sich auf beide Seiten dreht.

Am Ende des Tages konnte ich schon den ganzen Berg run-

terfahren – und ich habe es geliebt!“ erinnert sie sich. Der

Startschuss in eine internationale Karriere, die ihr unter an-

derem auch den Titel der zweiteinflussreichsten Snowboar-

derin aller Zeiten einbrachte. Sie begann kreuz und quer

durch Europa zu Snowboard-Events zu fahren. „Ich bin per

Anhalter hingefahren, hab die ganze Nacht getanzt. Getrun-

ken hab ich allerdings nur Wasser, sonst hätte ich mir das

Liftticket nicht mehr leisten können“, erzählt sie. „Irgendwie

hab ich immer jemanden gefunden auf dessen Couch ich

schlafen konnte. Ich bin das ganze Wochenende Snowboard

gefahren und hab es dann irgendwie geschafft, am Montag

wieder in der Schule zu sitzen. Das einzige, das mir wichtig

war, war Zeit in den Bergen zu verbringen.“

Es dauerte nicht allzu lange, dann ging es Schlag auf Schlag:

Die ersten Sponsoren stellten sich ein, Anne-Flore begann

wegen des Snowboardens und für Filmdrehs zu reisen.

„Diese Jahre waren unglaublich!“ sagt sie heute. „Ich konnte

die Welt entdecken und die Berge dort.“ Auch ihr Riding ent-

wickelte sich rasant weiter: Anne-Flore startete mit Street

Rails, ging dann weiter zu Backcountry-Kickern und landete

irgendwann beim Freeriding. „Ich fing an, nach steilerem

Terrain zu suchen. Das führte dazu, dass ich in Alaska lan-

dete. Und das wiederum brachte mich auf Freeride Compe-

titions. Ich hatte nicht die geringste Idee, was mich erwarten

würde… Und dann hab ich den ersten Contest des Winters

gewonnen und wurde in Verbier Freeride Weltmeisterin.“ Die

Schweizerin kann dem Wettkampfgedanken trotz allen Er-

folgen noch immer nicht allzu viel abgewinnen: „Wettkämpfe

sind nichts, das ich genieße. Für mich sind sie nur eine Mög-

lichkeit, in den Bergen zu sein. Das Beste an diesem ersten

Jahr auf der World Tour 2011 war, dass ich mir in den Con-

tests Fähigkeiten aneignen konnte, die ich brauchte um noch

weiter in die Wildnis zu kommen.“ Das machte sie direkt im

Anschluss an dieses erfolgreiche Jahr – sie reiste nach Pa-

tagonien, um mithilfe von Pferden in die Berge zu kommen;

Sie unternahm einen Sail & Ski Trip nach Grönland.

2015 kam sie zurück in die Freeride World Tour und been-

dete die Saison als Gesamt-Vierte. 2016 und im vergangenen

Jahr belegte sie jeweils den 2. Gesamtrang hinter Estelle

Ballet bzw. Marion Haerty. Von ihren Siegen in Chamonix,

Alaska, Andorra und Verbier erzählt sie relativ emotionslos,

ihre Leidenschaft für den Sport flammt wieder auf, als sie

von Alaska erzählt: „Dort konnte ich meine beiden Leiden-

schaften verbinden! Beim Contest fand ich eine so schöne

Spine mit unglaublichem Schnee; und am nächsten Tag

schnappten wir uns ein Wasserflugzeug und flogen an die

Küste, ummit den Seelöwen vor dem unglaublichsten Berg-

panorama zu surfen.“

Wieviel Energie und Enthusiasmus in Anne-Flore Marxer

steckt spürt ihr Gegenüber auch, wenn sie von ihrem neu-

esten Projekt erzählt: „Ich organisiere gerade ‚Riders For

Refugees‘, es geht darum, Jacken für Flüchtlinge aufzutrei-

ben. Deswegen habe ich auch den November in Südwest-

Frankreich verbracht, um die dort ansässigen Surf-Firmen

deswegen abzuklappern. Die gesammelten Jacken werden

wir in Aline Bocks Van nach Italien fahren und dort an ver-

schiedenen Plätzen an Flüchtlinge ausgeben. Es gibt mir ein

tolles Gefühl, dass ich Menschen helfen kann.“

Anne-Flore Marxer wird vermutlich auch 2018 in der Free-

ride World Tour ein gewichtiges Wörtchen um den Weltmeis-

tertitel mitzureden haben. Man bekommt nicht den

Eindruck, dass ihre Welt aufhören würde sich zu drehen,

sollte sie auch diesmal „nur“ 2. werden.

Foto: Dom Daher

Foto: Jeremy Bernard