Seite 18 | BERGSTOLZ Ski Magazin 02/2005
Newsealand
Über die wunderschöne Ostküstenstraße direkt am Meer fuhren wir dann noch weiter zu
unserer nächsten Station, dem Ort Picton, wo man mit der Fähre zur Nordinsel übersetzen
kann. Während die Bewohner der Südinsel für ihre riesengroßen Schafherden zu leben
scheinen und die Abgeschiedenheit der Stadt vorziehen, so findet man auf der Nordinsel
ein völlig anderes Lebensgefühl vor. Wellington ist mit 163.824 Einwohnern zwar nicht die
größte Stadt Neuseelands (Auckland 1.300.000), präsentierte sich uns jedoch als absolut
urbane und moderne Großstadt. Obwohl wir etwas „Zivilisation“ doch sehr genossen,
beschlossen wir dann gleich weiter, in Richtung Auckland zu ziehen. Auf dem sogenannten
„Surfer Highway“, der auf der Westküste der Nordinsel um den Vulkan Mount Taranaki
herumführt, sahen wir die sagenhaftesten Surf Spots ganz Neuseelands. Hier wurde uns
auch die touristische Bedeutung des Surfsports für Neuseeland deutlich. Während auf der
Südinsel zum Beispiel eine Tankstelle eine wahre Seltenheit ist, scheint dies auf der
Nordinsel kein Problem zu sein. Eine Ortschaft folgt der anderen. Auch die Landschaft zeigt
sich hier von einer ganz anderen Seite. Weite Wiesen mit Grashügeln soweit das Auge
reicht, und natürlich unzählige Schafherden, beherrschen hier das Blickfeld.
In Auckland angekommen beschlossen wir auch schon wieder Richtung Südinsel aufzu-
brechen, also der Millionenstadt und somit der Zivilisation den Rücken zu kehren. Wir nah-
men die schnellste Route in Richtung Fähre in Picton. Diese führte uns auch an dem
bekanntesten Skigebiet der Nordinsel, dem Mount Ruhapeo, vorbei. Mit dem Gedanken
unsere Powder Latten erst auf den richtigen Bergen der Südinsel auszupacken, hielten wir
dort jedoch nur für ein kleines Erinnerungsfoto. Wieder auf der Südinsel angekommen
erhielten wir dann auch die Nachricht dass der nächste Schneefall nicht mehr allzu lange
auf sich warten lassen würde, also beschlossen wir über die Westküste nach Wanaka, dem
wahren „Freeski Mekka“, zu fahren.
Auf dem Queen Elizabeth Drive kommt man von Picton in ca. zwei Autostunden nach
Nelson, der Stadt mit den meisten Sonnenstunden Neuseelands. Nelson liegt am Meer
und die dort herrschenden 20 Grad waren für uns, die die letzten beiden Wochen mit
Hoodie, Socken und Schlafsack dem neuseeländischen Winter getrotzt hatten, eine will-
kommene Gelegenheit sich wieder ein bisschen aufzuwärmen.
Von dort aus fuhren wir durch ein paar Nationalparks, die landschaftlich sehr an Kanada
erinnern, Richtung West Küste. Wälder so weit das Auge reicht. Die Straßen führen hier
sehr kurvenreich und schmal durch diese Landschaft. Kurz vor der Küste wird es wieder
etwas flacher, man fährt über eine Anhöhe und steht vor dem Meer und einem der unzäh-
ligen Sandstrände der Westküste. Ein beinahe unglaublich schönes Fleckchen Erde! Die
Strasse führt hier ca. sechs Stunden direkt am Meer entlang. Ebenfalls von der Westküste
aus erreicht man die beiden bekanntesten Gletscher Neuseelands, den Franz-Josef
Gletscher und den Fox Gletscher. Beide entspringen in der Mount Cook Region und teilen
sich weiter unten in zwei separate Gletscherzungen. Besonders unter Skifahrern ist dieses
Gebiet sehr beliebt, da man sich mit dem Helikopter oder dem Flugzeug auf den Gletscher
fliegen lassen kann. Dort gibt es kleine Hütten in denen man übernachten kann und von wo
aus man wunderschöne Touren starten kann. Die Enden der beiden Gletscher, die übrigens
jedes Jahr wachsen, anstatt wie unsere zurück gehen, sind nur wenige Kilometer vom
Meer entfernt. Von dort sind es nur noch wenige Autostunden nach Wanaka, unserem
eigentlichen Ziel auf der Südinsel und dem Austragungsort der NZ Freeski Open 2005.
Wanaka ist ein kleines Städtchen in den Southern Alps. Gelegen am Lake Wanaka genießt
diese Gegend den Ruf einer traumhaften Freeski- und Snowboardregion. Von hier aus
erreicht man die bekanntesten Skigebieten wie Treble Cone, Cardrona, und seit kurzem
auch einen der fettesten Funparks der Welt, den Snowpark NZ. Natürlich gibt es auch eini-
ge Shops und Bars, der Ort selbst ist jedoch hauptsächlich auf Wintersporttourismus aus-
gerichtet. Und jeder der schon mal in Wanaka war weiss, dass die Parties dort ziemlich
gefährlich werden können. Hier in Wanaka trifft sich im neuseeländischen Winter die ganze
Freeski und Snowboard Szene aus der ganzen Welt. Nach etwa zwei Wochen, etlichen
Parties, unzähligen Subway-Burgern und einigen Skitagen verließen wir Wanaka wieder in
Richtung Christchurch, wo unser Heimflug anstand.
Es waren sechs Wochen im schönsten und abwechslungsreichsten Land der Welt. Wir
haben viele neue, interessante Leute kennen gelernt, neue Freunde gefunden. Hatten
„First Lines“ an den besten Powder Tagen. Schliefen 6 Wochen in unserem kleinen aber
gemütlichen Van und taten jeden Tag nur das worauf wir Lust hatten! Ich kann nur jedem
der noch nie in Neuseeland war empfehlen, dorthin zu reisen, denn dieses Land zieht einen
in seinen Bann und lässt einen dann auch nicht mehr los.
Zum Schluss wollen wir noch unseren Sponsoren ( Fischer-Ski, CHIEMSEE, Subindustrie
vonZipper und Adidas ) danken, ohne sie wäre dieser Trip nicht möglich gewesen!
Freeski Open NZ 2005:
Dieses Jahr fanden die Freeski Open NZ von 17. bis 25. August statt. An den ersten Tagen
stand der Big Mountain Contest auf der Programm. Geplant waren zwei Runs für jeden
Fahrer, jedoch mussten die Organisatoren auf einen Run verkürzen, da die schlechten
Schneebedingungen einen zweiten Durchgang unmöglich machten.
Die Fahrer waren aus der ganzen Welt angereist um im Gebiet „Treble Cone“ das „Saddle“
zu zershredden. Schließlich konnte sich Geoff Small vor seinem NZ Kollegen Tom Dunbar
und dem Kandadier Marcus Waring, durchsetzen.
Nach der Big Mountain Party ging es im Snowpark weiter mit der Super Pipe, dem Triple
Jump und zu guter Letzt auch noch einer Rail Jam. Die Trophäe für die Super Pipe holte
sich der Franzose Lioc Callamb vor Jon Olsson und Charles Gagnier. Im Triple Jump konn-
te sich der Franzose wieder durchsetzen und gewann vor Russ Henshaw aus Australien
und Jon Olsson aus Schweden auch den Triple Jump. Bei der Night Rail Jam holte sich
jedoch Charles Gagnier souverän den Titel vor dem NZ Rookie Jossie Wells und wieder
einem Frenchie, David Lacote. Am Ende der NZ Freeski Open 2005 feierte noch das neue
Poorboyz-Video „WAR“ Weltpremiere, welche sich auch Anthony Boronowski, Seth
Morrison und Jp Auclair nicht entgehen ließen.
v.l.: Sebastian Blasy, Oliver Andorfe