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Seite 62 | BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016

LORRAINE HUBER

Das Stehaufweibchen

von Lorraine Huber

In meiner letzten Kolumne vom vergangenen Winter schrieb ich über meine op-

timale Saisonsvorbereitung für die FreerideWorld Tour. Ich war körperlich in Hoch-

form, hatte in Neuseeland sowie im Herbst am Gletscher an meiner Technik

gearbeitet und deutliche Fortschritte gemacht, konnte amArlberg trotz allgemei-

nem Schneemangel im Alpenraum super trainieren, hatte mein Material perfekt

abgestimmt und fühlte mich mental stark und bereit für die bevorstehenden He-

rausforderungen auf der Tour. Dann beim ersten Stopp der FWT 2016, bei der

ersten Contest-Fahrt des Winters, nahm ich einen Sprung mit etwas zu wenig

Tempo und landete auf einem Stein. Das Resultat: Tibiakopf-Fraktur, eingerissener

Wadenmuskel und Setzung einer Schraube um sicher zu gehen, dass der Knochen

wieder perfekt zusammen wächst. Zum zweiten Mal in Folge waren meine Ziele

und Träume, eine gute Contest-Saison hinzulegen, dahin. Zum zweiten Mal in

Folge gelang mir auch ein sensationelles Comeback nur fünf Wochen nach meiner

Operation mit einem vierten Platz bei der FWT Fieberbrunn (2015 belegte ich bei

der FWT Fieberbrunn den 3. Platz nur fünf Wochen nach einem Knöchelbruch).

Viele Menschen wollen von mir wissen wie ich es immer wieder schaffe, mich

nach Niederlagen aufzurappeln und weiterzumachen. Woher hole ich mir denn

die Kraft?

Als aller erstes war ich in der Lage, meine Verletzung relativ rasch zu akzeptieren. Als ich mein Knöchel brach war ich zuerst richtig

niedergeschmettert. Ich war frustriert und enttäuscht und hatte das Gefühl, es sei einfach nicht fair, ich hatte doch so hart dafür

gearbeitet um eine super Saison hinzulegen! Ich fühlte mich auch etwas panisch, hatte Angst, meine hart erarbeitete Kondition würde

flöten gehen. Ganz wichtig war, dass ich mir diese Emotionen bewusst war und ich ließ sie auch zu. Nach zwei Tagen war dann Schluss

damit. Ich lenkte meine volle Aufmerksamkeit auf meine Reha und auf das, was ich jetzt tun konnte, um meinen Körper im Heilungs-

verlauf optimal zu unterstützen - und da gab es jede Menge zu tun. Ich setzte mir ein klares Ziel: bei der FWT Fieberbrunn zu starten.

Hätte ich mir kein Ziel gesetzt, wären meine psychischen Kräfte zerstreut und mein Energielevel reduziert gewesen. So hatte ich selbst

während der Reha eine gute Zeit, da ich mich mein Ziel stetig näherte und selber viel dafür tun konnte. Wichtig für mich waren auch

die Menschen um mich herum. Erstens meine Familie, die voll hinter mir stand, und zweitens das Team sowie andere Athleten in der

Reha im Olympiazentrum Vorarlberg, wo ich bestens aufgehoben war.

Der dritte bzw. vierte Platz bei der FWT Fieberbrunn 2015 und 2016 fühlte sich für mich wie ein Sieg an. Denn die bedeutendsten

Siege sind ja diejenigen, wofür man auch am härtesten kämpfen muss.

Sponsoren: Bergans of Norway, Lech Zürs, Kästle, Scott, Snowlife

www.lorrainehuber.com

Fotos: Philipp Steurer

Foto: Mia Knoll