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Seite 60 | BERGSTOLZ Ski Magazin NOVEMBER 2016

EQUIPMENT

LAYERING

Layering oder Lagenlook – die Modemagazine be-

kommen aktuell gar nicht genug davon. Da waren

wir Sportler/innen ja offensichtlich wieder mal dem

Trend voraus, denn wir sind schon gefühlte Ewigkei-

ten im Zwiebellook am Berg unterwegs. Mittlerweile

hat es sich herumgesprochen, dass man sinnvoller-

weise mehrere Schichten an Kleidung miteinander

kombiniert, um ein möglichst gutes Körperklima zu

erreichen, egal was man gerade vorhat. Der Base-

layer direkt auf der Haut nimmt Feuchtigkeit auf und

leitet diese auf die Stoffaußenseite, wo sie sich ver-

teilt und verdunsten kann beziehungsweise durch

die nächste Schicht geleitet wird. Der Midlayer dient

der Wärmeisolierung und dem Weitertransport der

Feuchtigkeit auf die Außenseite der Bekleidung.

Wetterschutz bietet dann noch das Outershell – ob

als Soft- oder Hardshell. Weil es aber eine fast un-

überschaubare Anzahl an Fabrikaten, Materialien

und Namen für die Stoffe gibt, haben wir die Exper-

ten um ihre Layering-Tipps gebeten.

Polartec

Polartec ist der Pionier in puncto funktioneller Lagen-Systeme. Das Polar Fleece war das

erste Fleece auf demMarkt: ein weicher Stoff, der ausgezeichnet isoliert aber trotzdem leicht,

temperaturregulierend, atmungsaktiv und klein komprimierbar war, dabei aber pflegeleicht,

waschmaschinenfest und schnell trocknend. Heute hat Polartec über 400 verschiedene

Stoffe im Angebot und ist der einzige Hersteller, der von Next-To-Skin bis Outershell alle

Lagen produziert. So können die Schichten untereinander auch optimal abgestimmt werden.

Zum Freeriden und für Skitouren empfiehlt Polartec ein Schichtsystem aus den hauseigenen

Materialien Polartec Power Wool™ oder Polartec Power Grid™ als Basis, eine mittlere

Schicht aus Polartec Alpha und ein Hardshell aus Polartec NeoShell. Das neue Polartec

Power Wool™ ist ein 2-Komponenten-Strick mit Merinowolle auf der Innenseite und einer

synthetischen Faser auf der Außenseite. So wird Feuchtigkeit schnell von der Haut weg-

transportiert, der Stoff ist geruchshemmend durch die Wolle, bleibt aber formtreu durch die

Synthetikfaser. Die Wärmeisolation Polartec Alpha ist ein durchgehendes einschichtiges Ge-

strick, was den Vorteil hat, dass es nicht verrutschen kann und sich keine Fasern lösen. Des-

halb lässt es sich auch mit sehr porösen Stoffen auf Innen- und Außenseite verarbeiten –

eine sehr atmungsaktive Isolationsschicht ist die Folge, und damit hoher Tragekomfort auch

beim Aufstieg gegeben.

Das ebenfalls neu entwickelte Polartec NeoShell kombiniert als Wetterschutz die Eigenschaf-

ten von Soft- und Hardshell: Mit einer Wassersäule von 10.000mm ist es ausreichend was-

serdicht und durch einen Zwei-Wege-Luftaustausch mittels einer exklusiven

Submikronfaser-Membrane erreicht es eine hervorragende Atmungsaktivität sowohl im sta-

tischen Zustand als auch in Bewegung.

PrimaLoft

Wohl beinahe jeder Wintersportler hat mindestens eine PrimaLoft Jacke zuhause im Schrank

hängen. Die funktionale Kunstfaser-Wärmeisolierung hat gegenüber Daune den Vorteil, dass

ihr Nässe nichts ausmacht – auch in nassem Zustand behält das Material ca. 95% seiner

Isolationseigenschaften. Außerdem ist sie leicht, atmungsaktiv und kann sehr kompakt

verstaut werden. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Qualitäten liegt in der Füll-

menge. Der neueste Wurf ist die PrimaLoft Gold Insulation Active, eine wasserabweisende

4-Way-Stretch-Isolation aus speziell behandelten Mikrofasern mit hoher Atmungsaktivität

und Wärmeleistung, die perfekt für anspruchsvolle Outdoor-Abenteuer geeignet ist. Das Ma-

terial wurde besonders für schweißtreibende Aktivitäten wie Skitouren entwickelt.

Ortovox

Die Merino-Spezialisten von Ortovox haben mittlerweile jede Menge verschiedene Materi-

alkombinationen mit der feinen Merinowolle im Programm. Die ist ja bekannt dafür, Feuch-

tigkeit schnell von der Haut weg zu transportieren und geruchsneutralisierend zu wirken. Für

unterschiedliche Einsatzbereiche empfehlen sie daher auch unterschiedliche Schichten fürs

Layering – Merino inklusive.

Die Basis für einen gelungenen Freeride-Tag bildet die Unterwäsche aus reiner Merinowolle.

Als Isolationslayer kommt das Merino Fleece Plus zum Einsatz, das die Wolle auf der Innen-

seite mit einer Polyesterfaser außen verbindet, und jetzt in einer 350 g/m²-Variante noch wär-

mer ist. Dabei ist dieses Material atmungsaktiv und robust. Alternativ dazu wird in der 2L

Swisswool Black Linie die wärmende Wolle schwarzer Schafe mit einer Dermizax NX Mem-

bran zu einem wetterdichten und atmungsaktiven Material mit 2-Way-Stretch kombiniert.

Da Skitouren bewegungsintensiver ist und man mehr schwitzt, ist hier eine Baselayer aus

105 Merino Ultra besser geeignet. Beim verwendeten Nyuarn-Garn werden die Wollfasern

um einen Polyamidkern gesponnen, der das Material leichter und voluminöser macht und

gleichzeitig die Elastizität erhöht. Als 2nd Layer sollten wieder Merino-Kunstfaser-Materialien

zum Einsatz kommen, die leichte Wärmeisolation bei höchstmöglicher Atmungsaktivität bie-

ten. Auch bei der Outer Shell kann die Wolle gewinnbringend eingesetzt werden: dabei wird

sie mit jeweils unterschiedlichen Membranen kombiniert, um verschiedene Ansprüche op-

timal zu bedienen. Beispielsweise ergibt die Kombination mit der c change Membran von

Schoeller eine äußerst leistungsfähige Softshell, während die Verarbeitung mit Dermizax NX

oder EV ein wetterdichtes 3L-Material ergibt.

Was muss Skitouren- und Freeridebekleidung

können?

„Warm und Trocken“ ist die Formel! Die Beklei-

dung muss vor allem die Feuchtigkeit vom Körper

wegbekommen. Für alle, die sie vertragen, ist Me-

rinowolle hier das Non-Plus-Ultra, oder auch Kom-

binationsfasern mit Merino. Kunstfaser

transportiert Feuchtigkeit so gut von der Haut weg,

dass sie sich in Ruhephasen durch die Verduns-

tungskälte nass und kalt anfühlt. Daher empfehlen

wir diese Materialien nur, wenn man sehr stark

schwitzt, wie beim Skitouren-Renntraining.

Wie kombiniert man die unterschiedlichen

Lagen miteinander?

Als Baselayer würde ich sowohl für Skitouren als

auch fürs Freeriden Merino empfehlen, da die

Wolle bis zu 1/3 ihres Gewichts an Feuchtigkeit

aufnehmen kann, ohne sich nass anzufühlen.

Die Isolationsschicht wählt man je nach Kälte-

empfindlichkeit und Temperatur. Von Fleece bis

zu Daune ist die Auswahl riesig, dabei haben sich

neben Fleece Kunstfasern wie PrimaLoft oder Po-

lartec Alpha bewährt. PrimaLoft kann man sich

wie gestapelte Watte vorstellen, die Fasern ste-

hen in alle Richtungen, wodurch das Material

hervorragend isoliert, aber nur wenige Kanäle

bietet, über die Feuchtigkeit entweichen kann.

Polartec Alpha hingegen sieht ähnlich wie ein

High Loft Fleece aus: es isoliert weniger gut als

PrimaLoft aber atmet durch die gerichteten Ka-

näle wesentlich besser.

Auch den 3rd Layer wählt man nach Bedarf,

wobei Freeridebekleidung auf jeden Fall wasser-

dicht sein muss – mit einem reinen Softshell hat

man hier wenig Freude. Das passt dafür für Ski-

touren sehr gut. Die Sache mit Hardshells ist die:

die Membrane atmen umso besser, je höher das

Druckgefälle - sprich der Unterschied zwischen

Temperatur in der Jacke und außerhalb - ist. Bei

-10 Grad funktioniert ein Hardshell also deutlich

besser als bei +10 Grad im Frühjahr – da kann

es beim Aufstieg schon passieren, dass die von

der Haut abtransportierte Feuchtigkeit an der

Innenseite der Jacke kondensiert. Wenns warm

ist also lieber ein Softshell nehmen bzw. das

Hardshell beim Aufstieg ausziehen.

Welche Kleidungsstücke sollte denn jetzt jeder

Freerider im Schrank haben?

Auf jeden Fall einen gscheiten Satz Unterwäsche!

Der Baselayer ist das wichtigste, wenn die Feuch-

tigkeit nicht von der Haut wegkommt ist alles an-

dere überflüssig. Dazu ein Fleece, eine PrimaLoft

oder Polartec Alpha Jacke – es gibt mittlerweile

auch hervorragende Materialien, die Kunstfaser

und Merinowolle kombinieren - und ein gutes

Hardshell bzw. Softshell zum Skitouren. Die abso-

lute Top-Membran am Markt ist derzeit Dermizax

NX, wobei beim Freeriden nichts über Gore Pro

geht, es ist einfach das robusteste Material und

hält mechanische Belastungen am besten aus.

EXPERTEN TIPP 

von BELA ELBICH

Stv. Filialleiter Bergzeit |

Gmund – Moosrain