bergstolz

Issue No. 110

Bergstolz Issue No. 110

Spielberg

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Rausch im Kopf und rauschen unter den Füßen

Wenn sich kalte Luft aus Russland und feuchte aus dem Atlantik übers Kreuz kommen, knallen mancherorts bereits die Powder Korken. Ein Nordstau macht sich auf den Weg und entlädt seine Fracht entlang der ersten Barrieren der Nordalpen. Das ist der Moment, in dem die Social Media Kanäle wieder voller Glücksgefühle strahlen und die Community vor Vorfreude explodiert. Einfach herrlich, wenn es in die Nacht hinein schneit und man mit der neugierigen Unruhe eines Kindes an Weihnachten einschläft. Ich entführe euch heute in eines dieser Mancherorts: auf den Spielberg in Fieberbrunn. Dieser bildet nämlich die erste wirkliche Barriere, wenn ein Nordstau wütet, und ist maßgeblich für den Ruf der Region als Schneeloch verantwortlich.


Als in den 90er und Anfang der 00er-Jahre die Snowboard-Szene während des Lords of the Boards Festivals das kleine Dorf in Tirol durchgelüftet hat, machte sich ein Hauch von Jugendkultur breit. Einmal im Jahr kam die internationale Elite und hat ihren Lifestyle vor den Augen der staunenden Einheimischen zelebriert. „Ein Wahnsinn, mit welcher Leichtigkeit diese Mädels und Jungs durchs Leben gehen. Das will ich auch“, dachte ich als naives Kind in viel zu großen Etnies Schuhen und Baggypants. Meine Leidenschaft für das Brett war geboren. Es sollte zwar noch eine Weile dauern, bis ich es mit der Anziehung vom Spielberg kombinieren konnte, aber Gut Ding braucht eben Weile und deshalb…


…zurück zur Barriere. Wie der Spielberg zu seinem vielsagenden Namen gekommen ist, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Schwer vorstellbar, dass die Namensgeber unseren Blick auf das Nord-West Face im Sinn hatten. Wahrscheinlicher wäre wohl eine spät abendliche Karten-Runde in einer Alm mit „Haus und Hof Einsatz“. Aber das ist reine Spekulation. Und hat nichts damit zu tun, dass der Spielberg seit Jahrzehnten Menschen anzieht und lokalen Pionieren wie Christian Pletzenauer die Tür in diese Welt geöffnet hat, wenn auch dazumal noch auf zwei Brettern. Es ist nicht verwunderlich, dass aus einer anfänglich leichten Anziehung mit den Jahren eine Sehnsucht entsteht, die einen nicht mehr loslässt, wenn man Tag für Tag auf diesen eindrucksvollen Berg starrt und dabei immer neue Lines entdeckt.


Diesen Berg zu befahren ist jedes Mal an sich schon eine Genugtuung, aber da gibt es noch den Gedanken an diese eine Line direkt vom Gipfel, der sich wie ein Virus festgesetzt hat und sich einfach nicht mehr abschütteln lässt. Mit jedem Blick auf den Berg überschlagen sich meine Gedanken: „Geht das? Hmmm, müsste eigentlich schon möglich sein!“ Aber wissen kann man es erst, wenn man es versucht. Ich habe mir eine Erstbefahrung in den Kopf gesetzt. Ein Vorhaben, dass einem wahren Abenteuer gleicht, wenn man bedenkt, dass noch niemand zuvor diesen Versuch gewagt hat.


Auf der Suche nach dem „Warum“
Warum tun wir das eigentlich? Uns selbst in Gefahr zu bringen. Und weshalb finden wir ein gewisses Risiko vertretbar? Ich fühle bei meinem Abenteuer in mich hinein und höre ganz genau hin: Was hat es nur damit auf sich?


05.30 – Die Qual des ersten Schrittes
In den Tiefen der REM-Schlaf-Phase gibt es nichts Schlimmeres, als diesen verschis…. gemeinen Wecker schrillen zu hören. Da mag die Vorfreude noch so groß sein. Warum zur Hölle ist es so verdammt schwer, den Fuß auf den Boden zu stellen und den ersten Schritt in Richtung Bad zu gehen. Ein kluger Mann meinte mal dazu: „Der Geist ist willig, as Fleisch schwach“. Dennoch lasse ich meine Gedanken, einfach weiterzuschlafen, nicht siegen, denn ich habe heute etwas Besonderes vor. Die Bilder in meinem Kopf an den bevorstehenden Tag lassen mich nicht mehr los und so fällt das Aufstehen zunehmend leichter, wenn auch widerwillig. Prinzip Hoffnung ist auch dieses Mal reizvoller, als den Träumen weiter in der Horizontalen hinterherzujagen. Denn die Hoffnung darauf, dass es heute klappt, wiegt schwerer. Heute ist nicht mein erster Versuch. In den letzten neun Jahren waren es derer gleich fünf. Klappt es diesmal? Lohnt es sich? Oder wird es heute wieder einen Grund für einen Abbruch geben, wie die letzten paar Male? Man möchte meinen, bei so vielen Anläufen stellt sich eine gewisse Routine ein, aber die Fragen, die einem durch den Kopf gehen, bevor man in so einen Tag startet, sind dieselben und so bleibt es wohl auf ewig beim Kaltstart, der sich anfühlt, wie ein gut gefüllter Aschenbecher nach einer gelungenen Party riecht. Bescheiden.

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06.00 – Fahrt der Hoffnung
Mit Thermobecher bewaffnet und in die wärmsten Klamotten eingepackt geht es Richtung Parkplatz, an dem wir unsere Splitboards in den Schnee werfen und noch mit müden Augen hinauf zum Gipfel blicken. Im März ist es zumindest schon hell und die Sonne lässt den Körper langsam wach werden. Das Ziel noch fern, aber fest vor Augen stellt sich in den Gedanken eine gewisse Polytonalität ein. Ein Wellenbad an Spannungsbögen, dass sich über die letzten neun Jahre immer wieder aufgebaut und mit einer Ernüchterung entladen hat. Eine Mischung aus Euphorie, Zweifel, Sorgen und positiver Anspannung. Eine Achterbahn der Gefühle, die sich nicht beruhigen lassen, bis sie bekommen haben, was sie wollen. Ist heute der Tag? Kommt heute alles zusammen? Klappt es diesmal? Oder fahren wir am Ende doch wieder enttäuscht über die bereits bekannte Abfahrt ab?


08.00 – Aufstieg ins Ungewisse
Der übliche morgendliche Talk verfliegt und auf den ersten Metern füllen sich die Lungen mit Luft. Die Stimmung entlang des Baches verzaubert uns und lässt uns im Moment, im Hier und Jetzt, sein. Wir nehmen die Umgebung intensiv wahr und erfreuen uns der Schönheit und Stille der Natur. Ab diesem Moment war der Weg das Ziel und das Gefühl der Euphorie – basierend auf Lawinenlage-, Wetterbericht, Erfahrung und Know-how – übernimmt das Kommando. Die Hausaufgaben sind gemacht, denn mein Handwerk verstehe ich. Jetzt muss es nur noch passieren, aber wie so oft liegt es nicht in meinen Händen. Das zu akzeptieren fällt schwer. Wenn es aber gelingt, ist es eine Befreiung vom Zwang des Müssens. Nach zwei Stunden Aufstieg ist der Kopf längst auf Autopilot, bis der Gipfel und die Line ins Blickfeld rücken. In diesem Moment überkommt einen wieder ein anderes Gefühl. Vater Zweifel is back und begleitet uns auf den letzten Metern bis zu unserem Ziel.


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12.30 – Der Moment der Wahrheit
Am Gipfel angekommen. Die absolute Ruhe lässt einen verstummen, in die Ferne blicken und nach dem Hochkommen runterkommen. Tiefe Atemzüge lassen den Puls langsam in erträgliche Maße abflachen und die Konzentration hochfahren. Die Frage aller Fragen unterbricht die Stille. Zumindest in unseren Köpfen: Ist heute der Tag? Oder doch wieder eine weitere Episode des Traumes. Keiner da, der einem die Entscheidung abnimmt. Tiefe Atemzüge. Einige strategische Floskeln. Unzählige Faktoren und Gedanken fangen an, sich zu sortieren. Die Lage sieht gut aus. Am Ende steht die Überzeugung: Heute gehts los! Der Traum wird endlich Realität! Gewissheit.

 

13.00 – Die Ekstase
Der Fokus schärft sich und die letzten Bedenken verblassen. Vater Zweifel und Schwester Sorge bleiben hinter uns am Gipfel stehen. Euphorie übernimmt endgültig, als wir die ersten Meter bis zur Traverse fahren. Wow, es passiert wirklich! Diesmal ist es kein Traum! Dann der Blick in die Tiefe. Alles wirkt auf einmal selbstverständlich. Für eine kurze Zeitspanne verliert man sich in gedanklicher Schwerelosigkeit. Der Fokus lässt keinen Platz für negative Gefühle. Alles läuft automatisch ab, der Körper antizipiert, was kommt und übernimmt das Kommando. Er funktioniert und lässt uns diese wunderbaren Momente spüren und erleben. Die steile Einfahrt verfliegt in wenigen Sekunden. Mit jedem Meter verfliegt die Anspannung mehr und mehr. Bis sich langsam das Adrenalin in den Adern staut und mit einem lauten Schrei entlädt, der durch das Weiß der Berge hallt. Und genau deshalb tun wir es. Wir begeben uns selbst in Gefahr, um uns zu spüren. Die Monotonie des Alltags und alles Negative hinter uns zu lassen. Um das Leben auszukosten und für diesen einen Moment einfach mal im Hier und Jetzt zu sein. Das ist Freiheit. Denn viel gefährlicher wäre es, das Leben zu verpassen.


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Family Powderchase

Es ist ein tolles Bild das sich da auf dem Weg zur Liftkasse bietet: Vater und Sohn, Mutter und Tochter, Mutter und Söhne, Vater, Mutter und Sohn sowie Vater und Tochter. Alle haben die Vorfreude und die Aufregung im Gesicht stehen. Denn mal ganz ehrlich und an alle Eltern adressiert – WAS kann es Schöneres geben, als seine Leidenschaft mit den eigenen Kids zu teilen?


Drei Tage sind die insgesamt vier kleinen Gruppen mit Bergführern in Obertauern unterwegs und alle sind sich einig: Die Youngster rocken noch mehr als wir uns das erhofft hatten! Zugegebenermaßen sind die Bedingungen dafür aber auch ideal: Es hat 30cm Neuschnee. Und das ohne Wind, was im Winter 2022 keine Selbstverständlichkeit ist! Die Sonne scheint vom Himmel und auch die Temperaturen bewegen sich im idealen Bereich. Die kurzen Aufstiege, die zum Erreichen der klassischen Freeride Lines manchmal notwendig sind, werden ohne jedes Murren in Kauf genommen. „Earn your turns“, oder wie heißt das nochmal Mama?“ Julia hat ein fettes Grinsen auf dem Gesicht, ist aber deutlich geschafft von dem langen Tag, als sie sich unmittelbar nach diesem Spruch stocksteif nach vorne in den hohen Neuschnee fallen lässt. Abkühlung auf Ihre Art. Die Eltern trinken stattdessen gemeinsam ein Weißbier.

Klar - der Spaß steht beim Family Powderchase ganz oben, aber ein erstes Gefühl für die Gefahren, die das mit sich bringt, wollen wir den Kids auch vermitteln. Zwischendurch wird deswegen an allen drei Tagen der Umgang mit LVS, Schaufel und Sonde geschult. Für die meisten ohnehin eine willkommene Pause.


Nach dem Wochenende sind sich alle einig:
✓ Freeriden ist der Hit!
✓ Sie wollen nur noch gemeinsam Fahren gehen.
✓ Und: kommendes Jahr müssen die Skier natürlich noch breiter werden!


8 Fragen an Ricarda Schneegass, Powderchase


Ricarda, wie ist die Idee zum Family Powderchase entstanden?
Die Idee hatten wir tatsächlich schon vor drei oder vier Jahren. Dass wir den Family Powderchase jetzt umgesetzt haben, ist einer Kombination aus meiner eigenen familiären Situation und der steigenden Nachfrage von Kunden geschuldet: Einerseits sind meine eigenen Kinder jetzt in einem Alter, in dem sie das Freeriden für sich entdecken – sofern es ihnen Spaß macht – und andererseits haben uns viele unserer langjährigen Powderchaser darauf angesprochen. Die Freerider der ersten Generation möchten das Fieber einfach gerne an ihre Kinder weitergeben und suchen passende Angebote für gemeinsame Freeride-Erlebnisse.


Wie war die Resonanz auf Euer Angebot?
Wahnsinn, die Nachfrage war riesig und wir hätten locker die dreifache Anzahl an Plätzen vergeben können. Der Family Powderchase ist extrem gut angekommen. Warum wir aber nicht aufgestockt haben, sondern bei unserer gewohnt kleinen Gruppe geblieben sind: Der Termin für den Family Powderchase liegt in den Bayerischen Faschingsferien. Zu diesem Zeitpunkt ist es oft eh schon kompliziert, genügend Betten zu bekommen. Wir wollten aber keinesfalls auf unser großes Plus verzichten, die kurzfristige Entscheidung je nach Schneelage, wo der Powderchase hingeht. In diesem Winter werden wir aber gleich zwei Family Powderchase-Termine anbieten, einen in den Bayerischen und einen in den Niederländischen Faschingsferien.


Wer waren denn dann die Teilnehmer*innen beim ersten Family Powderchase?
Das war ziemlich bunt gemischt, muss ich sagen. Wir hatten klassisch die ganze Familie, dann zwei Mütter mit ihren Söhnen bzw. Väter mit ihren Kindern. Eine super Kombi waren auch zwei befreundete Väter, die mit ihren beiden Jungs gekommen sind.

Hochfügen

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Hochfügen ist eines meiner Lieblingsskigebiete. Gleich am Anfang vom Zillertal bei Fügen rechts hoch… naja, also von Fügen sind es doch noch 30 Minuten, bis man in Hochfügen auf 1.500m mit dem Auto ankommt. Vorausgesetzt, es fährt nicht ein Holländer (oder Deutscher) mit Ketten auf den Hinterreifen montiert bei einem Frontantrieb vor einem her. Haha, das ist nicht frei erfunden, sondern kommt immer wieder mal vor. Wenn man in Hochfügen oben ankommt, dann öffnet sich ein Talboden, von wo aus man schon ziemlich viel von den coolen Runs vom Parkplatz aus sieht. Von dort starten auch viele Skitouren, entweder direkt vom Parkplatz oder mit Liftunterstützung. Links hoch geht es mit dem Sessellift zur Holzalm, oder weiter hinten mit dem Zillertal Shuttle zum Verbindungslift nach Hochzillertal. Rechts rauf fährt der 8er Jet, oben angekommen sieht man schon die Ostwand, welche bei Freeridern sehr beliebt ist und ziemlich leicht durch einen 15-minütigen Hike zu erreichen ist. Wenn man beim Sessellift links raus quert, dann kann man hinten runter zur Rodelbahn fahren, dieser folgen und schon kommt man wieder beim 8er Jet an.

Der Zusammenschluss mit Hochzillertal hat die Skigebiete nochmals aufgewertet, so kann man jetzt direkt vom Zillertal mit den Liften nach Hochfügen fahren und retour. Bei den Verbindungsliften gibt es einige coole Lines, welche jedoch aus lawinentechnischen Gründen nicht unterschätzt werden dürfen. Der Drop-In zu den Runs ist nämlich direkt am Grat oder man quert darunter in die nächsten Flanken raus und fährt in den Talboden zurück ab. Genau dort oben an den Graten ist oft die Schwachschicht zwischen wenig oder abgeblasen auf viel Schnee… das sind die Hotspots, die man meiden soll und selbst wenn 50 Spuren in dem Hang sind, heißt es nicht, dass dort keine Lawinen mehr abgehen können.

Wirkliche secret spots kann ich euch in Hochfügen gar nicht mehr verraten, da diese die letzten Jahre schon alle semi secret geworden sind und mittlerweile eh jeder überall runterfährt. Aber dadurch, dass es so viele gute und lange Runs gibt, wird jeder für sein Können fündig. Was mich jedoch die Jahre über geschockt hat ist, erstens wie schnell alles getracked ist, sprich wie viele Leute Abseits fahren und wo Leute bei jeglicher Warnstufe und offensichtlichen Gefahren reinfahren, noch dazu zugleich.


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Februar 2022 war Hochfügen und die Straße dorthin wegen Lawinengefahr gesperrt, es gab über einen Meter Neuschnee, und das mit massivem Wind. Es waren Selbstauslöser zu sehen, sowas habe ich noch nie gesehen… Abrisskanten von mehreren Metern und Hunderte Meter breit. Mehr oder weniger die komplette Ostwand beim Weidoffen Lift bis ganz rüber Richtung Sonntagsköpfl war ein riesen Schneebrett. Wir hatten Lawinenwarnstufe 4 und es war der erste schöne Tag und das Skigebiet wieder offen. Ich bin mit Freunden easy Runs neben der Piste gefahren, im Wald a bissl rum gejumpt und dann auf einem Lawinenkegel raus gequert um eine relativ flache Ridge runter zu fahren. Was sich dann abspielte war brutal, denn von oben kamen gefühlt 20 Leute und fuhren zugleich und durcheinander in den steilen Osthang, der seit mehreren Stunden Sonne drin hatte, ein. Ich hab zu meinen Begleitern gesagt, jetzt schauen wir uns mal an, was passiert. In der Hälfte vom Hang riss ein 1,5 Meter tiefes und 150 Meter breites Schneebrett an. Zum Glück hat es die meisten nach links rausgewaschen und niemanden verschüttet. Einige von denen hatten keinen Rucksack und ich gehe davon aus, auch kein LVS mit dabei. Ich rief beim Alpinen Notruf an und meldete den Lawinenabgang. Ich fuhr sofort auf den Kegel und stellte mein LVS auf Empfangen… kein Signal. Jedoch konnte ich nicht zu 100% bestätigen, dass niemand verschüttet war, vielleicht hab ich jemanden übersehen und der hatte kein LVS… dadurch wurde eine große Suche eingeleitet, inklusive Heli und Hundesuchstaffel - glücklicherweise aber nach drei Stunden wieder beendet und niemand gefunden.

Was ich damit sagen will, ist, dass die Zeichen nicht noch offensichtlicher hätten sein können. Ich verstehe, dass es vielleicht der Tag in der Woche war, wo die Zeit hatten und Spaß haben wollten, aber bitte schaltet doch euer Hirn ein! Und einmal falsch entscheiden kann in dem Fall einmal zu spät sein. Falls man sich unsicher ist, ob die Bedingungen sicher sind oder nicht, dann besser einmal umdrehen oder auch einfach mal einen Guide buchen oder an einem Camp teilnehmen, wo man mit Gleichgesinnten und einem Bergführer unterwegs ist und solche Gefahren zu beurteilen lernt.

Das tolle an Hochfügen ist jedenfalls, wenn man dort oben Urlaub macht, dass man quasi direkt im Skigebiet ist und die Vorteile von Ski in und Ski out nutzen kann. Es gibt auch einige tolle Hütten mit sehr gutem Essen, wie z.B. den Aarwirt, wo man direkt mit den Skiern hinkommt und recht lang die Sonne auf der Terrasse genießen kann, oder auch die Holzalm. Wer es gerne exklusiv hat und in einem Haubenlokal essen möchte, der soll sich ein Zimmer im Lamark nehmen.


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Es geht auch die günstige Variante mit dem Bus und dort am Parkplatz schlafen, nur wäre es gut, wenn man eine gute Standheizung hat ;) sonst könnte es etwas kalt werden in der Nacht. An klaren Januar Nächten sind da schonmal -15°C und weniger möglich!


Was auch einzigartig ist, ist, dass man an verschiedenen Tagen mit einem Guide einen early bird machen kann - man fährt mit einer Pistenraupe vor dem offiziellen Skibetrieb hoch und kann dann die ersten Schwünge im unverspurten Powder für sich und seine Freunde alleine genießen.


Falls mal kein Powder ist, dann findet man dort natürlich auch richtig gute Pisten, auf die man seine Oberschenkel zum Glühen bringen kann. Und auch wenn man seine Kleinen mitbringt, dann gibt es direkt am Parkplatz einen Schlepplift und Babylift, wo man mit den Kids Spaß haben kann. Also, es ist für jeden was dabei! Ich wünsche euch viel Spaß in Hochfügen und nochmal zu erwähnen ist, dass man nicht allen Spuren folgen soll! Wer weiß, wer die gemacht hat und ob der nicht eventuell in das Tal dahinter abgefahren ist oder mit Fellen wieder zurück aufgestiegen ist… ;)

Mazedonien

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Nordmazedonien ist ein kleines Land im Süden Europas. Eine der ehemaligen jugoslawischen Republiken, mit denen man heutzutage nichts Spektakuläres verbindet. Eventuell erinnert man sich noch an den Geschichtsunterricht über Alexander den Großen (König von Makedonien) und seine Eroberungen. Das war es dann aber auch schon zu (Nord)Mazedonien. Das wird diesem Land jedoch nicht gerecht. Es ist wild, hat eine sehr vielfältige Natur, eine großartige Küche, freundliche Menschen und ist reich an vielen Denkmälern. Nur 1.200 Kilometer entfernt von Polen, mit einer über weite Strecken sehr gut ausgebauten Autobahn. Noch besser ist es allerdings mit dem Flugzeug zu erreichen. Die Hauptstadt Skopje erreicht man von allen größeren Städten in Polen in nur wenigen Stunden. Von dort aus sind es nur anderthalb Stunden mit dem Auto zu den verschneiten Šar Mountains (Šar Planina). Die Šar Mountains haben wir zufällig entdeckt. Wir hatten ein kurzes Zeitfenster von fünf Tagen mit An- und Abreise. Unser Wunsch war es, durch frischen Tiefschnee zu gleiten, ohne zuvor aufzufellen, d.h. kein Skitourengehen, sondern „einfach“ nur Freeriden - was in Pandemiezeiten gar nicht so einfach war. Wir suchten im Internet die beste Lösung für uns. Die Wetterprognosen für die Alpen sahen nicht vielversprechend aus, so dass wir unsere Aufmerksamkeit auf einen "exotischen" Ort richteten. Es waren mehrere Ziele im Gespräch, jedoch überzeugten uns die Schneeverhältnisse in Mazedonien. Dazu kam noch die Neuschneeprognose und dass es „Heliskiing für Arme“ gibt, das sogenannte „Catskiing“. Einige Stunden später überquerten wir die EU-Grenze und waren auf dem Weg nach Süden auf dem Weg in ein neues Abenteuer. EU-Staatsbürgern reicht zur Durchquerung von Serbien und Nordmazedonien ein gültiger Personalausweis. Wir erreichen die Stadt Tetovo am Fuße der Šar Mountains. Die Stadt ist mit ihren über 50.000 Einwohnern ein wichtiges Industrie-, Handels- und Universitätszentrum. Hier erledigen wir alle notwendigen Einkäufe und setzen unseren Weg fort. Das GPS zeigt weniger als 20 km bis zum Standort. Es liegt kein Schnee, sondern es regnet und überdies noch diese kleinstädtische Tristesse... Wir werden unruhig und fürchten, dass unsere Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Glücklicherweise wird die Straße am Stadtrand winterlich, und wir legen die letzten Kilometer in dichtem Schneetreiben zurück. Auf dem Weg nach Popova Šapka kreuzen wir immer wieder die Ruinen der alten Seilbahn von Tetovo nach Popova Šapka. Die Seilbahn wurde zu Zeiten von Josip Broz Tito Anfang der 1960er Jahre gebaut. Ihre Blütezeit endete mit dem langsamen Zerfall Jugoslawiens. Damals war sie das einzige Transportmittel nach Popova Šapka, was dem Ort zu seiner Blüte verhalf und ihn in der Rangliste der jugoslawischen Skigebiete nach ganz oben katapultierte. Die Seilbahn selbst war die modernste in der Region und wurde als die längste auf dem gesamten Balkan bezeichnet (mehr als 6 Kilometer lang). Heute führt statt einer Seilbahn eine gut ausgebaute Landstraße auf den Berg. Diese Straße „teleportiert“ uns in weniger als 40 Minuten über 1.200 Höhenmeter aus dem herbstlichen Tetovo in die winterliche Zauberwelt der Šar Mountains nach Popova Šapka. Dieses Gebirge ist doppelt so groß wie die gesamte Tatra in Polen und verteilt sich auf die drei Länder Nordmazedonien (mehr als 50 %), Kosovo und Albanien. Es umfasst mehr als 30 Gipfel mit über 2.500 m, von denen der Titov Vrv (2748 m) der höchste ist. Die Schneedecke hält sich hier an mehr als 130 Tagen im Jahr. Des Weiteren sorgt die Niederschlagsmenge von 1200 mm für sehr gute Bedingungen während des größten Teils der Saison. Die Infrastruktur des Skigebiets ist nicht besonders gut. Es gibt zwar neun Lifte mit mehr als 20 Pistenkilometern, das Ganze funktioniert aber eher schleppend. Eventuell liegt dies an der zentralen Verwaltung. Zum Glück sind wir nicht hier, um auf der Piste zu fahren. Das schwach ausgebaute Skigebiet in Verbindung mit dem großen Potenzial dieses wunderschönen Gebirgszugs wird von zwei privaten Unternehmen genutzt, die Freeriden mit Pistenraupen anbieten (Catskiing). Die Pistenraupen bringen abenteuerlustige Skifahrer und Snowboarder problemlos in die entlegensten Winkel dieser Berge. Das ist die perfekte Lösung für uns: keine Skitouren, sondern viel Freeriden.

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Endlich sind wir an unserem Ziel angekommen. Es sieht nicht allzu spektakulär aus: ein paar Hotels, Restaurants und ein Geschäft, aber hier und da kann man die Spuren des früheren Glanzes sehen, gemischt mit dem modernen Einfallsreichtum privater Unternehmer, alles natürlich im „Balkan-Flair“. Etwas unsicher schauen wir uns nach unserem Hotel um. Die Unsicherheit bestätigt sich zum Glück nicht. Dank des örtlichen Reiseveranstalters Shar Outdoors übernachten wir in einem luxuriösen Hotel mit Sauna, Swimmingpool und einer sehr gut ausgestatteten Bar (vier „Balkan-Sterne“). Am Abend erwartet uns ein mazedonisches Festmahl, über das man ein eigenes Kapitel in einem Reiseführer verfassen könnte. Dies ist jedoch kein kulinarischer Reisebericht, es geht uns ja um das Freeriden.
Am Morgen werden wir von starkem Wind geweckt und ein weiteres Mal macht sich diese Unsicherheit breit, ob wir den richtigen Ort gewählt haben. Beim Packen des Rucksacks freuen wir uns darüber, dass Felle, Steigeisen und Pickel nicht mitgeschleppt werden müssen. Die Rucksäcke scheinen irgendwie zu leicht zu sein, sicherheitshalber hat jeder noch etwas von seiner Tourenausrüstung mitgenommen. Schließlich machen wir uns auf den Weg zum Freeriden. Ein paar Schritte vom Hotel entfernt wartet unsere Pistenraupe, morgendlicher Dieselgeruch liegt in der Luft. Ein kurzer "Sicherheitscheck" und los geht's. Das Wetter ist mit uns nicht besonders gnädig, starke Windböen und Schneefall pfeifen gegen die Windschutzscheibe der Pistenraupe. Zum Glück sind wir noch im Inneren. Nach ein paar Minuten wechseln wir auf die andere Talseite, wo der Wind nachlässt. Vor uns liegt ein weitläufiges Gebiet mit einem lichten Wald. Hier beginnen wir unsere erste Abfahrt. Der Wald hat den Schnee hervorragend vor den starken Böen abgeschirmt, die Bedingungen sind ideal. Wir ziehen unsere ersten Spuren im leicht verwehten Tiefschnee. Wir können beobachten, dass unsere Guides das Gebiet wie ihre Westentasche kennen und versuchen die bestmöglichen Abfahrten für uns zu finden. Kaum haben wir den Sammelplatz erreicht, schnallen wir unsere Skier ab und einen Moment später taucht unsere Pistenraupe hinter den Bäumen auf, um uns den nächsten Hang hinauf zu bringen. Nach zwei Stunden sehr angenehmer „Warm-Up-Runs“ machen wir in einer kleinen Hütte Halt, um ein zweites Frühstück einzunehmen. Lokale Köstlichkeiten füllen die schnell verbrauchte Energie wieder auf und wir sind bereit für die Weiterfahrt. Inzwischen hat der Wind nachgelassen und die Wolken haben sich gelichtet. Unsere Guides beschließen die Abfahrten in den höheren Regionen in Angriff zu nehmen. Die Bedingungen sind nicht einfach, aber die Pistenraupe bahnt sich mühelos ihren Weg durch windgepeitschte Schneeverwehungen, schmale Gratkämme und steile Mulden. Stellt euch ein Gebiet vor, das so groß ist wie die Westliche Tatra, mit der Möglichkeit alle Berggipfel mittels einer Pistenraupe zu erreichen. Einzig die Bedingungen und unsere individuellen Fähigkeiten schränken uns ein. Im höchsten Teil des Gebirges gelingt es uns, einige wirklich außergewöhnliche Linien zu finden. Das abwechslungsreiche Gelände mit seinen offenen Schneefeldern, Rinnen, Mulden, Wechten und anderen interessanten Formationen bietet großartige Möglichkeiten zum Freeriden. Durch die Möglichkeit, die Exposition schnell zu wechseln, finden die Guides immer wieder großartige Hänge für uns.
Nach einem wundervollen Tag zeigen unsere Uhren über 7.000 Höhenmeter an, was mit Tourenski nur schwer vorstellbar wäre. Wir fahren mit den Skiern bis vor die Hoteltür und eröffnen direkt das Après-Ski in der Sauna und im Pool, begleitet von lokalen Getränken. Das Getränk Palinka hat es uns besonders angetan. Die folgenden Tage sehen in etwa gleich aus, jedes Mal kehren wir mit einem breiten Lächeln im Gesicht zurück ins Hotel. Es hat uns so gut gefallen, dass wir bereits einen Monat später mit unseren Kunden hierher zurückkehren. Diesmal überraschte uns Popova Šapka mit einem riesigen Schneefall. Die Bedingungen, die wir vorfinden, sind so gut, dass sogar Besucher der japanischen Insel Hokkaido zufrieden sind. Zusammengefasst kann man sagen, dass die Šar Mountains ein sehr großes Freeride-Potenzial haben. In Kombination mit dem professionellen Team vor Ort wird man immer einen guten Hang zum Abfahren finden. Vielleicht nicht immer im kniehohen Tiefschnee, aber dafür in wilden Bergen, die ideal zum Freeriden sind. Wer auch im Aufstieg körperlich aktiv sein möchte, kann ein gemischtes Programm (Skitouren und Pistenraupe) buchen. Unsere Erfahrungen mit dem Freeriden in Mazedonien sind so gut, dass wir seit einigen Jahren mit unseren Kunden hierher zurückkommen. Gemäß unserem Prinzip "Ride with locals" haben wir die Guides von Shar Outdoors sehr gut kennengelernt. Sie machen wirklich einen hervorragenden Job. Auch in dieser Saison sind wir wieder offizieller Partner von Shar Outdoors. Wir laden Euch herzlich auf ein gemeinsames Balkan-Abenteuer in den Bergen von Mazedonien ein.

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Iceland

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Island-Trip Nr. 9, Frühjahr 2020.
Nichts geht mehr. Alle vier Räder drehen durch. Was anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, denn der Unterboden unseres Allradlers liegt komplett im Tiefschnee auf. Es ist ein Uhr nachts und der Wind bläst mit acht Windstärken. Wir haben 400 der geplanten 430 Kilometer hinter uns. Unser Ziel, das Örtchen Olafsfjördur, liegt keine zehn Kilometer Luftlinie entfernt. Bis vorhin konnten wir noch Sterne, Vollmond und Polarlichter bestaunen, die Straße war problemlos zu befahren. Doch binnen weniger Kilometer hat sich das Wetter komplett gedreht und jetzt stecken wir mitten in einem Blizzard fest.
Normalerweise sind die Isländer wahre Meister im Freihalten winterlicher Straßen, doch seit Mitternacht hat der Räumdienst wohl Feierabend. Längst ist die Straße nur noch einspurig frei gehalten, links und rechts türmen sich mannshoch die ausgefrästen Schneewände. Eben noch haben wir eine kleine Ansiedlung passiert, als unsere wage Fahrspur abrupt endet. Hier hat wohl der Schneepflug final den Rückwärtsgang eingelegt. Das würden wir ebenfalls gern, doch leider sehen wir weder Schnee noch Straße im Display der Rückfahrkamera, sondern gelb. An unserer Anhängerkupplung hängt ein Miniwohnwagen des isländischen Herstellers Mink Camper, der uns in der nächsten Woche das Hotelzimmer ersetzen soll. Die Versuche, rückwärts zu fahren, scheitern an mangelnder Sicht und mangelndem Fahrkönnen im Hängerbetrieb. Theoretisch könnten wir einfach an Ort und Stelle in den Wohnwagen krabbeln, die Standheizung anwerfen und auf bessere Zeiten hoffen, doch praktisch trauen wir uns das nicht, da uns Schneefall und Wind in kürzester Zeit »unsichtbar« für den nächsten Schneepflug machen würden.
Also kramen wir unsere Lawinenschaufeln aus dem Gepäck, setzen die Skibrillen auf und stellen uns den Elementen. Erstmal Platz schaffen für den abgekoppelten Hänger und dann rund ums Auto den Schnee soweit abtragen, dass wir wenden können. Nach einer Stunde Handarbeit im Whiteout steht das Gefährt schließlich um 180 Grad gedreht auf der immer weiter zuschneienden Straße. Bei der neuerlichen Eingabe unseres Ziels ins Navi wählen wir nun die »sichere« Route im Inland. Macht 180 Kilometer extra bitteschön. Island im Winter fordert seinen Tribut. Dass es eine Homepage namens www.road.is gibt, die nahezu in Echtzeit über alle offenen und gesperrten Straßen informiert, war uns in der Hektik der Anreise entfallen. In den Folgetagen setzen wir uns nicht mehr ans Steuer, bevor wir nicht diese unverzichtbare Quelle konsultiert haben.


Camping im Winter?
Als wir in einem wieder mal recht dürftigen Alpenwinter unsere Pläne für eine Islandreise im März schmiedeten, konnten wir noch nicht ahnen, dass der Winter im Norden derart die Spendierhosen an hat. Der Grund dafür ist der enorm starke Polarwirbel über dem Nordpol, welcher die Tiefdruckgebiete über Grönland bündelt und sie wie an einer Perlenschnur gen Island schickt. In der Folge schneite es von Dezember bis Februar gefühlt durch und der Schnee reicht auch jetzt noch direkt runter bis ans Meer, wo die Wellen an einer stellenweise fünf Meter dicken Schneedecke nagen. Die Nacht im Mink Camper ist kurz und stürmisch – aber gemütlich. Im Grunde ist der Mink ein Bett auf Rädern mit Außen küche. Bei der Buchung des Mink hatten wir ungefähr folgendes Bild vor Augen: Geparkt nahe einer der vielen heißen Quellen Islands, bollert innen die Standheizung, während der von einer langen Skitour geschaffte Körper auf der Latexmatratze ruht und durch das verglaste Dach die Polarlichter bestaunt. Dieser Idealvorstellung kommen wir, soviel sei verraten, nicht einmal nahe. Der beständig fallende Schnee ist das eine, viel unangenehmer ist jedoch der damit einhergehende Sturm. Ein Öffnen der Türen ist nur sehr vorsichtig möglich und bringt immer eine Portion Schnee direkt ins Bett mit sich. So rücken wir schon an Tag zwei von unserem Plan ab und mieten uns ein Blockhaus in Olafsfjördur. Der Mink übernimmt fortan einfach den Materialtransport unserer üppig bemessenen Skiausrüstung. Der kleine Ort liegt direkt am Meer auf der sogenannten Trollhalbinsel zwischen Akureyri und Varmahlid und ist umgeben von den besten Skitourenbergen Islands. Wohin das Auge blickt: Aufstiege und Abfahrten in allen Expositionen, von 1500 Metern bis direkt runter ans Meer. Schon fünf Minuten auf Google Earth offenbaren das enorme Potential der Region und schnell hat man die erste Tourenwunschliste voll. Wer wollte, könnte sogar ein Surfbrett mitbringen, denn der Fjord ist der beste Wellenspot Islands und hat durch den Chris-Burkhard-Film »Under the arctic sky« weltweite Berühmtheit erlang.

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Tag 3 empfängt uns, logisch, mit einem veritablen Schneesturm und minimaler Sicht. Also rein ins Auto, vielleicht ist es ja im Landesinneren besser. Wir wollen der vom aktiven Vulkanismus geprägte Myvatn-Region einen Besuch abstatten. Nach einem Zwischenstopp am Godafoss, dem meistfotografierten Wasserfall Nord-Islands, starten wir in der Nähe der Grjótagjá-Höhle zu einer kleinen Skitour. Diese Höhle beher bergt eine heiße Quelle und ist Fans der TV-Serie »Game of Thrones« wohlbekannt. In Staffel 3 plantscht Serienheld Jon Snow darin mit der Wildlingsfrau Ygritte und verliert dabei seine Unschuld. Unser Ziel ist der Tuffring des Hverfjall, welcher zum Vulkan system des nahen Krafla gehört. Bei eisigen Temperaturen marschieren wir quer durch die Pampa und genieße n die Bewegung. Der Gipfel liegt zwar nur 160 Meter über dem Umland und ist beinahe vom Wind blank geweht doch so ein Spaziergang auf Skiern durch eine Mondlandschaft hat seine n Reiz. Aufpassen müssen wir nur vor den Fumarolen, deren heiße Gase die Schneedecke stellenweise aufgeweicht haben und uns immer wieder unvermittelt einbrechen lassen. Mal zehn Zentimeter, mal einen halben Meter. Wir nehmen es mit Humor und hoffen, dass die nächste Spalte nicht tiefer ist.

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Going bananas! Zurück in Olafsfjördur geht das Schneemalheur weiter. Eineinhalb Tage sind wir sogar eingeschneit. Dennoch gehen wir zwischendrin auf Skitour – und zwar zum Supermarkt. Die Bananen sind aus. Eingepackt wie die Polarforscher, stapfen wir durch den Schneesturm. Der Wind weht in Orkanstärke und hat Auto und Hänger neben der Hütte bereits in eine Schneewehe verwandelt. Erst am fünften Tag lässt der Sturm schließlich nach und die Berge rund um Olafsfjördur schälen sich aus der Wolkenwatte. Showtime! Schnell sind wir in den Skischuhen und aus der Hütte. Zum Start der Skitour direkt am Ortsausgang sind es keine zehn Minuten auf Ski. Da die Lawinengefahr nach all dem Schnee und Wind schwer zu beurteilen ist, wählen wir eine sehr konservative Route für den Aufstieg. Dabei entfaltet jeder Höhenmeter einmal mehr die besondere Magie des Skitourengehens. Anfangs schnauft man noch still vor sich hin und versucht seinen Rhythmus zu finden, doch irgendwann überlagert die Aussicht die Anstrengung und zieht einen immer weiter in die Höhe. Das bunte Olafsfjördur schrumpft zusammen wie Legoland, während sich der ausgesetzte Gipfelgrat mit jedem Schritt, den wir ihm näher kommen, als machbarer herausstellt. Und ist das da hinten im Fjord nicht ein Wal? Nach drei Stunden und 1200 Höhenmetern haben wir den Gipfel erreicht. Hier beginnt des Vergnügens zweiter Teil. Schon beim Aufstieg haben wir uns eine Abfahrt ausgesucht und uns die entscheidenden Landmarken, die man von oben sehen kann, zur Orientierung eingeprägt. Und so zeichnen wir nacheinander unsere Linien in den Berg. Möglichst weit geschwungen, flüssig, das Gefälle perfekt ausnutzend, ohne Ecken, Kanten und unnötige Bremsschwünge, stets einen Fluchtpunkt in Reichweite, sollte sich wider Erwarten doch eine Lawine lösen. Noch Tage später werden sie wie ein Gemälde von unserem Spaß am und dem Respekt vor dem Berg künden.

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Höhenmetermaximierung beim Heliskiing
Der einzige Nachteil eine r solchen Skitour? Im Vergleich zum »up« ist man immer viel zu schnell »down«. Und so ziehen wir am letzten Tag der Reise unser e Trumpfkarte: Arctic Heliskiing. Das Unternehmen ist im nahen Dalvik beheimatet, wo Chef Joküll Bergmann vor über einem Jahrzehnt Islands erstes Heliski-Unternehmen gründete. Sie bieten vom Schnuppertag bis zur einwöchigen Luxusreise das volle Programm – und sind dabei noch flexibel genug, uns verkappten Skitourengehern binnen 12 Stunden einen Slot in ihrem Flugplan freizuschaufeln. Die Wege zwischen Startplatz und Gipfel sind auf der Trollhalbinsel minimal und keine fünf Minuten, nachdem wir im Heli Platz genommen haben, stehen wir 1200 Meter über dem Meer. So weit das Auge blickt: perfekte Abfahrten in allen Expositionen und Schwierigkeitsstufen, dazu Schnee satt. Erleichternd kommt hinzu: die Oberschenkel sind noch frisch. Mit maximalem Genuss fliegen wir die Hänge hinab. Ob man dabei möglichst kurze Schwünge macht – das sogenannte Zöpflflechten – oder lieber zwei, drei weite Bögen pro hundert Höhenmeter aneinanderreiht, bleibt jedem selbst überlassen. Für mich gibt es keine Bewegung, die schöner ist. Während es beim Joggen immer etwas dauert, um in den »Flow« zu kommen, beginnt dieser Zustand beim Tiefschneefahren mit dem ersten Schwung. Sofort ist man im Hier und Jetzt und alles, was zählt, ist der nächste perfekte Turn. Vier unvergessliche Abfahrten schaffen wir, bevor es vom Meer her eintrübt und die Sicht schlechter wird. Feierabend! Denn ohne Sonne kein Kontrast und ohne Kontrast kein Skivergnügen – zumindest nicht auf den weiten, baumlosen Hängen Islands. Fünf Minuten späte r sind wir zurück in der Lodge und zehn Minuten später gedusch t und fertig zur Abfahrt. Bei unserer Fahrt gen Reykjavik zieht Island noch einmal alle Register in Sachen Licht und Landschaft. Und so cruisen wir – beseelt von einer sehr abenteuerlichen Woche im Winterwonderland – auf der leeren (und diesmal perfekt geräumten) Ringstraße im warmen Abendlicht gen Süden. Schöner kann ein Roadtrip nicht enden …

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Neue Ausgabe E-Paper 110

editorial

cover nr110

Was waren denn das wieder für Diskussionen: Können die Skigebiete heuer überhaupt öffnen? Können sich die Liftbetreiber die Beschneiung, den Betrieb der Bahnen und den Diesel für die Pistenraupen noch eisten? Geht überhaupt noch jemand Skifahren? Und kaufen die, die dann eventuell gehen, auch Ski, Klamotten und Equipment?


Und wie sah es dann in Wirklichkeit aus? Die Gletscher sind voll wie lange nicht. In Hochfügen war der Parkplatz letzten Sonntag überfüllt. Obertauern, Saalbach, Sölden und Ischgl konnten zu den geplanten Terminen in die Saison 2022/23 starten. Unsere geschätzten Bergstolz Vertriebspartner – das heißt die guten Ski-Shops in DACH – sind auch nicht reihenweise Konkurs gegangen bzw. verkaufen halbwegs normal Ski - sieht man mal von dem viel zu warmen Oktober ab.


Also viel Rauch um Nix? Wenn es um Skifahrer geht, ja! Wie formuliert es ein befreundeter Sporthändler so schön: „Skifahrer werden immer Ski fahren gehen!“ Und um es kurz klarzustellen: Wenn wir hier von Skifahrern sprechen meinen wir natürlich ALLE: SkifahrerInnen, SnowboarderInnen, TourengeherInnen…


Aber können sich Skifahrer Ihren Sport überhaupt noch leisten? Sind denn nicht die Preise für Ski, Klamotten und Liftkarten ins Unermessliche gestiegen? Auch hier lohnt es sich den Rauch erst mal etwas abziehen zu lassen und sich mal den einen oder anderen Vergleich heranzuholen: Für den Preis einer kompletten Skiausrüstung bekommt man nicht mal ein durchschnittlich ausgestaltetes Rennrad! Von Carbonlaufrädern, Funkschaltung oder Leichtbau reden wir da noch gar nicht. Auch die Preise mancher eMTB´s wären hier ein gutes Beispiel: Für das aktuelle Pivot-Testrad unseres MTB Kollegen Günter kann eine vierköpfige Familie leicht in den Weihnachtsferien Urlaub machen – inkl. Ausrüstung und ach so teurer Liftpässe!


Es kommt also immer drauf an, wo man seine Prios setzt und was einem seine Leidenschaft wert ist. Ich kann die Fragen für mich leicht beantworten. Ich denke, dass es vielen unserer Leser genau so geht!


A guade Saison & Frohe Weihnachten!



Ralf


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