RIDERPROFILE
BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016 | Seite 39
RIDER PROFILE
HARRY
PUTZ
Die Freeride Filmfestival-Tour geht gerade wieder zu Ende.
Wie jedes Jahr gab es ein breit gefächertes Spektrum an
Freeride-Action zu sehen: von Tobi Tritschers erstem Alaska-
Abenteuer über „The White Maze“ von Matthias Haunholder
und Matthias Mayr zurück in die heimischen Berge mit Felix
Wiemers und Roman Rohrmoser. Programmdirektor des
Freeride Filmfestivals und somit verantwortlich für die Aus-
wahl des Gezeigten ist der ehemalige Snowboard-Profi Harry
Putz, auch bekannt als „The Fastest Rasta“.
Das Interesse am Filmen entdeckte er schon Mitte der 80er
Jahre während seiner Schulzeit. Damals schon wollte er ver-
stehen, wie etwas Ordentliches dabei rauskommt. Den be-
wussten Entschluss, Freerideaction auf Film zu bannen, traf
er ein paar Jahre später: „ImSnowboardfieber der späten 80er
und inspiriert von „Fire & Ice“, „Steep and Deep“ und vor allem
der „TB-Serie“ nahmen wir die Kamera mit ins Gelände. Ich
ärgerte mich wahnsinnig wegen der miesen Aufnahmen, die
meine Freunde vonmir machten. Blöderweise war ich der ein-
zige, der die Kamera halbwegs bedienen konnte. So entstand
mein erstes Werk etwa 1988 – wir schnitten von Kamera zu Vi-
deorecorder mit REC-PAUSE, unglaublich. Als Soundtrack
dienten Hits wie „Ice Ice Baby“ und der Name des Movies war
extrem kreativ: DOLGIT! So hieß nämlich die Salbe die schick-
salhafter Weise herumlag als wir um zwei Uhr Nachts das
Baby taufen wollten.“ Professionell wurde die Filmerei dann
während seiner Zeit als Profi. Mit seinen Partnern startete er
1998 die Blind-Bend-Serie, in der im Lauf der Zeit jede Menge
Szenegrößen vorkommen sollten: Flo Orley, Ueli Kestenholz,
Beckna, Nicki Pederzolli, Martin McFly Winkler und noch viele
viele mehr.
Genauso wie die Filmerei an sich entwickelte sich auch die
Idee für das Freeride Filmfestival nach und nach: „Ich hab an-
gefangen, meine Filme zusammen mit anderen Freeride-
Streifen in meinem Heimatort Lech vorzuführen. Ziemlich
schnell wurde mir da bewusst, wie viel Arbeit es ist, das alles
zu organisieren: Flyer, Sponsoren, Technik usw. Zufällig traf
ich dann Manfred Pascher, der viele Jahre lang das Filmfest
St. Anton verantwortet hatte und gernemehr in Richtung Free-
ride gehen wollte. So veranstalteten wir 2011 ein Festival für
österreichische Freeridefilme im Leo Kino in Innsbruck. 2012
taten wir uns dann mit Volker Hölzl und seinem Freeski-Film-
festival Vienna zusammen, und seitdem touren wir als Free-
ride Filmfestival durch Europa.“ Dabei war Harry immer
wichtig, eine Plattform für heimische Filme und Rider zu bie-
ten – noch heute bestehen 50% des Programms aus Filmen
von oder mit österreichischen Sportlern. Ansonsten wird ver-
sucht, ein möglichst abwechslungsreiches und vollständiges
Bild der Freeride-Szene zu liefern. „Um den klassischen Ski-
Porn machen wir einen Bogen, wir suchen Filme mit Inhalt
und Geschichte. Wir wollen Abenteuer auf die Leinwand brin-
gen und über allem steht der Anspruch an ein hohes fahreri-
sches Level der Athleten. Ich will unterhalten werden, mich
beimZusehen vergessen und zumNachdenken angeregt wer-
den, Aha-Erlebnisse haben“, erklärt der Programmdirektor
seine Auswahlkriterien. Die große Schwierigkeit besteht für
ihn darin, sich für einen Film zu entscheiden, den es noch gar
nicht in seiner finalen Version gibt. „Ich versuche aus den
Filmemachern herauszukitzeln, ob der Streifen was für uns
ist. Hin und wieder passiert es aber schon, dass ich den Jungs
und Mädels nahelege, noch was umzuschneiden - wir sehen
unsere Rolle als Freeride-Plattform auch kritisch und wollen
übertriebene Risikobereitschaft nicht heroisieren.“
Jetzt, wo das Freeride Filmfestival fast vorbei ist, geht’s für
Harry wieder selber zum Filmen: „Die meisten Aufträge sind
schon in den Startlöchern. Auch wenn das Filmfestival den
Großteil meiner Zeit in Anspruch nimmt – 80% meines Ein-
kommens verdiene ich als Freelancer. Diese Hingabe unter-
scheidet uns auch von anderen Festivals – den Hacken würde
sich keiner freiwillig antun.“ Und wenn er dann doch zwischen-
drinmal Zeit und Lust hat, könnteman Harry auch wieder con-
testmäßig treffen – schließlich hat er im April 2016 – nach
13jähriger Abstinenz – auf Anhieb den Banked Slalom imKüh-
tai gewonnen.
oben: Simon Rainer
Action rechts: Alex Kaiser
www.freeride-filmfestival.com„Der Sieg nach 13jähriger Contest-Abstinenz wär doch erwähnenswert“
Alter:
43
Home:
Innsbruck
Beruf:
Filmemacher
Filmempfehlungen:
Guido Perrini „Ten“
Jeremy Jones „Deeper-Further-Higher“
Xavier De Le Rue “White Noise”
Harry Putz “Mönch, Glaube bis ins Tal”
Blind-Bend Vimeo Channel




