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OLYMPIC POWDER PARADIES SOTSCHI


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Powder-Paradies Sotschi??? Das waren doch die Olympischen Winterspiele am Schwarzen Meer, mit mediterranem Klima, die von Vancouver-2010-Temperaturen so weit entfernt waren wie – sagen wir – Skifahren von Synchronschwimmen (ohne den Synchronschwimmern zu nahe treten zu wollen). Das waren doch auch die Olympischen Spiele, die im Vorfeld Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten auf den Plan riefen, weil im Tal der Msymta anlässlich der Olympischen Winterspiele 2014 (unter zumindest fragwürdigen Umständen) horrende Infrastrukturmaßnahmen gigantischen Ausmaßes vorgenommen wurden.

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Unter anderem wurden einfach vier Skigebiete aus dem Boden gestampft. Die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi – das waren dann letzten Endes aber auch Medaillenregen und kollektiver Skifahrer-Taumel in Österreich und Deutschland. Maria Höfl-Riesch wird Olympiasiegerin in der Super-Kombi und holt sich dazu noch Silber im Super G, der „große“ Bruder Österreich kriegt sich vor lauter Begeisterung kaum mehr ein: Matthias Mayer, Mario Matt und Anna Veith (damals noch Fenninger) holen Olympiagold, einen ganzen Strauß an Edelmetall in Silber und Bronze gibt’s für den ÖSV dazu. Also ernsthaft jetzt: Powder-Paradies Sotschi?

Oh ja! Definitiv! Die nackten Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: November und Dezember sind mit durchschnittlich mehr als 120mm Niederschlag die niederschlagsreichsten Monate des Jahres, kältester Monat im Jahresschnitt ist der Januar. Zum Vergleich: In München fallen im November und Dezember nur um die 60mm Niederschlag, in Niseko dafür ca. 140mm. Da hören sich 120mm eigentlich ziemlich gut an, oder? Und klar, die Durchschnittstemperatur liegt zwar bei warmen 2,3 Grad Celsius im Januar, aber das sieht auf 1.000 Metern Seehöhe auch wieder anders aus…

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Dass Gorky Gorod richtig lohnenswerte Freeride-Gebiete sind wussten wir – Thibaud und Stéphane – schon lange. Das feuchte Klima am Schwarzen Meer mit unglaublich viel Regen sorgt in den Bergen für Massen an fluffigem Powder. Das erste Mal selbst davon überzeugen konnte ich mich 2010. Was für ein Unterschied! Damals bestand das Skigebiet aus gerade mal zwei klapprigen, alten Sesselliften, seit 2014 ist es ein modernes Skiresort mit stylischen Unterkünften. Kurz und gut: Krasnaya Poliana steht eigentlich jedes Jahr irgendwie auf unserer Travel-Liste.

Von Moskau nach Sotschi ist es nur ein Katzensprung: Am Flughafen Sheremetjevo – dem größten im Großraum Moskau - schauen, dass man seinen Anschluss nicht verpasst und gerade mal zwei Stunden später in Sochi an der „Russischen Riviera“ am Schwarzen Meer aussteigen. Krasnaya Poliana ist dann noch 45 Minuten mit dem Auto entfernt – für russische Verhältnisse also praktisch genau so weit wie der Weg zum Kiosk. Dennoch kann sich die Anreise schon auch mal spannend gestalten: Von den Taschendieben in der Metropole Moskau (einmal wurde uns der Pass geklaut), über Begegnungen mit den russischen Behörden (manchmal sind offizielle Dokumente eben doch nicht ausreichend…) bis hin zu Polizisten, die einen Pass auch mal nur gegen einen Unkostenbeitrag in Rubel zurückerstatten – nichts, was die Klischees sagen, ist nicht auch schon mal passiert…

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In den letzten Jahren bleiben aber fast nur mehr die Taschendiebe über, vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Vier Skiresorts gibt es in Krasnaya Poliana, wobei Gorky Gorod das nächstgelegene zur Ortschaft ist. Das Bergdorf, in dem die Skibewerbe der Olympischen Winterspiele 2014 ausgetragen wurden, ist berühmt für seine Schneequalität, die man sonst nur in Kanada oder Japan findet: Auf ca. 600 Metern Seehöhe liegt es eingebettet zwischen den Bergen des Kaukasus, die hier auf über 3.000 Meter reichen. Die Nähe zum Schwarzen Meer sorgt für ordentlich feuchte Luft und entsprechend ausgiebige Regenfälle – die im Winter luftig leichte Schneeflocken meterhoch auftürmen.

Überhaupt der Kaukasus: Auf über 1.200 Kilometern erstreckt er sich zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer und ist die höchste Bergkette Europas. Diese Bergkette stellen die Grenze zwischen Europa und Asien dar, und so hat der höchste Berg des Kaukasus, der Elbrus, mit seinen 5.642 Metern, den Mont Blanc offiziell als höchsten Berg Europas abgelöst.

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Der Einfluss des Schwarzen Meeres auf das lokale Klima in Krasnaya Poliana ist krass – aber krass geil halt: Wolken bilden sich über dem Meer und lassen ihre wertvolle, feuchte Fracht an den ersten Ausläufern der östlich gelegenen Bergkette gleich wieder fallen. Immer und immer wieder, und das ganze Jahr über. Obwohl der Ort nicht sehr hoch liegt, sind die Temperaturen in der dunklen Jahreszeit richtig winterlich und es schneit. Viel. Sehr viel, um genau zu sein: Die durchschnittliche kumulative Schneehöhe liegt bei 15 Metern pro Jahr. In Worten: Fünfzehn! Japan lässt grüßen…

Wie gesagt gibt es rund um Krasnaya Poliana vier Skiresorts: Gorky Gorod ist das erste Skigebiet, das man am Weg durch das Tal durchquert. Es liegt direkt vor dem Ort Estosadok und wurde 2010 eröffnet. Es folgen Gazprom – offiziell das Gazprom Mountain Resort Laura, Alpika und schließlich Rosa Khutor. Für uns Europäer ist die Vorstellung doch irgendwie seltsam, dass diese Skigebiete hier einfach aus dem Nichts gestampft wurden, 40% der Kosten trug das Energie-Imperium Gazprom. Und so ist halt jetzt auch ein Skigebiet nach dem Konzern benannt.

Für unser „Russian-Freeride-Abenteuer“ entscheiden wir uns für Gorky Gorod. Aus einem einfachen Grund: Das beste Freeride-Gebiet! Im Gegensatz zu 2010 fanden wir 2019 durchaus illustre Gesellschaft für unsere Runs, denn Freeriden boomt hier. Viele junge Leute aus dem Tal schnallen sich zunehmend breitere Ski unter die Füße, so findet man auch immer Locals wie Veronika Sorokina, die gerne ihre besten Tipps mit einem teilen.

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Das Skigebiet erstreckt sich rund um drei lange Gondeln, die die Skifahrer bis auf den Gipfel bringen. Grundsätzlich ist das Gorky Gorod Ski Center auf vier Ebenen angelegt: Auf 540 Metern Seehöhe liegen Hotels, Restaurants, Shoppingcenter, Bars, Discos, ein Indoor-Wasserpark und sogar eines der in Russland sehr seltenen Casinos – Gorki 540 ist das Herz des Resorts, und sein Puls schlägt schnell, Sommers wie Winters.

Mit der ersten Gondel geht’s rauf nach Gorki 960 – und welche Überraschung! Diese Ebene liegt auf 960 Metern Seehöhe. Auch hier findet man Hotels, Bars und Restaurants – aber auch die ersten Pisten inklusive Flutlichtanlage. Die Gondelzeiten, die diese beiden Levels verbinden, sind äußerst gästefreundlich: Von acht Uhr morgens bis elf Uhr abends kann jeder zwischen oben und unten pendeln.

Dann wird’s aber endlich schön langsam interessant, denn die zweite Gondelsektion führt bereits auf 1.500 Meter Seehöhe, wo es in puncto Infrastruktur schon nur mehr ein paar Bergrestaurants gibt. Schließlich aber geht’s hinauf auf 2.200 Meter und von dort mit Sesselliften weiter in die angrenzenden Täler. Der höchste erschlossene Punkt ist die „Schwarze Pyramide“ des Aibga-Kammes auf 2.340 Meter, der ein überwältigendes Panorama bietet. Vom Schwarzen Meer bis zu den Bergketten des Kaukasus reicht der Blick.

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Insgesamt erschließen vier Gondeln und sieben Sessellifte das immens weitläufige Gebiet – und das ist das Interessante: Nicht nur das Skigebiet, sondern auch ein Freeride-Areal der Extraklasse! Der längste Run führt von ganz oben bis ganz unten – 1.475 Höhenmeter gesamt. Vom Gipfel weg gibt es hauptsächlich drei komplette Freeride-Zonen, einfallsreich benannt Circus 1, 2 und 3. In einem „normalen“ Winter fallen 15 Meter Schnee, und zwar leichter und fluffiger Powder, größtenteils ohne Wind – was sich bekanntermaßen positiv auf die Stabilität der Schneedecke auswirkt. Wer gerne zwischen den Bäumen aufs Gas drückt, der ist hier richtig – besser gehen Treeruns einfach nicht! Und bevor wir es vergessen: Krasnaya Poliana bedeutet in etwa „schöne Lichtung“ – und das ist freeride-technisch Programm!

Zum Einfahren empfiehlt sich Circus 1 ganz rechts der Gondel: Weites, offenes und nicht allzu technisches Gelände lädt für Fun-Runs ein. Entweder fährt man die weiten Schneefelder einfach in der Falllinie oder entscheidet sich für die linke Seite mit ein paar Felsbändern. Gutes Warmup auch der Weg zurück zum Lift – auf dem flachen Forstweg kommt man ums Schieben nicht herum.

Die offensichtlichste Freeride-Area ist der Circus 2. Der Einstieg findet sich direkt unter der Gondel, der Run orientiert sich dann nach links. Mehrere Varianten werden von Waldbändern gesäumt, und man endet direkt über der oberen Stadt. Mit seinen vielen kleinen Bächen und Holz-Ridges ist dieser bekannteste und beliebteste Freeride-Run nicht der am einfachsten zu erreichende, er bietet auch schier unendliche Abwechslung zwischen Treeruns und weiten offenen Passagen. Während eines ordentlichen Schneesturmes, an dem auch mal 20cm Fresh Pow innerhalb einer Stunde fallen, bleibt man am besten einfach hier: Bessere Sicht im Wald plus viel Abwechslung plus Spuren nach einer Stunde wieder zugeschneit – warum also mehr Risiko eingehen?

Für Circus 3 nimmt man den letzten Sessellift nach ganz oben – nicht immer einfach, denn bei Wind ist der geschlossen. Auch hier findet man Treeruns und offene Schneefelder. Die enden allerdings des Öfteren im Nirgendwo bzw. ganz einfach an einem Cliff. Wenn man auf diese Art von Erlebnis verzichten kann, dann nimmt man sich besser einen lokalen Guide bzw. schließt sich den Locals an.

Auch wenn Rosa Khutor das bekannteste der vier Skigebiete in Krasnaya Poliana ist: Das kleinere Gorky Gorod Skiresort mit seinen 30 perfekt beschneiten Pistenkilometern und modernsten Anlagen, sowie seiner umfangreichen Infrastruktur kann in Sachen Luxus sicher mit den weltweiten Top-Destinationen mithalten. Der wahre Champion ist es aber seiner Schneemenge und –qualität wegen. Das ist es nämlich, an das wir uns aus Gorky Gorod erinnern.

Infobox

ANREISE //

Mit dem Flugzeug von München über Moskau nach Sotschi ab ca. 250 Euro (Flugdauer 7 Stunden). Ein Mietauto kostet ab ca. 20 Euro pro Tag.

ÜBERNACHTEN //

In Krasnaya Poliana gibt es mittlerweile Übernachtungsmöglichkeiten zuhauf. Da findet jeder in seiner gewünschten Preisklasse was Passendes. Wir haben uns für ein Appartment in Liftnähe entschieden.

ESSEN //

Wer gut und günstig essen möchte, entscheidet sich für kaukasische, georgische oder russische Küche – schmeckt hervorragend! Unbedingt „Kinkali“ probieren, eine Art Riesen-Ravioli mit Fleischfüllung, der in weiße oder Tomatensauce gedippt wird. Außerdem empfehlenswert: Khatchapouri. Das ist eine Art Fladen, der mit Kuhmilchkäse gefüllt wird und über den optional noch ein Spiegelei kommt.

LIFE HACKS FÜR RUSSLAND //

Vor 10 Jahren hätte ich niemandem empfohlen, seinen Pass einem Polizisten auszuhändigen – den bekam man nur gegen Rubel retour. Heute ist das anders. Was sich nicht geändert hat, sind die üblichen Hinweise für Russland: Es kann vorkommen, dass vollkommen korrekte offizielle Dokumente nicht ausreichen, wenn man durch das Land reist. Man überquert öfters mal eine Grenze… Also Bargeld dabeihaben. Ansonsten gilt für Moskau wie für jede andere Großstadt: Auf Taschendiebe achten!

gorkygorod.ru

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