Bergzeit RE-USE
Kreislaufwirtschaft birgt hohes Potenzial für eine nachhaltigere Outdoor-Branche
Die Auswirkungen der Modeindustrie auf die Umwelt sind verheerend. Friederike von Wedel-Parlow, Expertin für nachhaltige Mode aus Berlin, ordnet die Situation ein: „Spätestens mit Ultra Fast Fashion hat der Mode- und Textilmarkt Dimensionen gigantischen Ausmaßes erreicht und damit jede Verbindung zu einem echten Bedarf an Bekleidung verloren.“ Jedes Kleidungsstück ist mit Umweltproblemen verbunden, heizt den Klimawandel an, braucht viel Wasser. Grundstoff für synthetische Fasern sind Erdöl und Plastik.
Ein Umdenken ist erforderlich, Kreislaufwirtschaft ist ein Ansatz: Sie soll Umweltbelastung minimieren, Rohstoffe schonen und auch die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit verbessern. „Wir brauchen neue Konzepte und Systeme, wie wir Mode gestalten, herstellen, nutzen und feiern wollen. Gerade in der langen Nutzung von Bekleidung mit hoher (Gestaltungs-)Qualität kann der Impact per Wear massiv beeinflusst werden“, so von Wedel-Parlow.
Auch der Bergsportausrüster Bergzeit teste tseit einem Jahr ein Kreislaufwirtschaftskonzept: Bergzeit RE-USE. Zum 1. Juni 2022 hat Bergzeit einen eigenen Secondhand Shop für Outdoorbekleidung, -Schuhe und Equipment aufgebaut. Mit „Bergzeit RE-USE“ sollen Kund:innen dafür sensibilisiert werden, dass sich etwas ändern muss. Um aufzuklären und für nachhaltigen Konsum zu begeistern. Aber auch um Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Lebenszyklus der Produkte verlängert und intakte Artikel für weitere Nutzung bereitgestellt werden sollten.

Um gezielter Kunden anzusprechen, Bedürfnisse und Gewohnheiten bzw. das Kaufverhalten einzuordnen, hat Bergzeit eine Umfrage zum Thema Secondhand und RE-USE durchgeführt. „Uns ist es wichtig, zu wissen wie unsere Kund:innen zum Thema Secondhand stehen. Wir stellten fest, dass vor allem junge Menschen gebrauchte Produkte kaufen und dass Gründe wie Kosten-Ersparnis und der Nachhaltigkeitsgedanke dabei im Vordergrund stehen“, so Stolzenberger über einzelne Erkenntnisse aus der Umfrage.
Knapp 80 Prozent der Befragten interagieren mit einer Secondhand Plattform, die Kaufbereitschaft ist hoch. Dieses Ergebnis bestätigt die Bergzeit-Strategie. Daher gilt es, das Sortiment weiter auszubauen und ein attraktives Angebot zu schaffen. Bergzeit spricht dafür gezielt potenzielle Verkäufer:innen an. So werden beispielsweise Bergzeit Pakete bedruckt und Kunden dazu aufgerufen, genau diesen Karton zu nutzen, um nicht oder kaum benutzte Outdoor-Produkte über die RE-USE Plattform einzusenden.

Der Blick auf die Prozesse des Unternehmens zeigt das komplette technische Set-Up von Bergzeit RE-USE. Von der Ankunft eines Produkts, über die Software für die Anmeldung eines Artikels und die Preisberechnung, sowie die Bewertung des Zustands eines Produkts bis hin zu Fotoprozess und Versand.
Das Secondhand Geschäft im Outdoor-Bereich steckt noch in den Kinderschuhen, doch Max Große Luttermann von reverse.supply sieht großes Potenzial innerhalb der Branche: „Outdoor-Bekleidung muss funktionell wie robust sein, um Sicherheit und Komfort bei allen Bedingungen zu geben. Dafür werden qualitativ hochwertige Produkte hergestellt, die auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet sind. Sie eigenen sich perfekt, um sie weiterzugeben.“
Langfristiges Ziel beider Unternehmen ist es, Secondhand zur ersten Wahl zu machen und Hersteller können von Recommerce Profis wie reverse.supply lernen. Denn all die Daten und Erkenntnisse, die gesammelt werden, helfen den Marken ihre Kleidungsstücke zukünftig so produzieren, dass sie für mehrere Leben gemacht sind.
reuse.bergzeit.de
- Freigegeben in Stuff