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Seite 76 | BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2015

LORRAINE HUBER

Warum sind Freeride Contests bei vielen

Fahrern eigentlich so unbeliebt?

von Lorraine Huber

Immer wieder hört man Freerider in der Öffentlichkeit sagen, wie froh

sie sind, dass sie keine Contests mehr fahren müssen. Man könnte

sogar so weit gehen und behaupten, dass die Teilnahme an Freeride-

Bewerben anscheinend nicht mehr cool ist, da Contest-Fahren ja kein

„Spirit“ hat. Bevor ich jetzt weiter

schreibe, möchte ich klar stellen, dass ich

von den Freeridern spreche, die in der Öf-

fentlichkeit über Contest-Fahren schlecht

reden. Selbstverstänich hat jeder oder jede

die Freiheit selber zu entscheiden, was sie

über Freeride-Wettkämpfe halten. Aber

warum haben viele Fahrer auch offenbar

das Bedürfnis, in der Öffentlichkeit immer

wieder negativ über Contest-Fahren zu

reden?

Ich bin jetzt einfach so böse und be-

haupte, dass sehr viele der „Anti-Contest-

Freerider“ selber nie Erfolg bei den

Wettkämpfen erlebt haben, sondern viel-

mehr eine enttäuschende oder schmerz-

hafte Erfahrung nach der anderen

gemacht haben. Und dann haben sie auf-

gegeben. Ja, es hat mich schon oft ver-

blüfft, wie schnell viele Rider das Handtuch werfen. Nach einer oder

zwei wenig erfolgreichen Saisonen Contest-Fahren, geben viele schon

auf. Wie kann man erwarten, eine so komplexe Herausforderung nach

nur so kurzer Zeit meistern zu können? Es geht nämlich nicht nur um

das gute Skifahren oder Snowboarden, vielleicht ist das sogar neben-

sächlich. Nein, es geht großteils um die gute Wahl und Planung einer

Linie ohne oft jemals dieses Face gefahren zu haben, es geht umWett-

kampf-Taktik und natürlich nicht zuletzt, um die mentale Fähigkeit, mit

dem oft großen Contest-Druck umgehen zu können. Und dann brauche

ich auch noch ein Quäntchen Glück das alles so aufgeht wie geplant,

ganz klar.

Contest-Fahren kostet natürlich Zeit und Geld, und fehlende Ressourcen

in beiden dieser Bereiche ist sicher der Haupt-

grund, warum viele Fahrer nach kurzer Zeit

wieder aufhören müssen oder wollen. In an-

deren Sportarten ist das aber nicht anders,

nehmen wir die Qualifier Series der World Surf

League her. Der Großteil dieser Surfer finan-

zieren ihre Teilnahme an denWettkämpfen aus

eigener Tasche, viele haben nicht einmal Ma-

terial-Vertäge mit Herstellern der Surf-Indus-

trie. Diese Kosten stellen eine Investition in

einer hoffentlich zukünftigen Surf-Karriere dar,

ein Traum für alle die in der hart umkämpften

Qualifier-Series sich messen wollen.

Der Großteil der österreichischen Profi-Freeri-

der haben ihre erfolgreiche Teilnahme an Free-

ride-Bewerben zu danken, dass sie es auf der

internationalen Freeride-Bühne geschafft

haben. Gute Beispiele sind Nadine Wallner,

Stefan Häusl oder Matthias Haunholder. Ohne

Freeride-Bewerbe wären sie nicht dort, wo sie jetzt sind. Also meine Lie-

ben, nimmt die Herausforderung an und gibt euer Bestes! Wenn man

ernsthaft sein Bestes gibt um bei den Contests erfolgreich zu sein, kann

man gar nicht anders als sich als Freerider und Mensch zu verbessern

und zu wachsen, und ist das nicht der ganze Sinn der Sache?

Sponsoren: Bergans of Norway, Lech Zürs, Kästle, Scott, Snowlife, Pieps,

Olympiazentrum Vorarlberg

www.lorrainehuber.com

Fotos: FREERIDEWORLDTOUR.COM / TLudovic Péron

Fotos: FREERIDEWORLDTOUR.COM / Tero Repo