Tobi, Heli und Laetitia sind Bergsportler, doch die hochalpine Arktis ist für alle drei Neuland. Das Handling der Pulkas kostet Kraft, die Sonnencreme ist gefroren, der Käse zum Ziegelblock erstarrt. Die extrem tiefen Temperaturen und Schneestürme zwingen die Drei zu tagelangem Verharren im Zelt. Auch die Team-Dynamik ist für sie schwer einzuschätzen. Vorab hatten sie sich erst zweimal zu Dritt getroffen. Jetzt haben sie keinerlei Privatsphäre, sind bei den widrigsten Bedingungen 24/7 gemeinsam unterwegs – oder im Zelt… „Wir sind sehr unterschiedliche Menschen und es war nicht klar, dass wir uns so gut verstehen würden. Wie es auch für jeden selbst nicht klar war, wie man in Extremsituationen reagiert oder, wenn man fünf Tage im Zelt verharrt. Für mich war das eine krasse Erfahrung, in der ich eine innere Ruhe entwickelt habe, wie nie zuvor. Du bist maximal disconnected. Ich hatte kein Buch, hörte kaum Musik, weil ich mich dem auch aussetzen wollte. Der Natur wie auch den eigenen Gedanken.“ Tobi, Heli und Laetitia erreichen Camp 4 nach 30 Tagen. Während der Saison sind die Wege meist gespurt, doch jetzt sind selbst die Fixseile eingeschneit. Es kostet Kraft und Zeit sie in der Steilwand herauszupickeln. Laetitia zieht sich dabei Erfrierungen zu – im Zelt präsentiert sie einen schwarzen Finger. Es ist klar, dass sie im Zelt bleiben und ihren Finger warmhalten muss. Zelt haben sie jedoch nur eines dabei. Das bedeutet für Tobi und Heli: Sie müssen auf die Station am Camp 5 verzichten und den Denali von Camp 4 direkt versuchen. Die Entscheidung fällt schwer. Bis Mitternacht wägen sie ab. Als der Wecker um 3 Uhr klingelt, hat Tobi vor Nervosität nicht geschlafen. 2.000 Höhenmeter warten auf sie. Die Bedingungen sind schwierig, der Weg extrem technisch. Sie kommen langsam voran und fallen immer weiter in ihrem gesteckten Zeitplan zurück. Das Wasser neigt sich dem Ende zu und sie haben keinen Kocher dabei. Das Ziel war, um 18 Uhr den Gipfel zu erreichen. „Kurz vor Mitternacht waren wir am Gipfel und es war auf so vielen Ebenen unglaublich. Wir sind 18 Stunden aufgestiegen. Es war der 31. Tag. Wir waren als erstes Team des Jahres am Denali. Die Sonne ging unter in dieser kaum fassbaren Wildnis – und ich habe einfach fünf Minuten richtig intensiv geheult.“ Am Gipfel sind -40°C – mit Windchill wohl noch 10° weniger. Und Tobi und Heli wissen, wie fordernd der Weg retour werden wird. Am Denali Pass auf 5.500 AMER I KA Bergstolz Ski & Bike Magazin • 06/2026
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