THEMA
BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016 | Seite 21
JOURN LS
BERGSTOLZ Ski M gazin NOVEMBER 2016 |
wo wir uns erst einmal mit den Menschenmassen über die Kreuzung und
in die Shoppingstraßen treiben lassen. Als ob die gefühlten fünf Millionen
Menschen im Stadtteil Shibuya nicht genug gewesen wären, wird es bei
unserem nächsten Stopp in der Takeshita Street noch kuscheliger. Ist man
hier einmal im Menschenstrom gefangen, gibt es kaum noch ein Entkom-
men. Um durch diese Menschenmassen in ein Geschäft zu kommen, müs-
sen wir ordentlich Schwung nehmen. Wieder gibt es überall Hello
Kittys, Tamagotchis (die gibt es wirklich noch) und alles was blinkt, glänzt
oder pink ist. In einem der Geschäfte in der Takeshita Street finden wir Panda
Neckwarmer, die wir auf jeden Fall haben müssen und auch sofort kaufen.
Ca. 10 Minuten Fußmarsch von der Takeshita Street entfernt sind wir ziem-
lich überrascht, als wir mitten im Yoyogi Park stehen. Dort sind wir auf
einmal im Grünen, umgeben von traditionellen Tempeln. Beeindruckt von
der Vielfalt Tokios nehmen wir die U-Bahn zurück zum Flughafen, von wo
aus wir mit unserem Mietauto zur Kodama Lodge nach Hakuba fahren.
Merke für unseren nächsten Japan Urlaub: Auch wenn es Winter ist
bekommt man in Tokio nicht automatisch ein Mietauto mit Winterreifen.
Und so kommt es wie es kommen muss, und wir bleiben kurz vor der
Lodge auf schneeglatter Straße hängen. Das ist allerdings kein Problem,
erstens, weil einem als Skitourist in fremden Ländern so etwas mindestens
einmal passieren muss und zweitens, weil Geraldine von der Lodge so
nett ist und uns mit ihrem Allrad (mit Winterreifen) abholt.
TAG 5 - 8
Liebes Tagebuch, wir fühlen uns hier in der Kodama Lodge sofort wohl.
Die Besitzer Geraldine und ihr Mann Simon sind Schweizer, die ausge-
wandert sind, um sich in Japan ihren Traum von der eigenen Skilodge zu
erfüllen. Ihre Liebe zum Skifahren und Snowboarden spürt man sofort.
Nur wenn man die strengen japanischen Sitten bezüglich der Hauspat-
schen nicht einhält, ist es vorbei mit der Liebe. Für Wohnbereich, Küche
und Bad gibt es jeweils andere Patschen, die man immer brav wechseln
muss, je nachdem, wo man sich gerade aufhält.
An unserem ersten Skitag fahren wir nach Happo-One, wo die legendäre
Abfahrt (Hermann Maier Sturz) bei den Olympischen Spielen 1998 statt-
fand.Wegen zu starkenWindes werden die oberen Lifte alle geschlossen.
Wir holen deshalb die Felle aus unseren Rucksäcken, laufen hoch und
finden eine steile Abfahrt, die uns allerdings in ein komplett anderes Tal
führt. Zurück nach Happo-One müssen wir den Skibus nehmen. Merke:
Auch beim Versuch herauszufinden welcher Skibus der richtige ist, wäre
eine Japanisch-App von Vorteil.
Am nächsten Morgen hat es ca. 20 cm Neuschnee und wir beschließen
nach Cortina zu fahren. Dort erleben wir zum ersten Mal die typisch ja-
panischen Powder-Treeruns. Der Neuschnee ist so locker, dass wir teilweise
bis zum Bauch darin versinken. Vorsicht ist allerdings beim Fahren zwi-
schen Bambus geboten. Der gibt nämlich nicht so leicht nach, wie wir am
Ende des Tages anhand blutiger Lippen feststellen müssen.
Da Happo-One steiler ist als Cortina und es dort auch längere Abfahrten
gibt, beschließen wir noch einen Tag dort zu verbringen. Diesmal schließen
wir uns einer Gruppe Schweizer an, die auch in unserer Lodge wohnen.
Um das Gelände in Happo-One besser erkunden zu können, buchen wir
einen Guide. Andy, ein US-Amerikaner, zeigt uns einige großartige Abfahr-
ten und führt uns am Ende des Tages bis ganz nach unten ins Tal, wo wir
als Abschluss noch einen Fluss überqueren müssen. Mit nassen Füssen
aber glücklich beenden wir unseren Skitag.
Zum Ausklang eines perfekten Tages wollen wir noch im Onsen, das ist
ein heisses, japanisches Schwefelbad, im Hotel neben unserer Lodge ein
bisschen relaxen. In traditionellen Onsen badet man nackt, Männer ge-
meinsam mit Frauen. Die Onsen im Hotel sind jedoch für Jungs und Mädels
getrennt. Trotzdem kommen wir uns vor wie exotische Tiere im Zoo.
Anstarren wird hier anscheinend nicht als unhöflich angesehen. Zwei
nackte Blondinen sind für die Japanerinnen, die mit uns im Onsen sitzen
offensichtlich etwas, das sie noch nie gesehen haben.
Die berühmtesten Bewohner Hakubas sind wohl die Schneeaffen. Am bes-
ten kann man die Affen im Jigokudani Snow Monkey Park beobachten.
Dort sitzen sie ganz gemütlich in den heissen Schwefelquellen und lassen
sich auch von den unzähligen Touristen nicht aus der Ruhe bringen.
Obwohl der Park, wie bereits erwähnt, sehr touristisch ist, sollte man auf
jeden Fall dort vorbei schauen um die unzähligen Affen beim Spielen oder
Faulenzen zu beobachten.
Von der Idylle der Berge geht es heute wieder zurück nach Tokio, von wo
wir in den Norden, nach Sapporo fliegen.
TAG 9 - 13
Liebes Tagebuch, wir sind heute in der Früh gut in Sapporo angekommen,
haben unser Mietauto abgeholt (diesmal mit Winterreifen, dafür aber mit
Navi auf Japanisch) und in unserem Hotel Mitten in der Stadt eingecheckt.
Das Hotel haben wir mit einer HandyApp gefunden, weil das Navi auf
Japanisch unmöglich zu bedienen ist. Von dort erkunden wir das Zentrum
zu Fuß und finden ein kleines Sushi Restaurant. Bedient werden wir vom
Koch und seiner Frau. Leider schaffen wir es nicht auch nur ein Wort mit
den beiden zu sprechen. Mit viel Pantomime und Deuten gelingt es uns
schlussendlich trotzdem das beste Sushi zu bekommen, das wir je geges-
sen haben. Essen gehen sollte man eher in die kleinen, traditionellen, oft
ein bisschen versteckt gelegenen Restaurants.
Sapporo ist eine extrem coole Stadt. Hier findet man Tempel und kleine
traditionelle Bauten in Mitten von Hochhäusern und unzähligen bunt blin-
kenden Reklametafeln. Und dazu schneit es auch noch, was diese Stadt
für uns noch beeindruckender macht.
Unser erster Skistopp auf der Nordinsel ist Teine. Dieses Skigebiet ist nur
ca. 30 Minuten Autofahrt von Sapporo entfernt, bietet tolle Treeruns und




