Bergstolz Issue No. 135

20 RIDERPROFILE Bergstolz Ski & Bike Magazin • 02/2026 Kirsten Van Horne ist keine, die seit Kindheitstagen im Rennmodus unterwegs war. Zum Mountainbiken ist sie über Freunde gekommen. Die kleinen Abenteuer, die sie täglich mit dem Bike erlebten, haben sie neugierig gemacht. „Ich habe schon immer gerne Dinge erkundet“, sagt sie. Und genau das hat sie gepackt: Die Möglichkeit, einfach loszufahren, spontan, unabhängig. Erst gegen Ende der Schulzeit steigt sie wirklich ein, fährt einmal pro Woche mit dem Mountainbike-Club. Doch schnell wird klar, dass da mehr ist. Während andere Hobbys kommen und gehen, bleibt das Biken. Vor allem, weil es ihr etwas gibt, das sie so vorher nicht kannte: Freiheit. Alleine losziehen, früh am Morgen, ohne auf jemanden angewiesen zu sein, ein großer Unterschied zum Skitourengehen. Genau das beschleunigt ihre Entwicklung. Lange bleibt Biken einfach das, was sie liebt und irgendwie zwischen Arbeit und Alltag unterbringt. Erst 2022, bei der Formation, ändert sich etwas. Umgeben von starken Riderinnen sieht sie plötzlich, was möglich ist. Und merkt: Da geht mehr. Geprägt wird sie dabei stark von ihrer Heimat Nelson in British Columbia. Eine Szene mit Geschichte, alte Features aus Freeride-Filmen, steile, ruppige Trails, die oft anspruchsvoller sind, als ihre Bewertung vermuten lässt. Später kommt Neuseeland dazu. Queenstown, Gorge Road, Dirt Jumps. Genau dort verschiebt sich ihr Riding spürbar. Die steilen Lips, die anfangs Respekt einflößen, werden zum Schlüssel für mehr Style und Kontrolle. „Die Lernkurve ist hart, aber es lohnt sich“, sagt sie. Parallel dazu läuft ihr Alltag alles andere als entspannt. Sie arbeitet im Landschaftsbau, übernimmt Verantwortung für Projekte, ist täglich körperlich gefordert. Acht Stunden draußen, oft in der Hitze. Perfektes Cross-Training, sagt sie heute. Und obwohl die Müdigkeit da ist, bleibt die Motivation fürs Bike. Freeride bedeutet für sie immer auch, ins Unbekannte zu gehen. Angst gehört dazu, genauso wie gute Tage und solche, an denen es schwerfällt. Dann hilft Visualisierung. Sie spricht ihre Ziele laut aus oder schreibt sie auf, um sie greifbar zu machen. Und sie kennt das Gefühl danach, wenn man es nicht versucht hat. Dieses leichte Bedauern. Genau das treibt sie an. Die härteste Phase kam 2023, nach mehreren Verletzungen. Das Vertrauen war weg, die Komfortzone plötzlich sehr klein. Sich wieder herauszuwagen, war ein Prozess. Einer, der Zeit braucht. Heute kommt ihre Motivation vor allem aus Neugier. Aus der Frage, was möglich ist. Nicht nur im Kopf, sondern in der Umsetzung. Für Kirsten reicht es nicht, sich etwas vorzustellen. Sie will es ausprobieren. Für die Zukunft hat sie einiges vor. Neue Tricks, größere Sprünge, schwierigere Lines. Rennen wie ihr erstes Enduro bei Trans Madeira, Events wie Swatch Nines oder vielleicht wieder Rampage. Das Ziel bleibt dabei erstaunlich einfach: Gesund bleiben und Spaß haben. „The feeling of not trying is worse than being scared.” KIRSTEN van HORNE Alter: 24 Homespot: Nelson BC, Kanada Beruf: Pro Freeride-Mountainbiker Sponsoren: Ghost, Evoc, Outdoor Research, ABUS, FOX suspension, Coast Optics, Chromag Ziele: “Indian Air seat grab“ lernen, in South America biken, Flip Dream Track Media: @kirsten.vh Foto: Nathan Hughes Foto: Bartek Wolinski / Red Bull Content Pool

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