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GEORGIEN

BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016 | Seite 55

Im Februar 2016 machten wir uns auf denWeg nach Georgien. Unsere bay-

rische Crew mit Andi Valentin, Tine Listl und Johannes „Jojo“ Scharl wurde

vom Photographen Klaus „der General“ Listl begleitet. Vielen, denen wir

von unserer Reise erzählten, stand die Verwunderung ins Gesicht geschrie-

ben: Zum Skifahren? Haben die überhaupt Berge? Sprechen die Englisch?

Ja – Jaaaa – Nein!

Schon auf dem Zwischenstopp in Kiev, wir flogen mit der ukrainischen Airline

UIA, machte uns vor allem letzteres Probleme. Denn die ABS-Kartuschen mit

dem englischen Data-Sheet lösten nur Verwirrung und Alarm aus. Nach ner-

vösen 1,5 Stunden des Wartens durften wir aber mit unseren Kartuschen doch

durch den Securitycheck. Das Data-Sheet gibt es übrigens auch auf kyrillisch

– man lernt nie aus. Nach einem Beruhigungsbier ging es weiter nach Tiblisi

(Tivlis), der Hauptstadt von Georgien.

Von dort sind es etwa 2,5 Stunden bis zum größten Skigebiet Georgiens,

Gudauri, nahe der russischen Grenze. Mit über 70 Pistenkilometern und

modernen Liftanlagen reicht das Gebiet bis auf 3100 Meter hinauf. Doch mit

diesem Gipfel ist noch lang nicht Schluss. Unzählige höhere Berge umgeben

das Gebiet, gekrönt vom mächtigen, eisigen Kazbegi mit 5047 Metern.

Gegenüber unseren gewohnten Alpen ist der Kaukasus gewaltig. Das gesamte

Gelände ist hochalpin mit weiten Hängen, steilen Spines und technisch an-

spruchsvollen Couloirs. Vom höchsten Lift ist das alles easy zu erreichen und

so tobten wir uns die ersten Tage richtig aus. Unser Guide Oleg gab uns den

Tipp, auf der Rückseite des Skigebiets abzufahren, wo uns Abfahrten von 1

Kilometer unberührtem Schnee winkten. Zurück kamen wir per Anhalter mit

sehr freundlichen und hilfsbereiten Georgiern. Oleg zeigte uns auch im Hin-

terland gigantische Hänge, die von der selben Passstraße mit kurzen Touren

erreichbar sind. Auch kulturell und kulinarisch wurden wir sehr verwöhnt. Im

Skigebiet bekommt man Kebab vom Grill, deftige Georgische Bratwürste mit

„versteckten“ Fetten und das landestypische Katchapuri, ein Pizzafladen ge-

füllt mit viiiel Käse. Die Küche hat orientalisch-türkischen Einfluss und für

Vegetarier nicht allzu viel übrig. Das Highlight war eine Einladung zum Mit-

tagessen von Ketina in einem winzigen Dorf kurz vor der Grenze. Die

georgische Hausfrau kochte für uns auf, dass sich die Tischplatte bog: Bach-

forellen, verschiedene Salate, Käse in allen Formen, Chinkali (Teigtaschen ge-

füllt mit Hackfleisch oder Steinpilzen) und natürlich Khachapuri. Und dazu

selbstgebannter Chacha und hausgemachter Rotwein. 2 Stunden später waren

wir voll rauschig und pappsatt und Oleg meinte: „Let’s go skitouring!“ Eh

klar! Für ihn war’s lustig, volltrunkene Europäer den Berg runterpurzeln zu

sehen. Nach diesen perfekten Tagen in Gudauri machten wir uns auf ans

andere Ende des kleinen Landes.

Quer durchs Land, am Schwarzen Meer scharf links, vorbei an Teeplantagen

und Bambusbüschen kamen wir zu einer Straße, die diese Bezeichnung ei-

gentlich nicht verdient hat. Wir waren gespannt, was uns am Ende dieses