Seite 58 | BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016
GEORGIEN
ein oder andre Glas. Am nächsten Tag konnten wir es kaum erwarten bis die
Lifte des zweiten Skigebiets Hatsvali um 10 Uhr ansprangen, es hatte einen
halben Meter Pow! Die Pisten waren nicht gewalzt und nachdem wir unseren
Spaß hatten, bot sich uns ein Local mit Heckeinsteigern, Hellbent und Musik-
box als Guide an und zeigte uns die versteckten Treeruns. Hier heißt es NICHT
„No friends on Powderdays“. Später fanden wir heraus, dass diese jungen
Burschen die Mountain Rescue darstellten. Wir feierten mit unseren neuen
Freunden bei Chacha und Hauswein mit Oleg als Dolmetscher. Gagimard-
schos! Prost! Verkatert traten wir die letzte Etappe, unser persönliches „Ende
der Welt“ an. Hier zeigte sich noch einmal, dass der Mitsubishi Delica höher
gelegt mit Vierradantrieb und Ketten das richtige Auto für diesen Trip war. Erst
nach Abklärung, ob die Straße frei war starteten wir, um durch enge Schluch-
ten, durch abgeschiedene Dörfer und über einen Geröllhang aus Schieferfels
ins höchste ganzjährig bewohnte Dorf Europas, nach Ushguli zu reisen.
Umgeben von riesigen Gebirgsketten auf deren Rückseite die Russen lauern,
liegt das mittelalterliche Dorf. Nur zu Fuß erreicht man die Hütten und die
wenigen massiv gebauten Gasthäuser. Im Winter verschlägt es hierher nur
wenige. Auf den Wegen tummeln sich Kühe, Pferde und Schweine und die
Einwohner freuten sich über unsere Kontaktversuche auf Georgisch. Mit Fellen
und der richtigen Ausrüstung bestiegen wir einige der Flanken und Oleg grub
ein ordentliches Schneeprofil, denn einen Lawinenwarndienst gibt es hier
nicht. Von Ushguli aus gibt es Tourenmöglichkeiten für jeden, vom Rookie bis
zum Experten, von Südhang bis Nordhang, von weiten Hängen bis zu engen
Spines. Die Gastfreundschaft ist auch hier sehr groß geschrieben und die Ba-
bushka kocht feinstes Essen, gewürzt mit super intensivem Bergkräutersalz.
Aber auch hier ging unsere Zeit zu Ende und so begaben wir uns auf den ein-
tägigen Rückweg Richtung Hauptstadt. Tiflis ist eine Stadt, die unerwartet
modern und sehr europäisch ist. Ein richtiger Kulturschock, wenn man am
Vortag noch zwischen Türmen, Schweinen und Kühen herum gelaufen ist.
Noch schnell ein Abstecher in die bekannten Schwefelbäder von Tiflis – Ent-
spannung pur, ein letzter ChaCha - Gagimardschos und ab ging’s Richtung Hei-
mat. Eine Reise nach Georgien ist definitiv zu empfehlen - abenteuerlich, hohe
Gastfreundschaft und was für Skifahrer am wichtigsten ist: Mächtige Berge!




