RUMÄNIEN
BERGSTOLZ Ski Magazin Dezember 2015 | Seite 47
Spezielle Ideen verlangen nach Umsetzung! So kam es, dass der
Berchtesgadener Fotograf Klaus Listl sich zwei seiner besten
Freunde schnappte, um sein Konzept „Skifahren in Siebenbürgen“
in die Tat umzusetzen. Mit Andi Valentin und Moritz Schwarz an sei-
ner Seite, machte er sich im HYMERCAR Rio auf den 1300 km langen
Weg in die transsilvanischen Karpaten. Ziel des Trips - das Land und
die Leute kennen lernen und deren Mentalität erleben!
Am 14. Februar um vier Uhr früh schellt der Wecker: das Abenteuer be-
ginnt. Eine 13-stündige Fahrt durch 3 Länder und über 1000 Kilometer
mehr oder weniger gut ausgebaute Straßen trennen uns von unserem
ersten Stopp: Bran.
Über dem kleinen rumänischen Dorf thront das gewaltige Schloss Bran,
welches durch den Roman „Dracula“ von Bram Stoker Berühmtheit er-
langte und seither als Schloss Dracula präsentiert wird. Das Neu-
schwanstein der Siebenbürgen Karpaten.
Vor der atemberaubenden Kulisse des Schlosses stiegen wir auf einen
der nahen Hügel und zogen unsere ersten Spuren in den Schnee. Als
nächste Station wählten wir den bekanntesten Wintersportort
Rumäniens: Poiana Brașov. Die sonst am Land häufig genutzten Kut-
schen wichen den Luxuswagen und so mancher rollte mit dem Lambor-
ghini an, um den Tag auf der Piste zu genießen – verkehrte Welt!
Nach gründlicher Erkundung des Skigebietes stellten wir schließlich
fest, dass die frühlingshaften Temperaturen Abfahrten abseits der Pisten
schon unmöglich gemacht hatten. Natürlich konnte uns das die Stim-
mung nicht verderben und wir beschlossen, ein Geländer vor einer
Funkanlage am Gipfel zu bearbeiten.
Die Einheimischen, welche zu Fuß den Gipfel erklommen, um die Aus-
sicht des strahlend schönen Wintertages zu genießen, blieben häufig
stehen und sahen uns ungläubig dabei zu, wie wir das Geländer entlang
rutschten. Anscheinend ist Urban Skiing noch nicht in Rumänien ange-
kommen.
Für die akustische Kulisse fühlte sich der ansässige Wachhund der
Funkanlage verantwortlich und sorgte für das eine oder andere erschro-
ckene Zusammenzucken.
Nach den Strapazen des Tages freuten wir uns schließlich auf eine
warme Mahlzeit. Die rumänische Küche bietet einige Spezialitäten, die
allerdings nicht jedermanns Sache sind. Die servierte Kuttelsuppe war
nicht ganz nach unserem Geschmack, allerdings die darauf folgenden
„Mici“, eine typische rumänische Spezialität: gewürzte Hackröllchen aus
verschiedenen Fleischsorten und Gewürzen. Diese kann man überall
kaufen, da in diesem Land zu jeder Tages und Nachtzeit gegrillt wird
und auch in jeder Skihütte ein riesen Outdoor Kohlegrill zum Inventar
zählt.
Schließlich ging die Reise weiter zu einem der besten Freeride Orte
Rumäniens: Balea Lac. Im Sommer lässt sich der Berg über die
Transfăgărășan-Hochstraße überqueren, die schließlich durch einen
Tunnel das Argeș-Tal in der Großen Walachei mit dem Olt-Tal in Sie-
benbürgen verbindet. Im Winter ist die Straße jedoch tief verschneit und
lässt eine Überquerung mit dem Auto nicht zu, nur die etwas in die Jahre
gekommene Gondel karrt Touristen und Skifahrer zum Gebirgssee
„Balea Lac“ auf 2034 Metern Seehöhe. Wer denkt, hier mit der Gondel
unverspurte Abfahrten zu erreichen irrt, sie dient nur dazu, den „Start“
für die zahlreichen möglichen Touren zu erreichen. Alle Abfahrten muss
man sich hier hart erarbeiten und die Gipfel zu Fuß oder mit Touren-
ausrüstung erklimmen. Es gibt keine Tageskarten für die Gondel und
muss bei jeder Benutzung aufs Neue bezahlt werden.




