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Georgia - Caucasus


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Was ist ein Winter ohne Wünsche, Träume, Ziele? Doch nur das Warten auf den nächsten Schneefall, das Beobachten der Lawinenlage in den Bergregionen, in denen man unterwegs sein möchte, und die vier bis fünf Stunden im Skiresort, die bleiben, ehe alle Hänge zerfahren sind.

Um diese Wartezeit zu verkürzen und dem Mainstream zu entkommen, zieht es uns ins Backcountry. Hier erleben wir die ersehnten Abenteuer, hier werden unsere Wünsche wahr: Ski fahren im Pulverschnee, fremde Länder und Berge entdecken, neue Menschen kennenlernen.

Im vergangenen Winter stand Georgien auf meinem Wunschzettel, das kleine Land auf der Südseite des Kaukasus, des höchsten Gebirges Europas. Hier wird Chacha, der traditionelle georgische Tresterschnaps, nicht nur zum Nationalgericht Chatschapuri, einem mit Käse gefüllten Brotfladen, und den gefüllten Teigtaschen Chinkali serviert. Ich schloss mich einer Gruppe von Skifahrern, Snowboardern und Telemarkern an, alles erfahrene und überzeugte Tourengeher. Unser Ziel sollte der Kazbek (5.033 Meter) am Kreuzpass sein.

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Gegen fünf Uhr morgens landeten wir in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Ein Shuttle brachte uns in den Skiort Gudauri, wo wir die ersten Tage verbringen und warten wollten, bis alle angereist waren. Schon die Fahrt dorthin wurde zum Abenteuer: Polizeiautos mit ständig blinkendem Blaulicht rauschten an uns vorbei durch die Straßen mit ihren für uns unverständlichen Schildern in exotisch anmutender georgischer Schrift. Außerhalb der Stadt und ihrer Beleuchtung machte sich schnell Schläfrigkeit bei unserem Fahrer breit, die jedoch die häufigen Schlaglöcher immer wieder eindämmen konnten. Nach einer Stunde fuhren wir durch Schnee, und 15 Kilometer weiter versperrte ein etwa zehn Meter breiter Schneerutsch die Straße. Es war sechs Uhr morgens und mit einem Schneepflug nicht zu rechnen. Also holten wir die Lawinenschaufeln aus dem Gepäck und legten los. Nach 45 Minuten hatten wir mit georgischer Unterstützung eine Durchfahrt gegraben und konnten unsere Fahrt fortsetzen. Wir erreichten die Passstraße zum Kreuzpass, der Regen ging in Schnee über, und die Schneedecke wuchs kontinuierlich. In den zwei folgenden Tagen schneite es meterhoch, und so waren wir, abgesehen von einem Fluchtversuch, der im Whiteout endete, im Hotel Gudauri Hut gefangen. Dort hatten wir mehr als genügend Zeit, um unseren weiteren Aufenthalt zu planen. Am dritten Tag besserte sich das Wetter und wir nutzten die Gelegenheit dazu, uns mit dem Gelände und dem Schneedeckenaufbau vertraut zu machen. Die Diagnose war ernüchternd: zu viel Schnee in kurzer Zeit. Da es im Kaukasus keinen Lawinenwarndienst gibt, blieben wir noch zwei Tage in Gudauri, um einen besseren Überblick über die Schneebeschaffenheit zu bekommen. Kleinere Touren aus dem Skigebiet auf die Gipfel Kudebi (3.006 Meter) und Sazele (3.300 Meter) vertieften unser Gespür für die Situation vor Ort.

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Der Wetterbericht meldete für die kommenden Tage besseres Wetter. So machten wir uns in aller Herrgottsfrühe auf den Weg, um über den Sazele auf die andere Seite des Kreuzpasses zu gelangen. Auf dem Weg nach Stepanzminda passierten wir den Ort Kobi. Hier müssen alle Fahrzeuge warten, wenn der Pass geschlossen ist, und das ist im Winter fast täglich der Fall. Nur am Morgen und am Abend wird der Passübergang für wenige Stunden geöffnet. Wir marschierten mit den Skiern auf den Schultern an den LKWs vorbei, die hier wohl oder übel überwintern mussten – ohne Profil auf den Reifen und mit drei um die Felge gewickelten Ketten konnten sie unmöglich über den Pass gelangen. Nach diesem kleinen Einblick in die Fahrsicherheit auf den Straßen Georgiens setzten wir unseren Weg nach Stepanzminda fort, dem Ausgangspunkt für unsere dreitägige Tour auf den Kazbek. Die Nacht war kurz, und der kräftige Talwind, der rund ums Haus blies, tat sein Übriges. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns gegen halb sieben auf den Weg zur Bethlemi-Hütte, einer verlassenen russischen Wetterstation, die unser Stützpunkt für die folgenden Tage sein sollte. Für den 1.900-Meter-Aufstieg von unserem Standort Kazbegi (1.740 Meter) bis zur Bethlemi-Hütte (3.680 Meter) rechneten wir mit zehn Stunden. Es begann bereits zu dämmern, als wir durch das Dorf stapften. Bis zum Wallfahrtsort Zminda Sameba (2.050 Meter), der mit seiner eindrucksvollen Kuppelkirche wohl zu den meist fotografierten Klöstern in Georgien zählt, kamen wir zügig voran. Auf dem Weg passierten wir zwei Geländefahrzeuge, die vom Winter überrascht worden waren und von denen nur noch die Dächer aus dem Schnee ragten. Nun mussten wir den windgeschützten Hang verlassen und erreichten den nicht enden wollenden Grat, dem wir über 700 Höhenmeter bis zum Sabertse Shrine auf 2.900 Metern folgten. Dort kamen wir gegen 13 Uhr an. Bis hierher war es, abgesehen von der Eiseskälte und dem unbequem schweren Rucksack, den Umständen entsprechend gut vorangegangen.

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Jetzt standen wir vor der Schlüsselstelle, einem etwa 500 Meter breiten, nach Nordosten exponierten Hang, der uns den Weiterweg zum Gergeti-Gletscher versperrte. Die Sichtverhältnisse verschlechterten sich, so dass wir den Hang nicht einsehen konnten. Doch wir wussten, aus welcher Richtung der Wind blies und dass der Hang deshalb extrem geladen sein musste. Es war an der Zeit, die Meinung aller zu hören und eine Entscheidung zu treffen. Mich zu entscheiden, ließ gemischte Gefühle in mir hochkommen: Frust, das Hadern mit dem inneren Schweinehund, Erleichterung und gleichzeitig Enttäuschung, das gesetzte Ziel nicht erreichen zu können. Am Kazbek sprachen letztendlich zu viele Faktoren dagegen, weiter zu gehen. Wir entschlossen uns umzukehren. Der Berg läuft schließlich nicht davon, und so Gott will, wird sich eine neue Chance ergeben.
Unsere Tourentage im Kaukasus haben einmal mehr gezeigt, dass wir uns auf der Suche nach Abenteuern auf einem schmalen Grat bewegen. Niemand kann nach einer Tour mit Sicherheit sagen, wie knapp er am Auslösen einer Lawine vorbei gefahren ist. Wer sich draußen in der Natur bewegt, sollte dies in Demut tun.

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