Seite 56 | BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016
GEORGIEN
„besseren“ Feldweges erwartete. Gut geschüttelt kamen wir nach insgesamt
14 Stunden Fahrt für 350 Kilometer im nagelneuen Skigebiet Goderdzi an.
Es wurde zwei Monate zuvor eröffnet und von der Regierung mit einer na-
gelneuen 8er Gondel und einem Doppelmayr 6er Sessel sowie zwei Snowcats
ausgestattet. Nur die Zufahrtsstraße haben sie wohl in der Eile vergessen.
Laut den Einheimischen ist sie aber schon in Planung und dürfte jetzt dann
bald fertig sein. Nach der langen Fahrt wurden wir trotz der späten Stunde
(halb eins in der Nacht) noch sehr herzlich und mit einem Festmahl von Olegs
Freund Badri und seiner Frau in ihrem kleinen Guesthouse empfangen. Drau-
ßen lagen noch die Beine der amVorabend geschlachteten Kuh. Auf dem Tisch
die Schlachtplatte, dazu gab es eingelegte Gurken und Bohnengemüse. Die
Tradition verlangt, dass der Tamada die Gäste mit seinen Trinksprüchen bei
Laune hält und so floss auch hier reichlich Hauswein. Geweckt vom morgend-
lichen Ruf des Mullahs realisierten wir, wie nah wir uns nun an der türkischen
Grenze befanden. Gemütlich machten wir uns am nächsten Tag auf zum Ski-
gebiet, denn die öffnen meist erst um 10 Uhr. Vom Lift aus war das Back-
country schnell zershredded und so ließen wir uns vom Snowcat oberhalb des
lichten Waldes und der vereinzelten Almhütten aussetzen. So war ein gewal-
tiges Gebiet befahrbar. Danke an Oleg und die netten Locals! Bei unserer Ab-
reise organisierte Badri die Bullen seines Nachbarn, um unser Gepäck den
steilen Weg durch das Dorf zurück zum Auto zu transportieren, alle Männer
des Dorfes beäugten uns Fremde und freuten sich über die Abwechslung im
kalten, tristen Winter.
Nach einem weiteren Tag im Auto erreichten wir Mestia im Norden des Lan-
des. Das Gebiet Swanetien war bis in die 50er Jahre noch völlig autark und
für Touristen bis 2009 wegen Clanstreitigkeiten und Überfällen sehr gefähr-
lich. Unzählige Schutztürme zeugen von den Fehden zwischen den Clans und
wir fühlten uns ins Mittelalter zurückversetzt. Am nächsten Tag wurde das
neue Skigebiet Tetnuldi eingeweiht, es kam sogar der Premierminister. Er
musste dann wegen der schlechten Straße mit einem MI 8 Helikopter von der
Boarder Patrol ausgeflogen werden. Die Lines um den einzigen bis jetzt fer-
tigen Lift waren schnell platt gefahren, daher ließen wir uns den kostenlosen
Glühwein schmecken. Auch die Kinder der anderen Gäste zapften sich das




