Bergstolz Issue No. 135

18 ROMANIAN ROMANCE / PART ! Bergstolz Ski & Bike Magazin • 02/2026 als Cristi nach seinem Studium begann, das Familienunternehmen weiterzuentwickeln. Die Idee war einfach: Warum nicht das Konzept des Heliskiings auf Mountainbiker übertragen? Die rumänischen Karpaten bieten dafür perfekte Bedingungen: alpine Grate, endlose Wälder und Trails, die scheinbar kein Ende nehmen. Ein typischer Heli-Bike-Trip startet auf rund 2300 Metern Höhe und führt bis auf etwa 300–400 Meter ins Tal hinunter. Je nach Route entstehen so Touren zwischen 15 und 75 Kilometern Länge. Unsere erste Tour führt uns über etwa 45 Kilometer entlang der Bergketten des Țarcu-Massivs. Die Aussicht reicht über mehrere Gipfelketten hinweg, und dank der E-Bikes können wir noch weitere Höhen erreichen. Um das zu schaffen, fahren wir ausschließlich im Boost Mode. Irgendwann wird daraus der Boobs Mode. Und je länger wir unterwegs sind, desto schlechter werden die Wortspiele. Spätestens als zum Ende der Tour das „Muschi Filet“ vom Vortag wieder in unseren Sprachgebrauch zurückkehrt, beschließen wir, weitere Wortspiele aus unserem Urlaub nicht in diesen Artikel einzubauen, um unseren Ruf, aber auch den von Bergstolz zu schützen. Mittagessen gibt es an einem idyllischen Fluss in einem kleinen, traditionellen Restaurant. Bevor wir das Essen bekommen, springen wir zum Abkühlen in den Fluss. Trotz E-Unterstützung kommt man hier ins Schwitzen. Später ein Stopp am Lacul Mărghitaș. Natürlich springen wir auch dort rein. Man muss ja die Wasserqualität testen. Zurück geht es per Pickup und Anhänger nach Muntele Mic. Der Tag endet in einem kitschig tiefroten Sonnenuntergang. THE GREAT HERCULES EMTB EXPERIENCE Am nächsten Morgen wartet bereits das nächste Abenteuer: The Great Hercules EMTB Experience. Ein 75 Kilometer langer Trail, der durch die Cerna-Berge bis nach Băile Herculane führt. Der Helikopterflug zum Startpunkt der Bike-Tour dauert rund zehn Minuten. Kurz nach dem Abheben sagt Romeo: „Everything you see now, you must forget.“ Wir beschließen erneut, nicht nachzufragen. Allerdings haben wir keine Ahnung, was wir vergessen sollten, denn zu keinem Zeitpunkt wirkt irgendetwas riskant. Wir starten wieder in der Nähe des Țarcu Peak, Ziel: Băile Herculane, auf Deutsch oft Herkulesbad genannt. Eine historische Kurstadt aus Zeiten der Habsburger Monarchie, in der einst sogar Kaiserin Sisi verweilte. Heute findet man dort noch immer heiße Schwefelquellen. Wir fühlen uns wieder, als wären wir die Einzigen in den endlos wirkenden Bergen. Hier und da treffen wir Schäfer mit ihren Herden, die den Sommer monatelang mit ihren Hunden und den Schafen in den Bergen verbringen und nur im Winter ins Tal ziehen. Ihre Hunde tragen massive Eisenhalsbänder mit Dornen zum Schutz gegen Bären. Beeindruckend. Und ein kleiner Reminder, dass wir hier wirklich in der Wildnis unterwegs sind. Am Ende warten die heißen Schwefelquellen in Herculane. Vorher springen wir in den kalten Bach. Kaltbaden wird unser tägliches Ritual.

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