RIDERPROFILE
BERGSTOLZ Ski Magazin JANUAR 2016 | Seite 31
Alter:
29
Homespot:
Patscherkofel
Info:
Seit 2007 Studium der Geographie, Selb-
ständig mit Whiteroom Productions Film
und Produktionsfirma.
Sponsoren:
Bavarian Alpine Manifest, Arcteryx, Alpina,
Liebling, Daleboot,
Erfolge:
Kein einziger Contest Erfolg, dafür 7 Ski-
filme produziert und schon in 18 verschie-
denen Ländern Ski gefahren.
RIDER PROFILE
JOHANNES
„JOI“
HOFFMANN
Geboren und aufgewachsen ist Joi in Innsbruck. Skifahren
hat er aber erst mit 4 Jahren anstatt mit in Österreich übli-
chen 3, oder sogar schon 2 Jahren gelernt. „Der kleine
Johannes hat damals keine Lust gehabt und sich geweigert,
früher Ski zu fahren.“ Ebenfalls sehr unüblich für eine Free-
ride-Karriere: Joi war niemals in einem Skikurs oder einem
Rennkader. „Skifahren war für mich als Kind eher neben-
sächlich, deswegen hab ich dann mit 13 Jahren einen Snow-
boardkurs gemacht und das Snowboarden angefangen.“ Im
Sommer darauf riss er sich aber beim Skateboard fahren
das Band im Sprunggelenk, worauf ihm die Ärzte rieten, das
Snowboarden wegen den weichen Schuhen lieber bleiben
lassen sollte. Ski waren trotzdem kein Thema! Also begann
er mit dem Big Foot zu fahren und hat das – sehr zum Ärger
seines Vaters – auch eine komplette Saison lang durchge-
zogen. „Mein Vater wollte zu der Zeit mit uns das Skitouren
gehen anfangen und schenkte mir und Alex zusammen
einen Bindungseinsatz für die Pistenski zu Weihnachten.“
Aber auch das hat nichts bewirkt! „Mein Vater hatte eine
sehr schwere Zeit mit mir, da ich Skifahren abseits der Piste
gehasst habe und mich oft geweigert habe raus zu fahren,
weil ichs einfach nicht kapiert habe, auf einer nicht präpa-
rierten Piste zu fahren.“
Zu dieser Zeit war er mit seiner „Computerspiel/Nerd-
Karriere“ voll am Durchstarten: Täglich bis zu 10 Stunden
vorm PC bzw. Supernintendo spielen - was sich aber heute
sehr positiv auf das Fliegen mit der Kameradrohne auswirkt!
„An einem unmotivierten Herbstsonntag bin ich damals zum
Pitschmann David auf einen Supernintendo Nachmittag ge-
gangen und bevor wir mit dem Spielen loslegten, zeigte er
mir noch seinen neuen ULTRA FETTEN Freeride Ski- eine
Big Stix 84 - mit enormen 84mm unter der Bindung.“ Das
weckte mal die erste Neugierde bei Joi. Dann hat er sich erst
mal – ganz Computer-Nerd - über eine Download Plattform
den Film SKI MOVIE von MSP runtergeladen. „Das dauerte
damals zwei Wochen zum Runterladen. Aber durch den Film
kam bei mir dann die unendliche Motivation, auch Skifahren
im Tiefschnee zu lernen.“ Anfangs noch mit einem 165cm
Atomic Pisten Ski mit gefühlten 50mm unter der Bindung,
bis er sich nach einem Sommer-Ferienjob endlich auch
einen Big Stix 84 leisten konnte. „Ich musste damals den Ski
bei einem Geschäft bestellen und drei Wochen auf die
Lieferung warten. Ich nervte den Ladenbesitzer 2,5 Wochen
lang mit täglichen Anrufen, bis ich die fetteste Freeride Latte
endlich in meinen Händen halten konnte.“ Da er sein weni-
ges Geld damals immer nur in Ski investierte und nie in
neues Gewand, wollten schon einige Leute nicht mehr mit
ihm im Lift fahren bzw. in der Gondel fahren. „Der Geruch
war wohl etwas penetrant damals.“ Aber kaum hatte er mit
22 Jahren seinen ersten richtigen Kleidungssponsor
Arcteryx bekommen, wurde er wieder nur gehänselt: „Der
ranzige Joi ist jetzt auch so ein Styler sei. So oder so, man
kanns den Leuten eh nicht recht machen...“
„Zur gleichen Zeit fing ich an, mich für Kameras und Filmen
zu interessieren. Ich kauftemir eine MiniDV Kamera und filmte
alles Mögliche und Schnitt es irgendwie zusammen.“ Dann
kam der „Upgrade“ auf eine 50
€
HD Kamera von Hofer (Aldi).
„Ich „produzierte“ mit Dani Regensburger eine Saison lang
BurgerTV: Eine Webepisode, wo es nur um Skifahr Blödeleien
geht. Es folgten dann kleinere Aufträge und ein eigener Skipart
imdamalig größten Skifilmproduzenten Aestivation „Lifelong“,
wo ich eher mäßigmit demErgebnis zufrieden war. Ich wusste,
da geht noch viel mehr.“ Er beschloss, zusammen mit Dani
einen eigenen Skifilm zu machen und möglichst viele Pros
rund um Innsbruck dazu zu animieren, mitzumachen: Time –
for the Whiteroom entstand.
„Gleichzeit war ich auch noch auf einigen Freeride-Contest
unterwegs. Hab mir das 3 Jahre lang gegeben, bis ich in
Nendaz sehr offensichtlich von den Judges um meinen
Startplatz im Finale gebracht wurde. Da fing ich das erste
Mal zu überlegen an, warum ich es mir überhaupt antun soll
sehr weit weg zu fahren, um dabei sehr viel Geld auszuge-
ben, um bei beschissenen Bedingungen einen Hang hinunter
zu stürzen und anschließend frustriert wieder nach Hause
zu fahren.“ Seit dem konzentriert er sich mehr auf das Fil-
men und das Reisen. „Mittlerweile konnte ich mit Ski fünf
Kontinente entdecken und mit meiner Firma Whiteroom
Productions sieben Skifilme produzieren.
Derzeit sind neben mir noch Simon Platzer und Jakob
Schweighofer in der Firma amwerken und wir konzentrieren
uns neben den Skifilmen auf Auftragsproduktionen abseits
vom Sport, also Werbungen und Imagefilme“. Neben dem
Job sollte es dann auch dieses Jahr hoffentlich mit dem
Masterabschluss in Geographie klappen.
„Pläne für die Saison schwirren schon ein paar in meinem
Kopf herum: Mitte Januar für einen kurzen Trip mit Arcteryx
nach Norwegen, im Februar wollen wir nochmal die alte
Truppe zusammentrommeln, um einen exotischeren Skitrip
zu machen und zwischen drin werde ich noch ordentlich die
neue Pindung von B.A.M. testen!“
Portrait & Action oben: Jakob Schweighofer
Action: rechts: Mitch Tölderer
„Der ranzige Joi ist jetzt auch so ein Styler“




