Bergstolz Issue No. 81
18 FREER I DE TRANSALP Bergstolz Ski & Bike Magazin • 01 | 2019 Am Anfang stand die Idee. „Wir wollten unbedingt einen einmaligen, unvergesslichen Freeride-Trip organisieren. Jetzt hoffen wir, dass alles klappt“, erklären mir Julia und Felix. Die beiden sind haupt- verantwortlich dafür, dass ich zusammen mit 14 an- deren Teilnehmern in einem Reisebus Richtung Livigno sitze. Es ist Ende März, aber von Frühling keine Spur. TAG 1: VON ZUHAUSE NACH LIVIGNO Minusgrade und Schneefall begleiten uns von Reutte über Landeck und Schuls bis an unseren Zielort – der auch unser Startort sein wird: Auf Ski werden wir von Livigno aus über Zuoz, Klosters und Stuben bis ins Kleinwalsertal gehen und fahren. „Eine Freeride- Alpenüberquerung auf Ski, das wäre doch was wirk- lich Besonderes! Schließlich können wir mit Marker, Dalbello und Völkl ein komplettes Freetouring-Setup zur Verfügung stellen. Wir haben also begonnen, das zu organisieren“, erzählen Julia und Felix weiter. Beim Einsteigen in den Bus beginne ich innerlich zu fluchen. „Die liftunterstützten, maximal 1.300 hm pro Tag schaffst du sicher! Außerdem wird das eh ein reiner Mädelstrip“, hatte man mir im Vorfeld erklärt. Da hab ich trotz weniger Skitourenmeter – schließlich musste man im vergangenenWahnsinnswinter ja auch keinen Meter aufsteigen, um perfekten Pulver zu er- wischen – zugesagt. „Wird schon gehen.“ Hier im Bus sitzen jetzt eher weniger Mädels und eher mehr Kerle. Denen man ansieht, dass sie jede Menge Höhenmeter in den Beinen haben. Nach ein paar stumm in mich hineingefluchten Fucks versuche ich mich zu beruhi- gen, zurück kann ich jetzt eh nicht mehr. Die letzten Zweifel gehen dann im aufgeregten Kennlernen unter. In Livigno im Hotel angekommen, speisen wir fürstlich und lassen uns das Tiramisu bis zum letzten Löffel auf der Zunge zergehen. An diesem Abend stehen neben italienischem Essen noch auf dem Programm: Einpacken der persönlichen Ausrüstung und Tagespla- nung für morgen. Unsere Guides Flo Hellberg, Chris Semmel und Michi Bückers sowie sein Bruder Julian, der die kommenden Tage als Fotograf ca. das fünffa- che unserer Höhenmeter zurücklegen wird, haben schon den ersten Tag unserer Alpenüberquerung kurz- fristig umgeplant: „Die Lawinensituation ist heikel, deshalb werden wir morgen nur ca. 300 hm aufstei- gen. Dafür 1.300 abfahren…“ Perfekt, diese Alpen- überquerung beginnt nach meinem Geschmack. Außerdem lerne ich an diesem Abend ein rätoroma- nisches Wort: Livigno bedeutet nämlich nichts Anderes als Lawine. Nomen est Omen? Na hoffentlich nicht… TAG 2: VON LIVIGNO NACH ZUOZ Es geht los! Voller Energie starten wir mit der Gondel ins Carosello 3000 Gebiet und testen unser neues Equipment erstmal bei einem kurzen Pistenrun. Danach wird’s ernst. Chris, Michi und Flo teilen uns in drei Gruppen ein, Julian wird sich mal hier mal dort anschließen und ist unser „Bergführer-Joker mit Kamera“. Der Schnee der vergangenen Tage und der strahlende Sonnenschein bescheren uns einen kurzen, aber umso schöneren Warmup-Run Richtung Val Federia. Der folgende kurze Aufstieg zum Sessellift steht unter dem Motto „Spitzkehrentraining“. Während einige mustergültige Ecken in den Schnee legen, probieren andere (zu denen ich gehöre) noch verschiedene Techniken aus. Waagrecht steigen, Ski parallel legen, Kick, weiter. Funktioniert doch! Mit dem Sessellift geht’s für uns nochmal nach oben, bevor wir uns unterhalb des Monte Cantone und der Punta Campaccio querend endgültig aus dem Skige- biet verabschieden. Lockere 300 hm stehen uns bevor, easy. Denkste! Die Jungs ziehen das Tempo ganz schön an, aber Kaddi und ich sagen nix, versuchen dran zu bleiben.Was wir bis dahin irgendwie über den
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