Seite 26 | BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2015
EUROPA
Infobox:
Legs of Steel besteht offiziell aus Thomas Hlawitschka, Bene Mayr, Paddy Graham und Tobi Reindl. Vier Freunde, die sich ein Haus
teilen und zusammen Ski fahren und seit 2009 filme produzieren. Jahr für Jahr und Film für Film stiegen seit dem Anerkennung
und Auszeichnungen.
Der aktuelle Film PASSENGER nimmt den Zuschauer mit, auf eine Reise, die sich über vier Kontinente erstreckt und die ganze
Palette an Erfahrungen und Emotionen der besuchten Destinationen einfängt. Raubein „Old ManWinter“ höchstpersönlich spinnt
die Fäden der Geschichte, beschreibt das Auf und Ab und lässt den Zuschauer miterleben, wie es ist, ein Passagier auf dieser fort-
währenden Reise zu sein.
Legs of Steel PASSENGER Official Trailer:
www.youtube.com/watch?v=JuOfU7P0lPQiTunes Link:
goo.gl/zEafN7
Filmography
• PASSENGER
(2015)
• #skigoodmoneywillcome (2014)
• The LOST
(2013)
• Hurt So Good
(2012)
• The Pilot
(2010)
www.legsofsteel.comL.O.S.
EUROPA
REALITÄT
und einem mit Maschinen geshapeten Kicker. Seit Jahren hatten sie eine riesige Gelän-
dekuppe im Auge, eine ideale Landung für einen massiven Jump. Dieses Jahr sollte es
endlich soweit sein, dass die Organisation mit Unterstützung von Schneestern klappte
und dass auch Temperaturen und Schneelage entsprechend waren.
Die Idee war es, Freestyle Kids und Freerider an einem Spot zusammenzubringen und alles
in einem Endlos-Shot zu vereinen. Zudem hatten wir die einzigartige Gelegenheit, mit
Heli und Cineflexx Kamera zu arbeiten. Das Ganze aber zu koordinieren, war eine Nummer
für sich: Es wurde ein Plan erarbeitet, in dem jeder einzelne Fahrer seinen Part hatte und
auf Kommando liefern musste. Am Ende schafften wir es tatsächlich, Backcountry Jumps,
Lines und einen massiven Parkkicker in einem Shot zu vereinen.
Da wir wussten, dass wir noch einen weiteren Tag die Möglichkeit hatten, den Helikopter
mit seiner Kamera zu nutzen, beschlossen wir Big Mountain Fahrer -Fabi, Raphi, Tobi und
ich - kurzerhand über unsere Arlberger Freundin und Über-Shreddererin, Nadine Wallner,
eine Winterhütte zu organisieren und am nächsten Tag eine Line zu hiken.
Das Gelände, das wir im Sinn hatten, war allerdings problematisch: es wurde Frühling
und jeder wusste um die Störschicht, welche sich weit unterhalb der obersten Schneedecke
befand. Der Winter 2014/15 sollte aufgrund dieser Tatsache einer der tödlichsten der letz-
ten Jahre werden und auch wir waren uns der Gefahr bewusst, dass der massive Druck
des wärmer werdenden Schnees in Kombination mit der Belastung durch Skifahrer, diese
Schwachschicht treffen könnte. Nach einigem Diskutieren untereinander und mit der ört-
lichen Lawinenkommission entschieden wir uns, die Sache vor Ort zu analysieren und den
Versuch nur bei vertretbaren Bedingungen wagen würden.
Kurzerhand packten wir unsere Felle und kamen noch nach Anbruch der Dunkelheit zum
Winterraum. Allein die Nacht dort war ein unvergessliches Erlebnis. Zumal es unser Filmer,
David Peacock, perfekt schaffte, den Vibe einzufangen. Nadine hatte uns begleitet und
zauberte auf die Schnelle noch ein Festmahl.
Der nächste Tag begann weit vor Anbruch der Dunkelheit und führte uns nach zweistün-
digem Aufstieg zu den Startpunkten unserer Lines. Dort angekommen, waren wir positiv
überrascht, wie gut sich der Schnee dort gehalten hatte und wie leicht er war. In Kombi-
nation erschien uns das Risiko vertretbar und wir gaben grünes Licht. Und auch wenn
wir durch die bleibende Restunsicherheit nicht in der Lage waren, große Airs zu springen
oder Vollgas zu geben und stattdessen sehr sanft auf der Schneeoberfläche zu gleiten,
sind die Aufnahmen doch mit die Schönsten im Film, wie ich finde. Man fühlt es einfach,
wenn die Protagonisten durch echte Freundschaft verbunden sind.
Auch wenn das Geschriebene im Grunde nur wenige Momente beschreibt, die Highlights
zweier Jahre in den Alpen, so sind es doch diese Momente, welche mir in Erinnerung blei-
ben werden. Es waren intensive Drehtage, mit Unsicherheit und Zweifeln behaftet. Und
auch wenn die entstandenen Aufnahmen mit Sicherheit nicht die objektive Wahrheit wi-
derspiegeln, so sind sie doch die gefühlte Realität für uns Fahrer und damit eine legitime
Zusammenfassung jener Zeit in den Bergen.




